Nach Schlaganfall: Trump-Gegnerin gibt Chefposten jener UN-Hungerhilfe uff

Die Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms (WFP), Cindy McCain, legt ihr Amt nieder. Die 71-jährige Amerikanerin, Witwe des verstorbenen Senators John McCain, reagiert damit auf einen leichten Schlaganfall im Oktober 2025, der die Fortsetzung ihrer Arbeit unmöglich mache. „Mit einem schweren Herzen kündige ich meine Absicht an zurückzutreten“, gab sie am Donnerstag im WFP-Hauptquartier in Rom bekannt.

Das WFP war lange Zeit die größte Unterorganisation der Vereinten Nationen in Bezug auf ihr Budget von mehr als 10 Milliarden Dollar sowie ihren großen logistischen Hilfsapparat. Sie ist vor allem für die schnelle Hilfe bei Hungerkrisen zuständig. Durch die Budgetkürzungen der amerikanischen und anderer Regierungen, darunter auch die der Bundesrepublik, sind die Möglichkeiten seit dem vergangenen Jahr allerdings stark eingeschränkt.

Cindy McCain ist seit langem eine offene Gegnerin von Donald Trump. Nach dessen zweiter Wahl ins Weiße Haus ließ er die Amerikanerin jedoch zunächst unbehelligt. Nun eröffnet ihr Rücktritt dem US-Präsidenten die Möglichkeit, den Posten mit einem Wunschkandidaten zu besetzen. Damit wird in Rom in diplomatischen Kreisen gerechnet. Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Amerikaner dieses Recht für sich in Anspruch, denn sie sind auch nach den Kürzungen mit Abstand die größten Beitragszahler. Das WFP gilt als eine der bekanntesten und beliebtesten UN-Organisationen in den USA.

McCain war mit Budgetkürzungen konfrontiert

McCain will nach eigenen Angaben in drei Monaten ihren Posten abgeben; im Januar war sie nach dem Schlaganfall zurückgekommen, doch „gesundheitlich habe ich mich nicht so erholt, dass ich den enormen Anforderungen dieser Aufgabe nachkommen könnte“. Der Rücktritt sei eine der „schwierigsten Entscheidungen ihres Lebens“ gewesen.

Dem früheren US-Präsident Joe Biden stand McCain nahe, auch wenn sie der Republikanischen Partei angehörte. Er ernannte sie 2021 erst zur amerikanischen Botschafterin für die UN-Organisationen in Rom und zwei Jahre später zur WFP-Exekutivdirektorin. In ihren emotionalen Abschiedsworten vor einem Kreis von Führungskräften sprach sie vom unverzichtbaren Wert des WFP im Dienst der Hungerbekämpfung; angesichts drastisch steigender Zahlen unterernährter Menschen auf der Welt sei die Organisation wichtiger denn je. Als die Amerikanerin 2023 die Leitung übernahm, trat sie in große Fußstapfen. Ihr intern sehr beliebter Vorgänger David Beasley, ein ehemaliger US-Gouverneur, hatte aufgrund seiner guten Kontakte in viele politische Lager Rekordgelder in den Vereinigten Staaten eingesammelt. In seiner Amtszeit erhielt das WFP auch den Friedensnobelpreis.

McCain dagegen hatte mit Trumps Budgetkürzungen, mit allgemein sinkender Spendenbereitschaft und mit weltweit wachsenden Hungerkrisen zu tun. Allerdings wurde ihr von WFP-Mitarbeitern auch vorgeworfen, dass sie das Management der Organisation teilweise in die falschen Hände legte. Seit das WFP in großem Umfang Personal abbauen muss, ist die Stimmung am Sitz in Rom stark angespannt. Zu Beginn ihrer Amtszeit warfen ihr WFP-Mitarbeiter auch vor, zu wenig Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen und zu viel Nähe zu Israel gezeigt zu haben; die Kritik legte sich später aber wieder.

Nach eigenen Angaben hat McCain das WFP durchgreifend reformiert: Verschiedene Prozesse seien effizienter gemacht worden, die Digitalisierung sowie Partnerschaften mit privaten und öffentlichen Organisationen seien vorangekommen. Der deutsche UN-Botschafter in Rom, Andreas von Brandt, nannte McCain einen „Felsen der Menschlichkeit und des Engagements in schwierigsten Zeiten“. Doch das knappe Geld überschattete alle Anstrengungen: Das Budget des WFP sank im vergangenen Jahr von knapp 10 auf rund 6 Milliarden Dollar.

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