Moselschleusen denn Flaschenhals jener Schifffahrt

Stand: 08.12.2025 14:33 Uhr

Die Kollision eines Frachtschiffs mit dem Tor einer Moselschleuse sorgte vor einem Jahr für einen Stopp der Schifffahrt. Wirtschaftsvertreter fordern den Ausbau der Schleusen, der Bund aber kürzt die Mittel.

Die Mosel-Schleuse Müden in Rheinland-Pfalz im Dezember 2025: Langsam bewegt sich ein Flusskreuzfahrtschiff durch die beiden offenen Torflügel in die enge Schleusenkammer, um nach der Staustufe weiter in Richtung Koblenz zu fahren. Dieser Vorgang ist mittlerweile wieder Alltag für die Binnenschiffer auf der Mosel.

Vor einem Jahr, am 8. Dezember 2024, wurde diese Routine erheblich gestört. Ein mit Schrott beladenes Frachtschiff im Autopilot-Modus hatte eines der Schleusentore gerammt und es dabei stark beschädigt. Die Folge war ein Stau, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte: 70 Fracht- und Passagierschiffe saßen bis zu drei Wochen auf der Mosel und dem Zufluss Saar fest.

Der Transportweg in Richtung Rhein war durch die defekte Schleuse unterbrochen. „Das ist der größte vorstellbare Schaden, den man hier verursachen kann“, bilanzierte der damalige Leiter des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Mosel-Saar-Lahn, Albert Schöpflin, unmittelbar nach dem Unfall.

Nur drei von zehn Schleusen haben eine zweite Kammer

Auf deutscher Seite gibt es zwischen der Grenze zu Luxemburg und der Mündung der Mosel in den Rhein zehn Schleusen. Sie gleichen das Gefälle aus und sorgen dafür, dass Schiffe die Mosel als Transportweg nutzen können. Allerdings haben nur drei der zehn Schleusen eine zweite Schleusenkammer. Die Schleuse in Müden zählt nicht dazu.

Eine Umleitung der wartenden Schiffe über eine zweite Kammer war deshalb nach dem Schiffsunfall nicht möglich. Experten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mosel-Saar-Lahn entwickelten im Dezember 2024 stattdessen ein Verfahren, wie die noch auf Mosel und Saar liegenden Schiffe in Müden notgeschleust werden konnten. Erst zu Weihnachten war der Rückstau aufgelöst. Mit einem neuen Schleusentor ging die Schleuse in Müden Anfang Februar 2025 wieder in den regulären Betrieb.

Unfall macht Verwundbarkeit des Transportwegs deutlich

„Um die Wasserstraße als Verkehrsträger sicher zu machen, brauchen wir eigentlich die zweite Schleusenkammer“, sagt Volker Klassen ein Jahr nach dem Unfall. Er ist Geschäftsführer der Hafengesellschaft Trier. Der Hafen schlägt beispielsweise mit Treibstoff und Stahlprodukten im Jahr etwa 1,3 Millionen Tonnen Güter um. „Wir wollen eine Verkehrsträgerverlagerung weg von der Straße hin zu Bahn und Binnenschiff und dafür braucht es eine verlässliche Infrastruktur. Dazu gehört eben kein Flaschenhals. Jede Schleuse mit einer Kammer ist ein Flaschenhals“, erklärt Klassen.

Weiterer Schleusenunfall in Sankt Aldegund

Die Auswirkungen eines „Flaschenhalses“ zeigten sich im Anfang Juli 2025 erneut, dieses Mal an der Moselschleuse in Sankt Aldegund. Ein Fahrgastschiff war gegen das untere Schleusentor gefahren und hatte es beschädigt. Nach einer Reparatur waren Schleusungen wieder möglich, allerdings nur im Notbetrieb.

Im Oktober wurde dann ein neues Tor eingesetzt. „Der Unfall hat uns noch mal drei Wochen Ausfall beschert und dementsprechend haben wir etwa zehn Prozent Fracht-Rückgang für das Jahr 2025 zu verzeichnen“, rechnet Klassen vor. Der Unfall zuvor in Müden habe bereits dem Vertrauen der Wirtschaft in die Moselschifffahrt geschadet. Deshalb seien zweite Schleusenkammern wichtig.

Debatte um zweite Schleusenkammern

Diese Forderung komme ursprünglich aus den 1990er-Jahren, sagt Ulrich Zwinge, Fachbereichsleiter Wasserstraßen beim Wasser- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn. „Da hatten wir hier auf der Mosel ungefähr 15 Millionen Gütertonnen. Wir sind mittlerweile leider unter neun Millionen Tonnen gefallen.“ Die Gütermenge und die Zahl an Flusskreuzfahrtschiffen rechtfertigten eigentlich keine zweite Schleusenkammer. „Das wäre natürlich für uns auch „nice to have“, denn eine Redundanz ist gerade im Fall einer Havarie schön. Aber wirtschaftlich lässt sich das eigentlich nicht darstellen“, erklärt Zwinge.

Das Bundesverkehrsministerium schreibt auf SWR-Anfrage, dass die Bundeswasserstraße Mosel weiterhin eine hohe Priorität habe. „Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung prüft aktuell, wie mit der Ausbaumaßnahme „Bau zweiter Moselschleusen“ im Ergebnis einer aktualisierten Wirtschaftlichkeitsbewertung im Zuge der jüngsten Bedarfsplanüberprüfung weiter umzugehen ist“, heißt es im Behördendeutsch.

Weniger Geld für Wasserstraßen

Die Initiative System Wasserstraße setzt sich für den Ausbau und die Finanzierung von Wasserstraßen in Deutschland ein. Der Interessenverband kritisiert, wie das Bundesverkehrsministerium Gelder verteilt. „Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung hatte in den vergangenen Jahren circa zwei Milliarden Euro jährlich an Mitteln zur Verfügung, die sie auch komplett verausgabt haben.“

Im Haushalt 2026 sein jetzt nur noch gut 1,6 Milliarden Euro vorgesehen, fast eine halbe Milliarde Euro weniger. „Das ist für die gesamte Branche, die Schifffahrtsbranche und die angrenzenden Branchen eine echte Katastrophe“, sagt der Sprecher des Interessenverbands, Thomas Groß.

Sowohl der Bundesverkehrsminister als auch die zugehörigen Staatssekretäre betonten immer, wie wichtig die Wasserstraße sei. Doch diesen Worten folgten leider keine Taten, ergänzt Groß.

Bau eines Ersatztors dauert bis zu zwölf Monate

Zwei Unfälle an Schleusentoren auf der Mosel binnen weniger Monate sind mit Blick auf die Statistik wohl Zufall. „In den bisherigen 65 Jahren sind solche Unfälle eigentlich nicht vorgekommen, die dazu führten, dass man ein Tor nicht weiter betreiben kann“, sagt Ulrich Zwinge vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Trotzdem will sich die Behörde auf weitere mögliche Zwischenfälle vorbereiten und Ersatztore bereithalten.

„Wenn hier in Müden noch mal jemand ins Tor fährt und es so zerstört wie vor einem Jahr, dann haben wir hier kein Ersatztor mehr. Es sind zwar weitere Schleusentore beauftragt, die sind auch in der Fertigstellung. Allerdings dauert so ein Neubau eines Tores circa ein Jahr“, erklärt Zwinge. Binnenschiffer und Wasserbauer hoffen auch deshalb, dass das 2026 ein Jahr ohne Havarie an einer Schleuse wird.

Source: tagesschau.de