München: Tausende zeigen hinauf Demo Solidarität mit Fernandes

Sie tragen Banner und Fahnen mit Aufschriften wie „Kein Ring rechtfertigt Gewalt“, „Digitalisierung geht auch ohne digitale Gewalt“ oder schlicht „Es reicht!“. Am Königsplatz in München haben sich am Sonntagnachmittag nach Polizeiangaben in der Spitze rund 5.000 Demonstrantinnen und Demonstranten versammelt, darunter viele junge Menschen. Das Motto: „Solidarität mit Collien Fernandes – Gegen sexualisierte Online-Gewalt“. Die Grüne Jugend München hatte zusammen mit den Initiativen „Nur Ja heißt Ja“ und „Feminists United“ zu der Demonstration aufgerufen. In den vergangenen Tagen hatte es bereits große Demos unter anderem in Hamburg und Berlin gegeben.

„Sexualisierte Gewalt betrifft uns alle“

Sexualisierte Gewalt sei ein riesiges Problem und betreffe uns alle, sagt Initiatorin Karolina Saller von „Feminists United“ und Vorstand der Grünen Jugend München im Gespräch mit BR24. Sie fordert eine Verschärfung des Sexualstrafrechts und besseren Schutz vor Gewalt im Internet. „Deepfakes wie im Fall von Collien Fernandes sind eine besonders unkontrollierbare Form der Online-Gewalt“, erklärt Saller.

Beratungsstellen, Gesetze, Konsequenzen

Demonstrantin Sarah ist aus Augsburg zur Kundgebung nach München gekommen, „um klare Gesetze einzufordern und zu zeigen, dass es so nicht weiter gehen kann.“ Eine andere Teilnehmerin erklärt: „Ich kenne viele Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, und ich weiß, welcher Leidensdruck damit einhergeht, wenn der Missbrauch im digitalen Raum weitergeht, weil nichts systematisch gelöscht wird oder weil man sich nicht traut, jemanden anzuzeigen. Denn: „Wer glaubt mir denn?“ Sie fordert mehr Beratungsstellen für die Opfer und bessere Gesetze. Die Regierung solle sich am Modell Spaniens orientieren. Seit 2022 gilt dort: „Nur Ja heißt Ja“. Sex ohne ausdrückliche Zustimmung ist in Spanien eine Vergewaltigung. Auch brauche es echte Konsequenzen für die Täter. „Es kann nicht sein, dass sich eine Frau ständig rechtfertigen muss und diejenige ist, die sich schämt“, sagt die Demonstrantin.

Bundeskanzler Merz in der Kritik

Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer richten ihre Wut gezielt gegen die Bundesregierung. „Ich wünsche mir einen Kanzler, der die Lage der Frauen auch nur ansatzweise verstehen kann und nicht als Erstes wieder den Weg zur Migration findet“, sagt eine Demonstrantin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, nachdem er im Bundestag gesagt hatte, dass es auch zur Wahrheit gehöre, dass „ein beachtlicher Teil der Gewalt gegen Frauen aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland“ komme. Die Demonstrantin hält von solchen Aussagen nichts. „Die Täter sind einfach männlich. Die Nationalität ist unerheblich“, sagt sie. Ein junger Mann stimmt ihr zu. Die Reaktionen aus der Politik hätten ihn schon sehr aufgeregt, er vermisse eine klare Ansage gegen Gewalt an Frauen. „Diese Gewalt passiert jeden Tag – da muss man was machen“, erklärt er.

Demonstration auf Nürnberger Kornmarkt

Auch in Nürnberg gingen unter dem Motto „Solidarität mit Collien Fernandes – Stoppt die sexualisierte digitale Gewalt“ laut Polizei 1.200, laut Schätzung der Veranstalter 2.000 , Menschen auf die Straße. Dazu aufgerufen hatten die „Streikkompliz*innen“, ein breites Nürnberger Netzwerk aus feministischen Gruppen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen.

Bundesregierung arbeitet an Gesetz gegen Deepfakes

Die Bundesregierung will unterdessen das Cyberstrafrecht reformieren. Das hatten Union und SPD schon in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Wie der Gesetzentwurf von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) nun vorsieht, sollen sexuelle Deepfakes und andere digitale Persönlichkeitsrechtsverletzungen eindeutig unter Strafe gestellt werden.

Source: tagesschau.de