morgenstern: Trump, Putin und Co.: Alte Männer stürzen die Welt ins Chaos


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Putin und Trump sind nur zwei von vielen alten Männern, die derzeit regieren – und sich nicht um die Zukunft scheren. Außerdem: So schädlich ist Nikotin. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

US-Präsident Donald Trump wird im Juni 80. Russlands Präsident Wladimir Putin ist 73. Chinas Xi Jinping ist 72. Narendra Modi aus Indien ist 74, der Israeli Benjamin Netanyahu 76. Und, ja, auch Bundeskanzler Friedrich Merz ist schon 70 Jahre alt. 

Wer in die Welt blickt, stellt schnell fest: Sie wird hauptsächlich geführt von alten Männern. Politikwissenschaftler sprechen in einer solchen Konstellation von Gerontokratie, der Herrschaft der Alten. Dank großer medizinischer Fortschritte können Menschen heute ein längeres Leben führen. Auch deswegen sehen wir in der ganzen Welt immer mehr hochbetagte Männer, die die Macht fest in ihren Händen halten. Und sie, wie Donald Trump, wohl am liebsten niemals wieder abgeben würden.

Schlechtestes Beispiel der jüngsten Geschichte ist dafür der ehemalige US-Präsident Joe Biden. Wir alle konnten die Zeichen seines geistigen Verfalls live miterleben, als er noch im Amt war. Aufgeben wollte er seinen mächtigen Posten lange nicht, er musste erst regelrecht dazu gezwungen werden. Wie es um den geistigen Zustand seines Nachfolgers Donald Trump steht, lässt sich nur erahnen. Aber die Zeichen sind nicht gut.

Die Zahlen sind dagegen eindeutig: Laut einer Studie werden 67,5 Prozent (5,4 Milliarden) der Weltbevölkerung von Männern regiert, die 70 Jahre und älter sind. Das gilt für demokratische wie autoritäre Staaten gleichermaßen. Ab 65 Jahren, so belegen epidemiologische Studien, steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken, stark an.

Jetzt könnte man die Hoffnung haben, die Lebenserfahrung habe die Regierenden weise gemacht. Dass sie mit Güte und Weitblick die Welt in eine verheißungsvolle Zukunft für alle steuern. Aber ich habe das Gefühl, wir sehen genau das Gegenteil. Wir erleben gerade die schlimmste Wiederkehr von Repression, Gewalt, Völkermord, Ökozid und Verachtung für das Völkerrecht seit Jahrzehnten. Verantwortlich sind dafür meist rücksichtlose Siebzig- und Achtzigjährige, denen es offenbar wichtiger ist, der Strafverfolgung zu entgehen, als den Frieden zu bewahren. Oder die sich hemmungslos an der Macht berauschen.

Trump und Co. werden die langfristigen Folgen ihres Handelns nicht erleben

Eine Generation von Politikern legt die Welt in Schutt und Asche und gestaltet eine Zukunft, die sie selbst nicht mehr erleben wird. Es ist einfach, wie US-Präsident Trump zu rufen: „Drill, baby, drill“, fossile Brennstoffe in Rekordmenge zu fördern und den Klimawandel abzusagen, wenn man nicht mehr 30, 40, 50 Lebensjahre vor sich hat. Die Verlockung, Dinge zu tun, ohne sich um die Zukunft sorgen zu müssen, scheint zu enthemmen. 

Auch gibt es Prozesse der Alterung, die dafür sorgen können, dass Menschen im Alter zwischen 63 und 88 bereit sind, risikofreudigere Entscheidungen zu treffen als solche zwischen 18 und 30 Jahren. So kann die Weltherrschaft der Alten schnell zu einer systemischen Gefahr werden.

Was also machen mit den störrischen Alten, wie Trump, Putin und Co.? Es liegt in vielen Fällen in den Händen der Wähler. In den USA ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung etwa 39 Jahre. Aber keine Partei im Land ist seit Barack Obama in der Lage, einen aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten zu finden, der nicht die Bingo-Runde im Seniorenheim leiten kann. Die Republikanerin Nikki Haley sagte einmal: „Amerika hat seine besten Jahre noch nicht hinter sich – unsere Politiker haben sie hinter sich.“ Das scheint für weite Teile der Welt derzeit zu gelten. In Deutschland ist es auch nicht besser. Bundeskanzler Merz ist 70 – und Wolfgang Kubicki will mit 74 Jahren die FDP retten.

Natürlich kann auch die Gen X keine Erfolgsgarantie geben. Aber wäre es zur Abwechslung nicht mal einen Versuch wert? Und über mehr Frauen haben wir noch gar nicht geredet.

Prozessauftakt im Fall der in der Türkei vergifteten Familie

Yilmaz Böcek verlor seinen Sohn, seine Schwiegertochter und zwei kleine Enkelkinder. Sie starben im Kurzurlaub in Istanbul durch das hochgiftige Pestizid Aluminiumphosphid, das Kammerjäger in ihrem Hotel mutmaßlich gegen Bettwanzen eingesetzt hatten – illegal und ohne erforderliche Lizenz. Nun reist Herr Böcek zum Prozessauftakt.

5-Minuten-Talk: Rolle rückwärts von Dobrindt

40.000 Euro mehr pro Jahr für Staatssekretäre. 50.000 Euro mehr für Minister. Und für den Kanzler? War ein Plus von 60.000 Euro vorgesehen. Diese Zahlen versteckten sich in einem ersten Gesetzentwurf aus dem Haus von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der erkannte die politische Brisanz, sprach rasch von einem Versehen und ließ die Zahlen überarbeiten.

Der Fall dürfte den Innenminister trotzdem noch verfolgen. Denn auch das neue Plus ist üppig. Passt das als Signal in die Zeit? Und wie kam es zu dem Fauxpas mit dem Gesetzentwurf? Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren den schwarz-roten Gehaltsausrutscher.

Weitere Schlagzeilen im Überblick

Das passiert am Dienstag, dem 21. April 2026

  • Die EU-Außenminister treffen sich turnusgemäß in Luxemburg und sprechen unter anderem über einen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine
  • In Washington beginnen die Senatsanhörungen des von Präsident Trump nominierten Fed-Chef Kevin Warsh
  • Die Nasa stellt das neue Weltraumteleskop Nancy Grace Roman vor

Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Lange galt Nikotin vor allem als suchterzeugend. Nikotin galt zwar lange als jener Wirkstoff, der vom Tabakkonsum abhängig macht. Der hauptsächliche Schaden aber, insbesondere das gesteigerte Krebsrisiko, wurde eher den inzwischen rund zehntausend entdeckten Verbrennungsprodukten zugeschrieben, dem „Teer“, dem Qualm.Jetzt wird klar: Das Gift beeinträchtigt das Denken und könnte zu Demenz beitragen – auf einem bislang unbekannten Weg. 

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Herzliche Grüße

Alexandra Kraft

Source: stern.de