ÖPNV-Warnstreik in fast allen Bundesländern. Bill Clinton wird zu Jeffrey Epstein befragt. Und: Die schwarz-rote Zitterpartie. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich befinde mich auf den letzten Metern meiner Dienstreise in Cebu, der zweitgrößten Stadt der Philippinen. Der öffentliche Personennahverkehr hier ist, sagen wir mal: divers. Es gibt ein paar wenige Buslinien. Das Rückgrat der Mobilität in der Stadt bilden allerdings die sogenannten Jeepneys und Tricycles. Erstere sind meist quietschbunte Minibusse, in die man sich mit erstaunlich vielen anderen Fahrgästen hineinquetscht. Letztere sind ebenso farbenfrohe Motorräder mit Beiwagen, in die irgendwie immer auch noch ein Passagier mehr mit hineinpasst.
Auf den ersten Blick erscheint das System der Jeepneys und Tricycles etwas chaotisch. Man merkt aber schnell: Es ist erstaunlich ausgeklügelt und zuverlässig. Würden alle Jeepney- und Tricycle-Fahrer streiken, käme Cebu ziemlich sicher zum Erliegen. Ehrlicherweise weiß ich nicht, ob es schon einmal dazu kam. Ich las davon, dass es zumindest Gewerkschaften für die Fahrer gibt.
ÖPNV-Warnstreik in fast allen Bundesländern
In Deutschland wiederum gibt es für den öffentlichen Personennahverkehr bekanntlich Busse und Bahnen. Und es gibt ebenfalls Gewerkschaften. Die verhandeln mit den Arbeitgebern der Fahrerinnen und Fahrer – meist kommunale Unternehmen – regelmäßig über Tarifbedingungen. Auch gerade wieder. Und weil diese Verhandlungen festgefahren sind, hat die zuständige Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder in fast ganz Deutschland zum Streik aufgerufen. Am Freitag und teils auch Samstag stehen viele Busse und Bahnen daher still. Ob Sie betroffen sind, können Sie hier nachlesen. Für so manchen, der an einer verwaisten Bushaltestelle steht, dürfte ein voll bepacktes Jeepney an den kommenden zwei Tagen mutmaßlich nicht die schlechteste Vorstellung sein.
Bill Clinton wird zu Jeffrey Epstein befragt
Hillary war gestern dran, heute wird auch Bill Clinton zu seiner Rolle in der Affäre rund um den 2019 verstorbenen, verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befragt. Anders als seine Ehefrau wird der ehemalige Präsident den Kongressabgeordneten gegenüber nicht angeben können, Epstein „konkret“ nicht begegnet zu sein. Zu häufig taucht sein Name auf. Und zu häufig ist er vor allem auch auf Bildern in den Epstein-Files bei Zusammenkünften mit dem schwerreichen Finanzier zu sehen. Die Bilder zeigen Clinton teilweise im seidenen Kimono oder im Pool. Sie geben keinerlei Hinweise auf Straftaten oder sonstiges Fehlverhalten – aber unangenehm sind sie allemal.
Die Clintons haben sich lange gegen eine Aussage gesträubt, im Zuge der jüngsten Entwicklungen in der Affäre Epstein jedoch zugestimmt. Die Befragungen finden hinter verschlossenen Türen im Wohnort des Ehepaares im Bundesstaat New York statt. Die ehemalige US-Außenministerin äußerte neben ihrer Verteidigung schwere Vorwürfe gegenüber den Republikanern und forderte, auch Präsident Donald Trump unter Eid zu seinen Beziehungen zu Epstein zu vernehmen.
Der gibt stets an, viel weniger mit dem Sexualstraftäter zu tun gehabt zu haben als Bill Clinton. Außerdem sehe er sich nach der Veröffentlichung der Akten vollständig entlastet. Allerdings gab es zuletzt eine Kontroverse über Protokolle, die vom US-Justizministerium zurückgehalten worden sein sollen. In diesen soll eine Zeugin dem FBI gegenüber schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten erhoben haben. Mein Kollege Marc Etzold hat den Fall für Sie dokumentiert.
5-Minuten-Talk: Die schwarz-rote Zitterpartie
Im Bundestag steht heute die Abstimmung über die europäische Asylreform an. Die härtere Migrationspolitik soll in deutsches Recht übersetzt werden. Das ist eigentlich im Koalitionsvertrag vereinbart worden – aber über Monate hatte es hinter den Kulissen teils harte Verhandlungen zwischen Union und SPD gegeben.
Jetzt hat man sich geeinigt – trotzdem ist die Stimmung innerhalb der Koalition vor dem Votum angespannt. Der Grund: Manche Parlamentarier aus den eigenen Reihen fehlen krank, andere hadern mit dem Gesetz. Die Mehrheit wackelt, mal wieder. Meine Kollegen Veit Medick und Florian Schillat analysieren, warum es heute emotional werden dürfte im Parlament.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Freitag, dem 27. Februar 2026
- Warnstreik im Nahverkehr der meisten Bundesländer
- Aussage von Ex-US-Präsident Bill Clinton vor dem US-Kongress im Fall Epstein
- Deutscher Wetterdienst veröffentlicht Winterbilanz
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Mein Elternhaus ist mir zeit meines Lebens ein sicherer Hafen geblieben. Der Ort, von dem aus ich vor Jahrzehnten in die Welt aufgebrochen bin, der aber immer Heimat geblieben ist. In schlechten Zeiten habe ich hier Zuflucht gefunden, in guten wundervolle Stunden verlebt. Die Konstante, das sagt schon der Begriff, sind meine Eltern. Sie sind Herz und Seele dieses Ortes.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen wird, diesen Ort irgendwann einmal auflösen zu müssen. Mein Kollege Tobias Schmitz hat 15 Tipps und Ideen aus dem Buch „Adieu Elternhaus“ zusammengetragen, die diese Herkulesaufgabe erleichtern können.
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Liebe Leserinnen und Leser, dies war mein letzter morgenstern. Ab Montag schreibt an dieser Stelle mein Kollege Matthias Urbach für Sie. Es hat mir in den vergangenen Wochen viel Freude gemacht, mit diesem Newsletter gemeinsam mit Ihnen in den Tag zu starten. Nun verabschiede ich mich. Vielleicht lesen wir uns ja künftig an anderer Stelle. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und ein wundervolles Wochenende!
Patrick Rösing
Source: stern.de