Donald Trump gerät immer mehr unter Druck durch die steigenden Preise in den USA. Friedrich Merz stiftet Unruhe. Und: Ein Leben mit Borderline. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
in den vergangenen Tagen fällt auf, wie Trump nicht müde wird, immer wieder von einem schnellen Frieden im Iran zu reden. Während ich diesen Text schreibe, kommt die Eilmeldung, dass Trump ankündigt, die USA würden den Iran „sehr bald“ verlassen. Mit Blick auf die aktuelle Lage im Nahen Osten mögen viele von Ihnen jetzt denken: Ist der Mann endgültig nicht mehr bei klarem Verstand?
Aber so einfach ist es nicht. Eines ist klar: Offensichtlich hat der US-Präsident die Folgen eines militärischen Konflikts mit dem Iran komplett unterschätzt. Er ist ja dafür bekannt, oft nicht weiter als bis zur sprichwörtlichen nächsten Straßenecke zu denken. Das scheint auch dieses Mal der Fall zu sein. Vielleicht war er auch übermütig geworden, nach dem aus seiner Sicht großen Erfolg bei der Entführung von Präsident Nicolás Maduro aus Venezuela.
Für Trump wird es zur Gefahr, wenn die Menschen weniger Geld haben
Egal wie: Der Irankrieg droht für Trump zu einem echten Problem zu werden. Seine „Make America Great Again“-Anhänger haben zu Beginn des Konflikts erstaunlich schnell umgeschaltet von „America first“ auf „Wir hassen den Iran“. Laut einer Umfrage vor ein paar Tagen unterstützen 100 Prozent nun den Irankrieg. Aber damit könnte es bald vorbei sein. Gestern stieg der Spritpreis für eine Gallone auf über vier Dollar im Landesdurchschnitt. Aus deutscher Sicht mag das immer noch niedrig klingen, aber für die Amerikaner ist das eine Art Schmerzgrenze.
Lange galt in dem Land der Grundsatz: Steigen die Spritpreise, sinkt die Beliebtheit des Präsidenten. Trump liegt seit Wochen stabil um die 40 Prozent herum. Das ist längst kein guter Wert, aber eben auch kein Absturz (hier lesen Sie mehr über die aktuelle Zufriedenheit der Amerikaner mit Donald Trump). Ein wichtiger Grund dafür ist die Polarisierung in den USA. Einmal Trump-Anhänger, immer Trump-Anhänger. Er ist kein Politiker, sondern ein Kultführer.
Jetzt geht es aber eben genau denen spürbar ans Geld, die ihm blind gefolgt sind. Das ist bei vielen seiner Wähler ohnehin schon knapp – und könnte der Knackpunkt sein. Nicht nur die Preise beim Benzin gehen nach oben. Lebensmittel sind auch spürbar teurer geworden, Flugreisen ganz und gar. Steigt bald die Inflation, könnte es vorbei sein mit der „Trump-Mania“. Und dann bei den wichtigen Zwischenwahlen diesen Herbst zum Aufstand gegen ihn kommen.
Was macht der Präsident derweil? Das, was er häufig macht: Ablenken. Er legte gestern einen Entwurf seiner „Presidential Library“ vor. Die darf jeder US-Präsident nach dem Ende seiner Amtszeit bauen. Ganz Trump ist es ein glänzendes Hochhaus, mit seinem Namen in goldenen Buchstaben an der Fassade. Ein präsidialer Trump-Tower. Obwohl es eine Bibliothek sein soll, war im vorgestellten Entwurf nicht ein einziges Buch zu sehen. Dafür steht im Erdgeschoss die Präsidentenmaschine Air Force One. Und im Eingang eine riesige Donald-Trump-Statue. Die goldene Rolltreppe gibt es noch obendrauf.
Ein bisschen Ablenkung von der Dauerkrise
Mit Blick auf die Weltlage gibt es derzeit eher wenig zu lachen. Ein Glück, dass heute der erste April ist. Wenn Sie jetzt abwinken und denken: Aprilscherze sind bestenfalls albern? Dann kennen Sie diese Meisterwerke der Komik noch nicht. Diese Klassiker zum 1. April haben nichts von ihrem Charme verloren. Mein Kollege Tobias Schmitz wird Sie zum Lachen bringen, da bin ich sicher.
5-Minuten-Talk: Wie hat Merz das nun mit den Syrern gemeint?
Montagnachmittag im Kanzleramt: Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed Al-Sharaa stellen sich den Fragen der Journalisten. Kurz vor Ende der Pressekonferenz sagt der Kanzler einen Satz, der die Reporter aufhorchen lässt. Die Deutsche Presseagentur meldet eilig: „Merz strebt Rückkehr von 80 Prozent der Syrer an“, binnen drei Jahren. Alle Medien berichten. Politiker streiten, Experten diskutieren. Einen Tag später stellt Merz’ Sprecher klar: Der Kanzler habe es so nicht gemeint. Es sei nicht seine Forderung, sondern Wunsch des syrischen Präsidenten gewesen.
Was stimmt denn nun? Und was steckt dahinter? Haben die Journalisten nicht richtig zugehört oder hat sich der Kanzler unklar ausgedrückt? Darüber spricht stern-Politikchef Jan Rosenkranz mit einem, der dabei war: stern-Reporter Julius Betschka.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Mittwoch, dem 1. April
- Führende Wirtschaftsinstitute legen das Frühjahrsgutachten zur deutschen Konjunktur vor
- Das Kabinett in Berlin berät über die Senkung der Luftverkehrssteuer
- Ab heute ist der Start der bemannten Mondmission Artemis II aus Florida geplant
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Mentale Gesundheit ist ein sehr wichtiges Thema. Schon in ihrer frühen Kindheit umgab Joelle Westerfeld eine tiefe Traurigkeit. Nach außen war sie immer extrovertiert, laut und selbstbewusst. In ihr drin war sie aber unsicher und angreifbar, hat sich abgeschnitten und alleine gefühlt. Ein bisschen wie ein Alien. Heute weiß die Autorin, was sie tun muss, wenn sie von Emotionen überflutet wird und hyperventiliert.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Alexandra Kraft
Source: stern.de