Nach offenem Brief – Weimer verteidigt Berlinale gegen Kritik

Stand: 18.02.2026 21:57 Uhr

Künstler werfen der Berlinale in einem offenen Brief vor, sich nicht ausreichend zum Gaza-Krieg zu positionieren. Kulturstaatsminister Weimer weist das zurück und stellt sich hinter Jurychef Wenders.

Nach einem offenen Brief mehrerer Filmschaffender zum Nahostkonflikt hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Berlinale gegen Kritik verteidigt. Die Berlinale sei keine Nichtregierungsorganisation „mit Kamera und Regie“, sondern sie sei ein Ort, an dem sich Filmschaffende entfalteten, offen miteinander diskutierten und alle Themen adressierten, sagte Weimer dem Sender Welt TV. „Und das findet statt.“

Das Branchenblatt Variety hatte den offenen Brief Dutzender Künstler veröffentlicht. Darin hatten sie der Berlinale eine mangelnde Positionierung im Gaza-Krieg vorgeworfen. Zu den Unterzeichnern gehört neben Schauspieler Javier Bardem und Fotokünstlerin Nan Goldin auch die Schauspielerin Tilda Swinton, die 2025 den Goldenen Ehrenbären der Berlinale erhalten hatte.

Sie seien entsetzt über das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern“, heißt es in dem Schreiben. Zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine habe sich das Festival dagegen klar positioniert.

Festivalchefin weist Zensurvorwürfe zurück

Als Reaktion auf den besagten offenen Brief hat Berlinale-Chefin Tricia Tuttle die Vorwürfe zurückgewiesen. Es stimme nicht, dass sie Filmemacher „zum Schweigen gebracht“ oder „eingeschüchtert“ hätten, sagte Tuttle der Nachrichtenagentur dpa.

Sie sei von dem Brief überrascht worden und es sei „unglaublich hart“ gewesen, ihn zu lesen. Einige der Unterzeichner kenne sie und sie habe sich gewünscht, dass sie sie zuerst kontaktiert hätten.

Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung. Zur Frage, wie ihre Position sei, sagte Tuttle, sie sei zutiefst betroffen über den Verlust von Menschenleben in der Zivilbevölkerung. „Ich fordere Israel nachdrücklich auf, sich an das Völkerrecht zu halten. Ich bin auch der Meinung, dass die Regierungen und Partner Israels dafür sorgen müssen, dass sie sich an das Völkerrecht halten, um das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen.“

Berlinale-Chefin Patricia Tuttle

Auch Kritik an Jurypräsident Wenders

Die Unterzeichner des Briefs kritisierten zudem Jurypräsident Wim Wenders und warfen der Berlinale Zensur vor. Auch diesem Vorwurf widersprach Kulturstaatsminister Weimer: Es werde keine Zensur betrieben – die Berlinale sei ein Ort, an dem Meinungen aufeinanderprallten, wo offen diskutiert werde. Die Bandbreite der politischen Debatte sei enorm groß.

Wenders werde aus einer bestimmten Ecke von Aktivisten – „von Pali-Aktivisten“ – bedrängt, „noch mehr zu sagen, noch mehr zu tun“, sagte Weimer. Seiner Meinung nach, habe Wenders „genau die richtigen Worte gefunden“. Wie immer sei die Berlinale eine sehr politische Veranstaltung. „Es werden die heiklen Themen alle angesprochen.“

Starregisseur Wim Wenders ist in diesem Jahr Jury-Vorsitzender der Berlinale.

Tuttle kritisiert Umgang mit Wenders‘ Aussagen

Der Regisseur („Perfect Days“, „Paris, Texas“) hatte gesagt, sie könnten sich nicht auf das Feld der Politik begeben. Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, sie seien ein Gegengewicht zur Politik.

Tuttle kritisierte, es sei nur ein Ausschnitt herausgegriffen worden, was sie traurig mache. „Denn dieser Mensch zeigt seit 50 Jahren mit unglaublichen Filmen eine immense Empathie für die Menschen. Er hat uns Menschen sehen lassen, die vielleicht sonst unsichtbar geblieben wären. In seinen Werken steckt immer ein politisches Element.“

Sie halte es für ungerecht, dass Leute einen „Ausschnitt herausgreifen, ihn falsch darstellen und daraus eine virale Kampagne machen“, sagte Tuttle der dpa.

Source: tagesschau.de