Das Sicherheitsgefühl von Beschäftigten in Zügen und Bussen hat sich
weiter verschlechtert. Zwei Drittel gaben in einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) an, sie fühlten sich unsicherer als in der Vergangenheit. 50 Prozent haben demnach bereits einen körperlichen Übergriff erlebt, 85 Prozent verbale Anfeindungen. Dies sei mittlerweile Alltag und keine Ausnahme mehr, so die EVG. Bei einer ähnlichen Frage nach dem Sicherheitsempfinden hatten vor zwei Jahren 63 Prozent von einer Verschlechterung berichtet.
Für die aktuelle Umfrage hat die Gewerkschaft zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar mehr als 4100 Mitglieder befragen lassen. Alle haben dabei Kundenkontakt – im Nah- oder Fernverkehr, in Bussen oder an Bahnhöfen. Ein Drittel der Befragten gab an, über
einen Berufswechsel nachzudenken. Das könnte das ganze System ins Wanken bringen, warnte die EVG.
Bei mehr als der Hälfte der Beschäftigten bietet der Arbeitgeber keine
Notrufoption an. Besonders ausgeprägt ist der Handlungsdruck in Bussen. Hier wünschen sich 86 Prozent der Busfahrer Notrufoptionen, 89 Prozent geschützte Bereiche etwa durch Sicherheitsscheiben und 91 Prozent Videoüberwachung.
Sicherheitsgipfel nach Tod von Zugbegleiter
Bund, Länder und Deutsche Bahn hatten Mitte Februar nach einem Spitzentreffen angekündigt, für mehr Sicherheit in Zügen sorgen zu wollen. Dafür sollen alle Bahn-Mitarbeitenden im Kundenkontakt auf freiwilliger Basis noch in diesem Jahr mit Kameras – sogenannten Bodycams – versorgt werden. Zudem will die Bahn 200 zusätzliche Beschäftigte einstellen, die in Bahnhöfen und Zügen patrouillieren sollen.
Dem Sicherheitsgipfel vorangegangen war ein aufsehenerregendes Verbrechen Anfang Februar: Der Zugbegleiter Serkan C. wurde auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken von einem Fahrgast ohne Ticket schwer verletzt und starb kurz danach. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert.