Nach Warner-Übernehmen: Paramount greift Netflix an

Die vor wenigen Tagen vereinbarte Übernahme des Unterhaltungskonzerns Warner Bros. Discovery durch den Wettbewerber Paramount Skydance wird für einige Bewegung im Streamingmarkt sorgen. David Ellison, der Vorstandschef von Paramount, sagte in einer Telefonkonferenz, er wolle die Streamingdienste der beiden Unternehmen in den kommenden Jahren auf einer Plattform zusammenführen.

Warner hatte zuletzt knapp 132 Millionen zahlende Abonnenten, davon entfällt der größte Teil auf die Plattform HBO Max. Paramounts Streamingdienst Paramount+ kommt auf knapp 79 Millionen. Das kombinierte Unternehmen hätte also mehr als 200 Millionen Abonnenten, ähnlich viele, wie sie der Wettbewerber Walt Disney auf seinen Streamingdiensten hat. Netflix ist mit zuletzt 325 Millionen Abonnenten klarer Marktführer, aber der Verbund mit Warner gibt Paramount die Chance, zu einem stärkeren Wettbewerber zu werden. Ellison sagte, die Übernahme bringe Paramount in die Position, „effektiv mit den führenden Streamingdiensten im Markt zu konkurrieren“.

Wie die gemeinsame Plattform heißen soll, ließ Ellison zunächst noch offen. Er beschrieb aber HBO als „Kronjuwel“ und „phänomenale Marke“, und er sagte: „HBO sollte HBO bleiben.“ Die Überschneidung zwischen den einzelnen Diensten der beiden Unternehmen ist nicht allzu groß. Nach Angaben der Marktforschungsgruppe Antenna haben in den USA rund ein Fünftel der Abonnenten von Paramount+ auch HBO Max.

Noch nicht annähernd so etabliert wie Netflix

Wenn Ellison die Streamingdienste zusammenführt, wird das auch in Deutschland Spuren hinterlassen. HBO Max wurde hier erst im Januar gestartet, Paramount+ gibt es seit Ende 2022. Beide Plattformen sind hierzulande also noch nicht annähernd so etabliert wie Netflix.

Allerdings hat Ellison zuletzt aggressiv in Europa investiert. Im vergangenen Herbst hat er einen großen Teil der Live-Rechte für die Übertragung von Champions-League-Spielen in Deutschland und Großbritannien erworben. Diese Rechte hätte er nun im Zuge der Warner-Akquisition aber ohnehin bekommen, sie gehörten vorher der Warner-Tochtergesellschaft TNT Sports.

Dem am vergangenen Freitag bekannt gegebenen Übernahmeabkommen war ein mehrmonatiger Bieterkampf vorausgegangen. Anfang Dezember hatte Warner zunächst dem Verkauf an Netflix für 72,0 Milliarden Dollar zugestimmt. Wenige Tage später gab Paramount ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 77,9 Milliarden Dollar ab.

Die Angebote waren nicht völlig vergleichbar. Paramount bot für das gesamte Unternehmen, Netflix für den größeren Teil, darunter HBO Max und das Filmstudio Warner Bros., aber nicht Fernsehsender wie den Nachrichtenkanal CNN. Warner lehnte die Avancen von Paramount wiederholt ab. Aber nachdem Paramount seine Offerte in der vergangenen Woche auf rund 81 Milliarden Dollar erhöht hatte, zog sich Netflix aus dem Rennen zurück.

Vater Ellison hilft

Die Übernahme ist ein teures Manöver für Paramount, neben dem eigentlichen Preis muss das Unternehmen auch eine Strafgebühr von 2,8 Milliarden Dollar zahlen, zu der sich Warner im Falle einer Auflösung der ursprünglichen Vereinbarung mit Netflix verpflichtet hat.

Die Transaktion soll mit einem Eigenkapitalanteil von 47 Milliarden Dollar finanziert werden, für den David Ellisons Vater Larry Ellison, ein Mitgründer des Softwarekonzerns Oracle, eine persönliche Garantie abgegeben hat. Daneben hat Paramount Kreditzusagen von 54 Milliarden Dollar. Das kombinierte Unternehmen wird nach Paramount-Angaben eine hohe Schuldenlast von 79 Milliarden Dollar zu tragen haben.

Paramount verspricht aber, innerhalb von drei Jahren Synergien im Wert von sechs Milliarden Dollar zu schaffen. Nur ein kleiner Teil dieser Summe solle von Personaleinsparungen kommen. Ellison hat jetzt auch gesagt, er habe „keine Absichten“, nach dem Zusammenschluss die Zahl der produzierten Titel zu reduzieren. Künftig solle es jeweils um die 15 Filme im Jahr von Paramount und von Warner geben.

Paramount hofft, die Transaktion im dritten Quartal dieses Jahres vollziehen zu können. Das Unternehmen braucht dafür kartellrechtliche Genehmigungen aus mehreren Regionen, in den USA hat Präsident Donald Trump gesagt, er werde in diese Entscheidung eingebunden sein. Die Ellisons haben aber gute Verbindungen zu ihm.

Wenn die Übernahme zustande kommt, werden künftig eine Reihe prominenter Titel unter einem Dach sein. Zu Paramount gehören Filmreihen wie „Top Gun“ und „Mission: Impossible“, zu Warner „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“ sowie Serien wie „Game of Thrones“. Warner hat außerdem zwei der aussichtsreichsten Titel im diesjährigen Rennen um die Oscars produziert, „One Battle After Another“ und „Blood & Sinners“. Sowohl Paramount als auch Warner verfügen zudem über eine Reihe von Sportrechten.

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