Nachfolge von de Guindos: Sechs Kandidaten z. Hd. den EZB-Vizeposten

Gleich sechs Kandidaten wollen als Nachfolger des Spaniers Luís de Guindos das Amt des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) übernehmen. Wie der neue Vorsitzende der Eurogruppe, Griechenlands Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, am Samstag mitteilte, sind bei ihm Bewerbungen aus allen drei baltischen Staaten, Finnland, Portugal und Kroatien eingegangen.

Fünf der sechs Bewerber sind derzeit die Notenbankpräsidenten ihrer Staaten. Es handelt sich um Mário Centeno aus Portugal, der früher die Eurogruppe anführte, Mārtiņš Kazāks aus Lettland, Madis Müller aus Estland, Olli Rehn aus Finnland und Boris Vujčić aus Kroatien. Als einziger Nicht-Notanbanker kandidiert zudem der frühere litauische Finanzminister Rimantas Šadžius, der sich im Juli 2025 vergeblich auf das Amt des Eurogruppen-Vorsitzenden beworben hatte.

Komplizierter Nominierungsprozess

Die Amtszeit des Spaniers de Guindos läuft Ende Mai aus. Die Eurogruppe, die aus den Finanzministern der 21 Eurostaaten besteht, will schon auf ihrem Treffen am 19. Januar einen der Bewerber für das Amt nominieren. Der erfolgreiche Kandidat benötigt die Unterstützung von mindestens 16 der 21 Länder der Eurozone, die mindestens 65 Prozent der Bevölkerung des Währungsraums repräsentieren.

Nach der Nominierung werden der Rat der EZB und das Europäische Parlament konsultiert. Sie haben für die Ernennung aber kein Vetorecht. 
Nach einer Befassung aller 27 EU-Finanzminister treffen die Staats- und Regierungschefs der EU die endgültige Entscheidung auf ihrem Gipfeltreffen  im März.

Mit der ⁠Wahl des neuen EZB-Vizepräsidenten beginnt eine zweijährige Phase, in der der ‍größte Teil des sechsköpfigen EZB-Direktoriums ‍ausgetauscht wird. Im kommenden Jahr enden – in dieser Reihenfolge – auch die achtjährigen Amtszeiten des Chefvolkswirts Philip Lane (Irland), der Präsidentin Christine Lagarde (Frankreich) und der deutschen Ökonomin Isabel Schnabel.

Nur Bewerber aus kleinen Ländern

Die sechs Bewerber für das Amt des Vizepräsidenten kommen allesamt aus kleinen EU-Staaten mit einer relativ geringen „Hausmacht“ in der Eurogruppe. Einen klaren Favoriten gibt es deshalb nicht, und es darf als ehrgeizig gelten, dass sich die notwendige Mehrheit der Eurofinanzminister schon binnen einer Woche hinter einem Kandidaten versammelt.

Fast immer waren in der Vergangenheit vier der sechs EZB-Direktoriumsposten für Notenbanker aus den großen Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien reserviert, die anderen beiden Mitglieder kamen in der Regel aus kleinen Ländern. Meistens war auch das Amt des Vizepräsidenten mit einem Vertreter eines kleinen Landes besetzt; de Guindos bildete hier eine Ausnahme.

Während Portugal und Finnland schon einmal im EZB-Direktorium vertreten waren, gilt dies für die osteuropäischen Staaten durchweg nicht. Das könnte gegen die beiden bekanntesten Kandidaten – Centeno und den früheren EU-Währungskommissar Rehn – sprechen. In der Eurogruppe heißt es allerdings, wenn einer der baltischen Kandidaten eine Chance haben solle, müssten zwei der drei Bewerber schnellstmöglich ihre Bewerbung zurückziehen.

Egal wie die Wahl des Nachfolgers von de Guindos ausgeht, sie dürfte die Nachfolge von Lagarde kaum beeinflussen. Dass Spanien keinen Kandidaten für den Vizeposten ins Rennen schickt, spricht allerdings dafür, dass die Regierung in Madrid einen eigenen Bewerber für den Präsidentenposten nicht ausschließen will. Als mögliche deutsche Kandidaten gelten Bundesbankpräsident Joachim Nagel und Schnabel. Gegen letztere spricht indes, dass die Europäischen Verträge für EZB-Direktoriumsmitglieder nur eine einzige, nicht verlängerbare Amtszeit vorsehen.

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