Die Inflation im Euroraum belief sich im März auf 2,5 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Dienstag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt.
Im Februar, als die Energiepreise schon zu steigen begannen, hatte die Inflationsrate 1,9 Prozent betragen, im Januar waren es noch 1,7 Prozent gewesen.
Bislang scheint sich der Wiederanstieg der Inflationsraten fast ausschließlich auf höhere Preise für Heizöl, Benzin und Diesel zu gründen, wie der Ökonom Holger Schmieding vom Hamburger Bankhaus Berenberg analysierte. Gut denkbar aber, dass das nicht auf Dauer so bleibt.
Je nach Euroland ist die Entwicklung noch mal unterschiedlich. Das war schon an den Tankstellen zu beobachten: In Deutschland waren nach Zahlen des Automobilclubs von Deutschland (AvD) die Kraftstoffpreise nach Beginn des Irankriegs am schnellsten und am stärksten gestiegen.
Benzinpreise steigen nicht überall gleich
Das hing unter anderem damit zusammen, dass die Preisbildung für Benzin und Diesel in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich ist, und es Staatseingriffe gab. In Malta beispielsweise sind die Kraftstoffpreise längerfristig staatlich fixiert. Dort gab es zunächst überhaupt keinen Benzinpreisanstieg. In Frankreich machte die Regierung Druck, daraufhin führte der Energiekonzern Total eine freiwillige Preisobergrenze ein.
Die Inflationsrate in Deutschland war nach der nationalen Berechnungsweise des Verbraucherpreis-Index, kurz VPI, im März von 1,9 auf 2,7 Prozent gesprungen. Die Inflationsrate nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index HVPI, der für Vergleiche mit anderen Euroländern verwendet wird, erreichte sogar schon 2,8 Prozent.
Auch die anderen Euroländer konnten sich den Folgen des Ölpreisschocks nicht entziehen, auch wenn die Inflationsraten überall unterschiedliche Werte erreichen. In Frankreich legte die Rate von 1,1 Prozent im Februar auf 1,9 Prozent im März zu. In Österreich stieg sie von 2,2 auf 3,1 Prozent. In Spanien erhöhte sie sich von 2,5 auf 3,3 Prozent.
IWF: Inflationsanstieg in aller Welt
Der Internationale Währungsfonds (IWF) kommt in einer Analyse zu dem Schluss, aufgrund des Irankriegs drohten in aller Welt höhere Inflation und weniger Wachstum. Wie stark die Auswirkungen ausfielen, hänge noch von Dauer, Ausweitung und Zerstörungskraft des Konflikts ab.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 30. April zu entscheiden, ob sie mit einer Erhöhung der Leitzinsen auf den Anstieg der Inflation reagiert. Bis dahin ist also noch etwas Zeit, das zu entscheiden.
Im März hatte die Notenbank die Zinsen unverändert gelassen, wofür es von vielen Ökonomen Zustimmung gab. Jetzt gibt es aber auch Stimmen, die äußern, dass es gefährlich allzu lange zu warten. Ob ein Handeln notwendig ist, scheint aber noch umstritten zu sein. An den Finanzmärkten wird überwiegend eine Zinserhöhung noch vor dem Sommer erwartet.
Notenbanker äußern sich zurückhaltend
EZB-Vertreter dämpften zuletzt die Erwartung auf baldige Leitzinserhöhungen. „Die Finanzmärkte haben die Situation in den letzten Tagen etwas überinterpretiert“, sagte der Präsident der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau.
Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel zeigte sich eher zurückhaltend. Die EZB sollte ihre Reaktion auf den Irankrieg nicht überstürzen, sagte Schnabel am Freitag auf einer Veranstaltung in Zürich: „Wir haben Zeit, die Daten zu prüfen und zu analysieren, was tatsächlich geschieht.“
Zu den Fragen, die geklärt werden müssen, gehört: Handelt es sich nur um einen isolierten Ölpreisschock, gegen den die EZB wenig machen kann – oder gibt es einen breiteren Anstieg der Inflation, auf den die Geldpolitik mit Zinserhöhungen reagieren muss?
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer jedenfalls warnte: „Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet.“
Source: faz.net