Nach Trumps Zolldrohung: Debatte um deutsche Goldvorräte in den USA

Der von den USA losgetretene Konflikt um die Zukunft Grönlands stößt eine Debatte über den Umgang mit den deutschen Goldvorräten in den Vereinigten Staaten an.

„Derzeit sind die USA kein verlässlicher Partner der EU“, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Abhängigkeiten gegenüber den USA seien vor diesem Hintergrund neu zu bewerten. „Dazu gehört auch eine Analyse jener Abhängigkeiten, die sich aus der Lagerung deutscher Goldbestände in den Vereinigten Staaten ergeben.“

Der Abzug der deutschen Goldreserven aus den USA sei derzeit für die Bundesregierung kein Thema, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. In der Bundesregierung gilt dieses Thema als politisch sensibel.

Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt in der aktuellen Lage vor einer überstürzten Rückholaktion deutscher Goldreserven aus den Vereinigten Staaten. „Das würde in der aktuellen Lage nur Öl ins Feuer gießen, davon sollte man absehen“, sagte ⁠er zu Reuters. „Das sollte man eher in einer Lage angehen, in der es keine akute Konfliktlage gibt.“

Zweitgrößte Reserven

Die Bundesbank verfügt mit 3352 Tonnen über den zweitgrößten Goldschatz der Welt nach den ⁠USA (Stand: Ende 2024). Sein Wert lag zum Jahresende 2024 bei mehr als 270 Milliarden Euro, seither ist der Goldpreis deutlich gestiegen. Rund 37 Prozent der deutschen Goldbestände lagern in den Hochsicherheitstresoren der Federal Reserve Bank in New York.

Der Bund der Steuerzahler verschickte bereits im vergangenen Jahr Briefe an die Bundesbank und das Finanzministerium. Darin forderte er unter Hinweis auf die weltpolitischen Machtverschiebungen, die in New York gelagerten Goldbestände nach ⁠Hause zu holen.

US-Präsident Donald Trump hat den Konflikt mit der Europäischen Union zuletzt angeheizt. Er hatte am Wochenende angekündigt, zehn Prozent zusätzliche Einfuhrzölle auf Waren aus etlichen europäischen Ländern zu erheben, solange die Europäer den Kauf der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland durch die USA verhindern. Auch den Einsatz von Gewalt schließt Trump nicht aus.

Mit 51 Prozent liegt der Großteil des Goldes in Frankfurt am Main, rund zwölf Prozent werden von der Bank of ⁠England in London aufbewahrt. Die Goldlagerstätte in Paris hatte die Bundesbank im vergangenen Jahrzehnt aufgelöst.

Source: faz.net