Die Begegnung mit einem mutmaßlichen Psychopathen reichte aus, um Doktor Leanne ten Brinke ihre Berufswahl überdenken zu lassen. Mit Anfang 20 studierte sie forensische Psychologie in Halifax in der kanadischen Provinz Nova Scotia und arbeitete ehrenamtlich in einer Bewährungshilfeeinrichtung, die wöchentliche Gruppentreffen für entlassene Sexualstraftäter anbot. „Die meisten Männer zeigten Reue“, erinnert sich Ten Brinke. „Sie schienen wirklich zu erkennen, welchen Schaden sie angerichtet hatten.“ Bis auf einen.
Die Therapiesitzung schien „für ihn so etwas wie ein Spiel“ zu sein. Einmal ging es darum, welche Auswirkungen die Verbrechen der Täter auf die Opfer hatten. Da starrte dieser Vergewaltiger Ten Brinke an, lächelte leicht und begann zu erzählen, wie sehr sein Opfer ihr ähnlich sehe und „wie sehr ich ‚sein Typ‘ sei“. Er wollte mich offensichtlich ängstigen, und das ist ihm auch gelungen.
Diese Erfahrung hielt sie davon ab, nach dem Studium mit verurteilten Straftätern zu arbeiten. Aber sie blieb fasziniert von „dunklen Persönlichkeiten“. Vor allem interessierte sie Psychopathie, aber auch Narzissmus, Machiavellismus (Manipulation und Ausbeutung anderer) und Sadismus.
Von der Politik über die Wirtschaft bis hin zu den Medien gab es keinen Mangel an Leuten, die sie untersuchen konnte. Überall fanden sich egoistische, gefühllose, impulsive und manipulative Menschen, die sich oft gesellig und charmant gaben. „Mir wurde klar, dass diese Eigenschaften nicht nur auf die Unterwelt beschränkt sind. Sie tauchen in allen Bereichen unseres Lebens auf.“
Geschätzt ein Prozent der Bevölkerung weist klinisch relevante Ausprägungen von Psychopathie auf
Laut Ten Brinke, die heute Associate Professorin für Psychologie an der University of British Columbia in Kanada ist, können diese Menschen in unseren Familien sein oder direkt nebenan wohnen. Sie sind die Trolle im Internet. Sie sind bei der Arbeit anzutreffen oder in der Schule; sie leiten unsere Institutionen und unsere Länder.
Anstatt spezifische Erkrankungen zu sein, die man entweder hat oder nicht hat, geht man heute davon aus, dass Psychopathie und andere Persönlichkeitsstörungen auf einem Kontinuum existieren, erklärt Ten Brinke. Schätzungen zufolge weist ein Prozent der Gesamtbevölkerung klinisch relevante Ausprägungen von Psychopathie auf (hohe Werte auf der PCL-R, der häufig zur Diagnose verwendeten Psychopathie-Checkliste).
Andere Studien ergaben, dass bis zu 18 Prozent der Menschen „erhöhte“ Werte aufweisen – was wir als „dunkles Terrain“ bezeichnen könnten, wie Ten Brinke es in ihrem neuen Buch „Poisonous People: How to Resist Them and Improve Your Life“ (Giftige Menschen: Wie man ihnen widersteht und sein Leben verbessert) formuliert.
Unter Gefängnisinsassen liegt der Anteil klinischer Psychopathen etwas höher bei etwa 20 Prozent. Diese dunklen Persönlichkeiten – die potenziell am gefährlichsten sind und am ehesten rückfällig werden – sind jedoch besonders gut darin, Entscheider dazu zu bringen, sie auf Bewährung freizulassen, wahrscheinlich weil sie so überzeugend sein können.
Kinder können behandelt werden, bei Erwachsenen ändert das nur das Verhalten, nicht aber die Persönlichkeit
Die überwiegende Mehrheit der Menschen weist keine klinisch relevante Psychopathie auf. Aber Menschen mit ausgeprägten dunklen Persönlichkeitsmerkmalen verursachen überproportional viel Schaden für die Gesellschaft, sei es im kriminellen oder politischen Bereich oder in den von ihnen geführten Unternehmen oder Organisationen.
„Die Forschung legt nahe, dass sowohl die Veranlagung als auch die Erziehung eine Rolle spielen“, erklärt Ten Brinke. „Das ist insofern vielversprechend, als wir wissen, dass sich durch die Beeinflussung der Umgebung die Entwicklung von Menschen verändern lässt.“
Das gelte insbesondere für Kinder mit „gefühllosen, emotionslosen“ Merkmalen und anhaltend aggressivem Verhalten. Laut Ten Brinke lässt sich das „bereits im Alter von zwei oder drei Jahren messen, und es ist wichtig, dass diese Kinder so früh wie möglich behandelt werden, da wir dort Veränderungen der Merkmale im Laufe der Zeit beobachten können“.
Bei Erwachsenen kann eine Behandlung nur das Verhalten, nicht aber die Persönlichkeit verändern. „Die besten Forschungsergebnisse, die wir zur Behandlung von Erwachsenen haben, stammen aus dem Strafvollzug. Es handelt sich um Menschen, die sehr ausgeprägte klinische Merkmale aufweisen und Straftaten begangen haben, die oft gewalttätiger Natur sind.
Das Ziel der Behandlungsprogramme ist in der Regel, die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen, insbesondere von gewalttätigen Rückfällen, zu verringern, und die Forschung zeigt, dass das funktionieren kann. Selbst Personen mit einem hohen Grad an Psychopathie, die sich in Behandlung befinden, weisen im Laufe der Zeit eine geringere Rückfallquote auf.“
Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr Chef ein Psychopath ist
In der Schule sah Ten Brinkeeine Dokumentation über Psychopathie und war sofort fasziniert. „Ich war einfach so neugierig auf jemanden, der die Welt so anders erlebt als ich.“ Sie war fasziniert von Kriminellen. In ihrer Doktorarbeit untersuchte sie, ob es möglich ist, anhand der öffentlichen Appelle von Eltern, deren Kinder verschwunden sind, diejenigen zu identifizieren, die sie selbst getötet hatten.
Am Ende ihrer Promotion hatte Ten Brinke jedoch genug vom Thema Mord. Sie begann Wirtschaftswissenschaften zu studieren, „wodurch sich mein Interesse verstärkte, dunkle Persönlichkeitsmerkmale in verschiedenen Kontexten zu untersuchen“.
Es gibt laut Ten Brinke eine geringe, aber durchaus realistische Gefahr, dass Ihr Chef ein Psychopath ist, da Menschen mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen in Führungspositionen überrepräsentiert sind. „Wir wissen mit Sicherheit, dass Menschen mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen sehr an Macht und Status interessiert sind“, berichtet sie weiter.
„Außerdem wirken sie oft sehr charismatisch und extrem selbstbewusst, und wir neigen dazu, Selbstbewusstsein mit Kompetenz zu verwechseln. Wahrscheinlich bewerben sie sich auch einfach häufiger um solche Positionen als der Durchschnittsmensch.“
Ein Anzeichen für dunkle Persönlichkeiten sind Menschen, die andere unterbrechen und herabwürdigen
Im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit wurde Ten Brinke von einem Finanzberatungsunternehmen beauftragt, bei der Beurteilung zu helfen, welchen Hedgefonds-Managern es sein Geld anvertrauen sollte. „Ich habe insbesondere nach Anzeichen dafür gesucht, dass sie möglicherweise lügen, was das Unternehmen sicher hätte wissen wollen, bevor es entschied, ihnen Millionen von Dollar anzuvertrauen. Aber wir haben auch Persönlichkeitsmerkmale untersucht.“
Einige stachen besonders hervor. Bei einer Investorenkonferenz beobachtete Ten Brinke fasziniert, wie ein CEO seine Kollegen ebenso wie potenzielle Kunden herabwürdigte, was ein Zeichen für eine dunkle Persönlichkeit sein kann. „Alles musste sich um ihn drehen, alle Aufmerksamkeit galt ihm, niemand sonst durfte Lob erhalten.“ Er unterbrach ständig andere.
„Das Interessante daran war, dass die Anwesenden davon tatsächlich angetan waren. Sein Verhalten schien ihre Vorstellung davon zu bestätigen, welche Art von Persönlichkeit in dieser Position erfolgreich sein wird, obwohl unsere Untersuchungen zeigen, dass diese Eigenschaften tatsächlich zu geringeren Erträgen führen.“
Aus dem gleichen Grund glauben wir, dass extremes Selbstvertrauen gute Führungskräfte ausmacht. Auch hier kommt wieder unsere Bereitschaft ins Spiel, Selbstvertrauen mit Kompetenz gleichzusetzen. Ein „starker Mann“ neigt dazu, sich selbst als großartigen Anführer zu sehen, und er sagt uns anderen, dass er es ist.
„Wir neigen dazu, ihnen zu glauben, weil wir Wahrheit verzerrt wahrnehmen. Untersuchungen zeigen, dass wir dazu neigen, zunächst alles zu glauben, was uns gesagt wird, es sei denn, wir haben einen konkreten Grund, misstrauisch zu sein.“
In unsicheren Zeiten suchen Menschen nach „starken Führern“
Es gibt auch das, was Ten Brinke als „dunkle Spirale“ bezeichnet. In Zeiten der Unsicherheit und des Konflikts „suchen wir nach einem ‚starken‘ Führer. Sobald dieser dann im Amt ist, kann er noch mehr Chaos und Instabilität verursachen, was uns wiederum dazu veranlasst, erneut für jemanden mit diesen Eigenschaften zu stimmen. So können wir in einen Teufelskreis geraten.“
In ihrem Buch räumt Ten Brinke ein, dass sie keine Ahnung hat, wie Donald Trump auf der PCL-R-Checkliste abschneiden würde. Aber sie deutet an, dass er ausgeprägte Merkmale aufweist, und nennt als Beispiele seine Zehntausenden von Lügen, seinen Mangel an Empathie (wie beispielsweise, als er einen behinderten Reporter verspottete), seine Impulsivität und seine Abweichung von sozialen Normen.
In einer ihrer Studien mit mehr als 100 US-Senatoren hatten dunkle Persönlichkeitsmerkmale jedoch einen negativen Einfluss auf deren Einfluss. Was bei der Verabschiedung von Gesetzesvorlagen half, war Zusammenarbeit: „Menschen, die bescheidener sind, die mutig sind, aber auch bereit sind, die andere Seite zu sehen und zuzugeben, wenn sie Fehler machen, zuzugeben, wenn sie ihre Meinung ändern“. Das Erkennen und Wertschätzen dieser Eigenschaften könnte uns helfen, Führungskräfte anders auszuwählen.
Das Erkennen dunkler Persönlichkeiten kann uns überhaupt helfen, in vielen Bereichen des Lebens fundiertere Entscheidungen zu treffen, ist Ten Brinke überzeugt. „Je nach den Umständen kann es sich entweder um eine Situation handeln, in der man solche Menschen ‚erkennen und meiden‘ oder ‚erkennen und damit umgehen‘ muss.“ Untersuchungen zeigen, dass Stellenanzeigen, in denen „ergebnisorientierte“ oder „unkonventionell denkende“ Menschen gesucht werden, mehr Narzissten anziehen als Anzeigen, in denen der Wunsch nach Teamplayern im Vordergrund steht.
Wie kann man vermeiden, „dunkle Persönlichkeiten“ anzuziehen?
Das Gleiche gilt für Dating-Profile. Aber wie kann man vermeiden, eine dunkle Persönlichkeit anzuziehen, oder eine solche anhand ihres Profils erkennen? „Sie könnten Euphemismen verwenden, um einige dieser Eigenschaften positiv darzustellen“, erklärte Ten Brinke. „‚Nervenkitzel liebend‘ könnte auf eine gewisse Impulsivität hindeuten.“ Macht kann attraktiv sein, aber „man muss genau unterscheiden, ob diese auf dem Respekt der Anderen beruht oder, indem man Andere in eine angsterfüllte, untergeordnete Position bringt“.
Sie rät daran zu denken, dass „der erste Eindruck oft nicht ausreicht.“ Aber es gibt allgemeine Verhaltensweisen, auf die man achten sollte. „Wenn jemand oft unterbricht, aber selbst sehr wütend wird, wenn er unterbrochen wird; wenn er persönliche und berufliche Grenzen ignoriert und überschreitet.“
Solche Menschen können charismatisch und charmant sein. In romantischen Beziehungen ist „Love Bombing“ zu Beginn oft ein Merkmal. „Ich denke, das ist ein guter Grund, die Dinge relativ langsam anzugehen. Man braucht Zeit und Kontext, um sich ein echtes Bild von jemandem zu machen.“
Menschen mit einer dunklen Persönlichkeit können allerdings sehr geschickt darin sein, andere zu täuschen. Dagegen sind wir laut Ten Brinke in der Regel ziemlich schlecht darin, das zu erkennen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung könne man eine Lüge nicht zuverlässig anhand der Körpersprache erkennen. „Wir wünschen uns, dass das funktioniert“, erklärt die Psychologin. „Aber wir stellen immer wieder fest, dass diese Hinweise ziemlich schwach sind.“
„Stattdessen muss man auf verbale Anzeichen achten, wie zum Beispiel Unstimmigkeiten. Allerdings ist das anstrengend und wahrscheinlich nichts, was man bei jeder Interaktion im Hintergrund ablaufen lassen möchte. Aber in manchen Situationen, in denen ich denke: OK, das ist eine Person, die wahrscheinlich manipulativ ist, achte ich vielleicht mehr auf das, was sie sagt. Stellen Sie gute Fragen, haken Sie weiter nach.“
Sie können Menschen mit „dunklen Persönlichkeiten“ nicht meiden, aber Grenzen setzen
Menschen mit Narzissmus-Neigung können „klassische Verhaltensweisen zeigen, wie Prahlerei und viel über sich selbst reden. Sie sind immer der Experte für jedes Gesprächsthema. Jemand mit psychopathischen Zügen kann impulsiv sein. „Wir sehen auch emotionale Andersartigkeit in dem Sinne, dass sie seltsam ruhig sein können und keine Emotionen zeigen.“ Oder ihre Emotionen können aufflammen, aber nur von kurzer Dauer sein, insbesondere im Falle von Wut.
Wir alle können Momente der Schadenfreude über das Unglück anderer erleben. Aber wenn jemand regelmäßig andere herabsetzt oder sich offenbar an den Misserfolgen oder dem Leid anderer erfreut, „können das wichtige Warnsignale sein. Es sind erste Anzeichen für einen Mangel an Mitgefühl oder Empathie für andere.“ Guckt Ten Brinke im Alltag immer durch diesen Filter? Sie antwortet, dass sie eher Verhaltensweisen beobachtet und speichert.
Alle Menschen mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen zu meiden, sei unrealistisch, fügt sie hinzu. Stattdessen könne man in der Regel mit Menschen umgehen, die weniger psychopathische und andere negative Eigenschaften aufweisen. „Wir ändern nicht die Persönlichkeit eines Menschen, aber wir können bei der Interaktion mit ihnen durch unsere Haltung für Schadensminderung sorgen. Dazu gehört, klare Grenzen zu setzen.“
Regeln zu haben – und diese aufzuschreiben oder laut auszusprechen – macht es für solche Leute schwieriger, sie zu brechen oder zu testen, sei es in der Familie oder am Arbeitsplatz. In einer Studie wurden Menschen mit unterschiedlichem Grad an Psychopathie gebeten, Geld untereinander und einer weiteren Person aufzuteilen. Diejenigen, denen keine Regeln oder Anweisungen gegeben wurden, neigten eher dazu, das Geld zu behalten. „Verstehen Sie die Beweggründe dieser Person und machen Sie sich bewusst, dass sie wahrscheinlich nicht mit Ihren übereinstimmen.“
Man kann das Verhalten dieser Menschen positiv beeinflussen, indem man sie belohnt, wenn sie etwas Gutes tun
Belohnungen können entscheidend sein. „Ich glaube, wir vergessen oft, wie wichtig es ist, Menschen zu belohnen. Vor allem bei diesen Persönlichkeiten denken wir: ‚Oh, das sind schlechte Menschen. Man sollte sie niemals belohnen.‘ Aber wenn sie etwas Gutes tun – wenn Sie sehen, dass sie fair und freundlich handeln und ehrlich sind –, dann sollten Sie sie mit etwas belohnen, das der Person wichtig ist. Wir wissen, dass Menschen, insbesondere mit psychopathischen Persönlichkeiten, sehr belohnungsorientiert sind.“
Bestrafung dagegen hat wenig Wirkung auf sie. Man kann also das Verhalten dieser Menschen positiv beeinflussen, indem man sie belohnt, wenn sie etwas Gutes tun. Ein Beispiel aus dem beruflichen Umfeld: Wenn Sie der Vorgesetzte einer dunklen Persönlichkeit sind, könnte die Belohnung eine Gehaltserhöhung oder ein neuer Titel sein. Sie würde jedoch nicht empfehlen, so jemandem eine Führungsposition zu geben. „Wir wissen, dass Menschen mit diesen Eigenschaften dazu neigen, ihre Untergebenen zu schikanieren.“
Wenn Sie ein heikles Gespräch beginnen, kann es hilfreich sein, etwas Gemeinsames zu finden, auch wenn es noch so klein ist, um den Start zu verbessern. „Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Person aggressiv reagiert, wenn Sie negatives Feedback geben. Dies gilt insbesondere für Menschen mit narzisstischen Zügen, die in der Regel sehr empfindlich auf Kritik, Ablehnung oder Misserfolge reagieren.“
Bei Verhandlungen kann es hilfreich sein, diese schriftlich zu führen, beispielsweise per E-Mail oder SMS – im persönlichen Gespräch besteht die Gefahr, dass Sie vom Charme und Selbstbewusstsein einer dunklen Persönlichkeit geblendet werden.
Es kann hilfreich sein, Bitten in Form einer Frage statt einer Aussage zu formulieren, so die Psychopathie-Expertin. „Zum Beispiel: ‚Was hältst du davon, die Kinder am Mittwoch von der Schule abzuholen?‘ statt ‚Du musst die Kinder abholen.‘ Das ist nur eine Kleinigkeit, aber es kann vermeiden helfen, dass das Gespräch schon im Keim erstickt.“
Wenn Sie solche Interaktionen mit Ihrem Partner so sorgfältig managen müssen, fragen Sie sich natürlich vielleicht, ob Sie wirklich in dieser Beziehung sein wollen. Ten Brinke weist darauf hin, dass der Ausstieg aus einer potenziell missbräuchlichen Beziehung mit jemandem mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen unglaublich gefährlich sein kann. Sie sollten sich daher Unterstützung von spezialisierten Einrichtungen suchen.
Was sollte jemand tun, der befürchtet, ein Psychopath zu sein?
Als ich den Test absolvierte, den Ten Brinke in ihrem Buch zur Erkennung geringer Ausprägungen dunkler Persönlichkeitsmerkmale vorstellt, war ich erschrocken, dass ich mehr Punkte bekam, als mir lieb war. Was sollte jemand tun, der befürchtet, ein Psychopath zu sein? Diese Sorge sei ein gutes Zeichen, sagt die Psychologin. Das Problem bei Menschen mit Psychopathie sei normalerweise, dass „es ziemlich schwierig sein kann, sie zu motivieren, sich ändern zu wollen“.
Wir alle können unsere dunklen Persönlichkeitsmerkmale abmildern, ist sie überzeugt. Ten Brinke verweist auf eine Studie, bei der Betroffene vier Monate lang Aufgaben zur Förderung ihrer Freundlichkeit absolvierten, beispielsweise indem sie jemandem, mit dem sie tagsüber zu tun hatten, ihre Dankbarkeit zeigten. „Menschen, die aktiv an ihrer Fähigkeit arbeiteten, die Perspektiven anderer zu berücksichtigen und Mitgefühl zu zeigen, berichteten am Ende dieses Viermonatszeitraums von weniger dunklen Persönlichkeitsmerkmalen.“
Es handelte sich um Selbstauskünfte, räumt sie ein: „Daher weiß ich nicht, ob auch die Menschen in ihrem Umfeld diese Verhaltensverbesserung so empfunden haben. Aber Untersuchungen zeigen, dass unsere Persönlichkeiten nicht in Stein gemeißelt sind. Sie können sich verändern.“
Es kann daher sinnvoll sein, uns selbst zu beobachten, denn die Welt braucht nicht noch mehr Menschen mit psychopathischen und narzisstischen Zügen. „Zu erkennen, dass wir alle ein bisschen weniger manipulativ und ein bisschen fürsorglicher werden können und dass sich all diese Dinge über die Menschen und die Zeit hinweg summieren werden“, ist für die Psychologin eine hoffnungsvolle Botschaft.
„Poisonous People: How to Resist Them and Improve Your Life“ von Leanne ten Brinke ist Anfang März im Verlag Simon & Schuster UK erschienen.