Die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump, die Straße von Hormus seinerseits zu sperren, haben an den Kapitalmärkten für Verunsicherung gesorgt. Die Hoffnung auf eine konstruktive Lösung für die Meerenge vor den Küsten Irans wich am Montag der Sorge, dass der Krieg wieder eskalieren könnte. Die Ölpreise ließ die drohende Doppelblockade der wichtigen Handelsroute, über die der Großteil der täglichen Energieversorgung Asiens fließt, abermals in die Höhe schnellen.
Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohölsorte Brent aus der Nordsee bis Montagnachmittag um 7,3 Prozent auf 102 Dollar je Barrel (159 Liter). Amerikanisches Öl der Sorte West Texas Intermediate notierte sogar 8,6 Prozent höher auf 104,91 Dollar. Der für Europa relevante Gaspreis TTF erhöhte sich an den Energiebörsen um acht Prozent. Die leichte Entspannung der Preise aus der Vorwoche war zum Gutteil wieder dahin.
Der Dax verlor in Frankfurt bis zum Nachmittag um rund 1,3 Prozent auf 23.500 Punkte. Damit steht der deutsche Leitindex ungefähr zwischen seinem Krisentief aus dem März und den Februar-Hochs von gut 25.000 Punkten.
Deutsche Rendite steigt auf 3,6 Prozent
Eindeutiger ist die Entwicklung an den Anleihemärkten. Waren Bundesanleihen früher ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, nehmen die Zweifel derzeit von Tag zu Tag zu. Auch am Montag gab es Verkaufsdruck für die Bundespapiere, entsprechend fielen die Kurse. Da eine Anleihe aber zu einem festen Termin zu einem festen Kurs von 100 zurückgezahlt werden muss, wirkt ein Kursverlust von zum Beispiel 99 auf 98 Prozent renditesteigernd fdiejenigengen, die nun zu 98 kaufen und am Ende 100 Prozent zurückerhalten, sofern der Gläubiger zahlungsfähig bleibt. An diesen Marktrenditen orientieren sich aber auch die Zinskupons, die der deutsche Staat für neue Anleihen zahlen muss, sonst würde keiner die neuen Anleihen kaufen und damit dem Staat frisches Geld leihen, sondern die am Markt befindlichen Papiere.
Am Montag erreichte die Rendite der im Markt befindlichen deutschen Staatspapiere mit 30 Jahren Laufzeit eine Rendite von gut 3,62 Prozent. Das spiegelt noch keinerlei Zweifel an der Schuldentragfähigkeit Deutschlands und ist von jeder Marktpanik weit entfernt. Stück für Stück werden nun aber auch von Deutschland höhere Risikoaufschläge von den Gläubigern verlangt. Das Finanzierungsniveau ist inzwischen so hoch wie zuletzt Anfang 2011, als die Finanzierungskrise einiger europäischer Länder den Fortbestand des Euros in seiner bisherigen Form gefährdete.
Böse Erinnerungen an das Jahr 2022
Noch im Jahr 2022 lag die Rendite der deutschen Staatspapiere knapp unter null. Mit jeder neuen Anleihe, die der Bund begibt, um damit neue Schulden zu finanzieren oder alte Anleihen zurückzuzahlen, steigt damit die Zinslast deutlich. Für dieses Jahr waren gemäß der Planung der Finanzagentur des Bundes 17 Begebungen mit zwei Jahren Laufzeit im Volumen von insgesamt 92 Milliarden Euro geplant, 14 mit fünf Jahren Laufzeit im Volumen von 73 Milliarden Euro, sechs mit sieben Jahren Laufzeit und 22 Milliarden Euro Volumen, 15 mit zehn Jahren Laufzeit und 82 Milliarden Euro, 20 Milliarden Euro sollen für 15 oder 20 Jahre eingeworben werden und monatlich die Papiere mit 30 Jahren Laufzeit um insgesamt 29 Milliarden Euro aufgestockt werden.
All dies wird zusehends teurer. Gleichzeitig wird an den Märkten davon ausgegangen, dass der Finanzierungsbedarf eher noch steigt, da auch Deutschland, wie am Montag angekündigt, die höheren Kosten für Autofahren, Heizen und vieles mehr abfedern will. Gleichzeitig dämpft die teure Energie den sonstigen Konsum, belastet das Wirtschaftswachstum, erhöht die Inflation und macht daher eher Zinserhöhungen nötig, die wiederum konjunkturdämpfend wirken.
Die Spirale ist den meisten Anlegern noch aus dem Jahr 2022 bekannt. Die Angst vor einem Déjà-vu nimmt derzeit zu. Damals stiegen die Zinsen von einem sehr niedrigen Niveau aus sehr schnell und deutlich. Von dem nun höheren Ausgangsniveau wird es wohl nicht noch einen, zwei oder drei Prozentpunkte nach oben gehen. Ganz auszuschließen ist es indes nicht, was immer mehr Anleger Vorsicht walten lässt. Auch die Renditen für Finanzierungen über zehn Jahre zeigten sich am Montag mit 3,1 Prozent erhöht und nahe ihren 15-Jahres-Hochs.
Für Großbritannien wird es besonders teuer
Deutschland bewegte sich damit im Einklang des Markttrends, verfügt aber nach wie vor über die günstigsten Finanzierungsbedingungen im Euroraum. Die Niederlande zahlen für zehn Jahre 3,2 Prozent, Portugal knapp 3,5 Prozent, Spanien gut 3,5 Prozent, Frankreich rund 3,8 Prozent, Griechenland gut 3,8 Prozent und Italien 3,9 Prozent.
Großbritannien kratzt an der symbolisch von einigen Beobachtern für wichtig gehaltenen Schmerzgrenze von fünf Prozent, die USA liegen bei etwa 4,4 Prozent. Besondere Beachtung verdient zuletzt indes die Entwicklung im hoch verschuldeten Japan. Dort verlor der Aktienindex Nikkei am Montag ebenfalls moderat knapp ein Prozent. Nach den heftigen Turbulenzen, die frühere überraschende Wendungen in der Irankrise ausgelöst hatten – nach oben wie nach unten –, waren das vergleichsweise schwache Kursbewegungen.
Deutlich stärker reagieren hier aber auch die Anleihemärkte, was dafür spricht, dass sich die Anleger eher vor den langfristigen Folgen der neuen Unsicherheit für die Straße von Hormus sorgen. Trump kündigte unter anderem an, künftig Schiffe zu beschlagnahmen, die dank „illegaler“ Gebühren an Iran durch die Straße von Hormus fahren würden.
Anleiherenditen in Japan auf höchstem Niveau seit 1997
In Japan stieg die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihen auf 2,49 Prozent und damit den höchsten Stand seit 29 Jahren. „Die Unsicherheit über die Aussichten für die Lage im Nahen Osten bleibt hoch“, kommentierte Anleihestratege Keisuke Tsuruta von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities die Bewegung.
Tokio hat schon am 11. März Notfallzuschüsse für Kraftstoffe eingeführt, um den Benzinpreis bei rund 170 Yen (0,91 Euro) je Liter zu deckeln. Alle weiteren Anstiege will sie aus staatlichen Mitteln ausgleichen. Doch solche Aktionen sind teuer, was international besonders kritisch beäugt wird, da Japan ohnehin schon so hoch verschuldet ist wie keine andere Industrienation. Die Subventionen dürften das Land zwingen, weitere Staatsschulden aufzunehmen. Höhere Zinsniveaus machen das Schuldenmachen allerdings zugleich teurer.
Teebauern sollen bevorzugt Öl bekommen
Schon vor den nun abgebrochenen Friedensgesprächen hatte die weiterhin bestehende Unsicherheit über die Sicherheit der Straße von Hormus die Lage an den asiatischen Energiemärkten angespannt belassen. Von 45 Schiffen „mit Japanbezug“ hatten sich laut japanischen Medienberichten in der kurzen Phase der Waffenruhe gerade einmal drei Schiffe durch die Straße von Hormus getraut. Keines von ihnen hat Energierohstoffe nach Japan geliefert. In normalen Zeiten erhält die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt 95 Prozent ihrer Ölimporte aus dem Nahen Osten, einen Großteil davon durch die nun blockierte Meerenge.
Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte am Freitag angekündigt, dass die Regierung Öl aus den staatlichen Notreserven für weitere 20 Tage freigeben werde. Grundsätzlich sei genug Rohöl bis ins kommende Jahr hinein da, hieß es von der Regierung. Die Verteilung von Erdölprodukten wie Schweröl und Diesel sei aber in einigen Regionen gestört, wodurch Kraftstoff zum Teil nicht schnell genug an seine Bestimmungsorte gelange. Das Wirtschaftsministerium in Tokio rief daher die drei größten Ölkonzerne des Landes dazu auf, besonders wichtige Abnehmer wie Krankenhäuser und auch die Teebauern, die gerade ihre Ernte beginnen, direkt und ohne die üblichen Zwischenhändler zu beliefern.
Source: faz.net