Was kommt nach dem alten, transatlantischen Bündnis? Auch
darum geht es bei der jetzt beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz. Moritz
Weiss, Politikwissenschaftler und Experte für Sicherheitspolitik, argumentiert
hier, warum Europa sich zuerst von einem falschen Schuldkomplex befreien muss.
Europa leidet unter einem Missverständnis. Immer wenn Donald Trump mit dem Ende des amerikanischen Schutzes droht, verfällt der Kontinent in eine seltsame, fast unterwürfige Selbstkritik: Wir waren zu bequem, wir haben zu wenig getan, wir haben die USA ausgenutzt. Wir waren, mit den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz, „Trittbrettfahrer“. Wer dieses vor allem von Trump verbreitete, faktisch aber falsche Narrativ akzeptiert, hat den Kampf um die eigene Unabhängigkeit verloren, bevor er begonnen hat. Strategische Autonomie ist keine Frage des Verteidigungsbudgets allein – sie beginnt mit der intellektuellen Emanzipation von einer Erzählung, die schlichtweg falsch ist: das Märchen vom transatlantischen Almosen.