Nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln gibt es nun ein Verfahren gegen die Neuköllner Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) wegen Strafvereitelung im Amt.
Zudem liegen Strafanzeigen wegen anderer in Betracht kommender Delikte gegen die Leiterin des Jugendamtes Neukölln vor. Darüber informierte Bildungs- und Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) die Abgeordneten im Berliner Landesparlament.
Günther-Wünsch hat zu raschen Konsequenzen der Verantwortlichen im Bezirk angemahnt. „Es reicht nicht, Betroffenheit zu bekunden“, sagte die CDU-Politikerin im Abgeordnetenhaus. Es gehe jetzt um „klare und spürbare Konsequenzen“.
Der Jugendclub ist nach Angaben des Bezirks seit dem 13. März geschlossen. Dort soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein – die Polizei erfuhr davon erst am 23. Februar durch die Anzeige des Vaters. Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall.
Weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln erstatteten zunächst Anzeige. Dies sorgte für Kritik. Nach Angaben des Bezirks wurde das Jugendamt am 28. Januar über die Vorfälle informiert. Die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) erfuhr demnach erst am 2. März davon.
„Ich bin nach wie vor erschüttert und sehr betroffen, was das Leid der zwei Mädchen betrifft“, sagte die Senatorin Günther-Wünsch während der Fragestunde im Abgeordnetenhaus.
Jugendamt wird Vertuschung vorgeworfen
„Kein einziges Wort zu diesem Fall, keine Übernahme von Verantwortung“, warf sie dem Bezirksbürgermeister Martin Hikel vor. „Stattdessen erleben wir die Situation, dass eine Bezirksstadträtin, die selbst Gegenstand von Ermittlungen ist, an der Aufklärung mitwirken soll, und einen Bezirksbürgermeister, der nicht präsent ist“, fügt Günther-Wünsch hinzu, wie unter anderm der „Tagesspiegel“ berichtet.
Die Senatorin erklärte, ihre Verwaltung habe erst Ende Februar durch einen anonymen Hinweis von dem Fall erfahren und daraufhin eine Prüfung eingeleitet. Wegen widersprüchlicher Angaben des Bezirks wurde dieser zu einer Fallbesprechung eingeladen, bei der sich zeigte, dass kein reguläres Kinderschutzverfahren eingeleitet worden war.
Abwahlantrag gegen Stadträtin Nagel scheitert zunächst
Die Jugendverwaltung forderte anschließend umfassende Unterlagen an und stellte einen Fragenkatalog. Während der Träger fristgerecht lieferte, blieb eine Antwort des Bezirks zunächst aus. Dort hieß es, Jugendstadträtin Sarah Nagel habe die umfangreichen Fragen erst kurzfristig erhalten, eine Antwort solle nachgereicht werden.
Parallel laufen Ermittlungen und es gibt Strafanzeigen gegen Beteiligte. Mitarbeiterinnen eines Mädchenzentrums werfen dem Jugendamt zudem Vertuschung vor. Ein Abwahlantrag gegen Stadträtin Nagel scheiterte zunächst an der Tagesordnung und wird frühestens im April erneut behandelt. Eine mögliche Abwahl hätte wohl vor allem symbolischen Charakter, da Nagel ab Juni in Mutterschutz geht.
Mittlerweile gibt es erste personelle Konsequenzen. Am Mittwoch hatte Nagel mitgeteilt, dass eine Person im Jugendamt auf eine andere Stelle umgesetzt worden seit. Weitere personalrechtliche Schritte werden nach Angaben der Stadträtin im Laufe des Aufklärungsprozesses geprüft.
Source: welt.de