Die Probleme der stärksten Gewerkschaft IG Metall. Nebenwirkungen der Abnehmspritze. Und: Die Ukraine nicht vergessen. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
sind Sie eigentlich Mitglied in einer Gewerkschaft? Falls ja, dann vermutlich nicht in einer so exklusiven wie der Pilotenvereinigung Cockpit VC. Die hat ihre Mitglieder für heute und morgen zum Streik aufgerufen. Betroffen sind vermutlich insgesamt 600 Flüge der Lufthansa. Das ist ärgerlich für alle, die nun wichtige Termine verpassen oder verspätet in den Urlaub kommen. Das unternehmensnahe „Handelsblatt“ hat denn auch gleich mal gefragt, warum die Piloten ausgerechnet jetzt streiken müssen. Immerhin: Flugverbindungen in den Nahen Osten sollen nicht betroffen sein, aber die werden gerade ohnehin kaum bedient.
Wenn die Lokführer oder die Piloten streiken, dann sind viele betroffen – und genervt. Was man nicht vergessen sollte: Gerade die Gewerkschaften mit Sanktionsmacht können gute Abschlüsse erstreiten, von denen später andere profitieren. Zwar gilt in nur noch jedem zweiten Betrieb eine Tarifbindung, doch wenn dort mehr gezahlt wird, müssen am Ende auch die Betriebe ohne Tarifvertrag besser zahlen. Wie zum Beispiel Tesla.
Die stärkste Gewerkschaft steht unter Druck
Womit wir bei der mächtigsten Gewerkschaft wären, der IG Metall. Die hat es gerade nicht leicht: Vergangene Woche gelang es nicht, eine Mehrheit bei Tesla zu gewinnen. Elon Musk hatte die Belegschaft massiv eingeschüchtert, drohte mit Abzug von Aufträgen und half, arbeitgeberfreundliche Konkurrenz-Listen aufzustellen. Und selbst bei Volkswagen, wo in einigen Werken neun von zehn Mitarbeitern bei der IG Metall sind, wächst neuerdings Konkurrenz – und zwar von rechts. Gerade läuft dort die Betriebsratswahl, noch bis Freitagabend.
Bei allem Ärger, wenn mal ein Flug, ein Bus oder eine Bahn ausfällt: Von den Gewerkschaften profitieren praktisch alle Beschäftigten, so oder so – sogar die Rentner. Deren jährliche Erhöhung ist nämlich an die Lohnentwicklung gekoppelt.
Was ist eigentlich mit der Ukraine?
Seit Israel und die USA den Iran angegriffen haben, berichten die Medien deutlich weniger über die Ukraine. Das gilt auch für stern.de. Das heißt aber nicht, dass wir sie aus dem Blick verloren haben. Tatsächlich sind die beiden Kriege unmittelbar verknüpft. Das geht los mit den hohen Ölpreisen: Sie verschaffen Wladimir Putin erheblich höhere Einnahmen für die Kriegskasse, bei einem dauerhaften Ölpreis von rund 90 Dollar laut DIW etwa 70 Milliarden Dollar pro Jahr mehr als zuvor. Ein Geschenk, denn der einzige sichere Weg aus dem Krieg wäre, dass Putin ihn sich nicht mehr leisten kann.
Dazu kommt: Schon jetzt ist das größte Problem der Ukraine, ihre Infrastruktur gegen Luftangriffe zu schützen. Nun aber schickt die Nato zum Beispiel Patriot-Batterien in die Türkei, auch die Golf-Staaten brauchen Nachschub, vor allem an Abfangraketen. Das erhöht die Preise und verknappt das Angebot.
Dabei wird immer deutlicher, dass der Iran auf Zeit spielt. Sie können den Schiffsverkehr vermutlich noch lange mit wenig Aufwand sabotieren. Auch heute Nacht wurden Öltanker erfolgreich beschossen. Aus europäischer Sicht ist der Krieg in der Ukraine viel wichtiger als der Nahe Osten. Gut, dass nun wenigstens ein Teil der strategischen Ölreserven auf den Markt geworfen wird. Auch wenn der Ölpreis weiter steigt, ohne dies stiege er noch schneller:
5-Minuten-Talk: Ist der Atomausstieg wirklich irreversibel?
Kanzler Friedrich Merz steht in der Kritik. Das ist an sich nichts Neues, nur dieses Mal sind es die eigenen Leute, die sich an ihm reiben. Der Grund: Der Kanzler hat sich aus Sicht mancher in der Union zu sehr festgelegt, den Atomausstieg „irreversibel“ genannt. Die Festlegung war eine Reaktion auf Ursula von der Leyen, die das AKW-Aus als strategischen Fehler kritisiert hatte.
Kaum hatte der Kanzler seinen Satz gesagt, rumorte es in der Union. Hatte nicht Merz selbst noch bis vor Kurzem gefordert, darüber nachzudenken, wie man die Atomkraft hierzulande verlängern könnte? Und hat er mit seiner These, der Ausstieg sei unumstößlich, überhaupt recht? Dem gehen meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz nach:
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Donnerstag, dem 12. März 2026
- Kanzler Merz reist nach Norwegen zum Amtskollegen Jonas Gahr Støre. Es geht um Gaslieferungen und gemeinsame Raketenstarts, am Freitag besuchen die beiden den Weltraumbahnhof auf Andøya.
- Gleich drei Wirtschaftsinstitute legen heute ihre Konjunkturprognose vor, dann wird klarer wie sehr der Irankrieg die Wirtschaft ausbremst. Das DIW preschte gestern vor – und glaubt weiter an eine Erholung, auch wenn es nun länger dauert.
- Heute gibt es gleich drei Achtelfinals im Fußball mit deutscher Beteiligung, alle laufen auf RTL und RTL+:
In der Europa League empfängt der VfB Stuttgart den FC Porto (Anstoß 18.45, RTL), und der SC Freiburg muss nach Belgien zum KRC Genk (Anstoß 21 Uhr, RTL).
In der Conference League muss Mainz 05 nach Tschechien zu Sigma Olmütz (Anstoß 21 Uhr, nur RTL+).
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Die wundersame Wirkung der neuen Abnehmspritzen wie Wegovy wurde schon oft besungen. Bis zu einem Fünftel seines Körpergewichts kann man damit abnehmen, für viele ist das ein Segen. Weniger hört man über die Probleme, die es mit dieser medikamentösen Art der Diät gibt. Dass man nicht mehr alles essen kann, was oft Vitaminmangel mit sich bringt. Auch verträgt man kaum noch Alkohol, selbst in Maßen.
Und wenn man dann die Spritze absetzt, kommt das Gewicht zurück. Wie bei allen anderen Diäten. Schlimmer noch: Gewicht, das auch an Muskelmasse verloren geht, kommt oft als Fett zurück – eine gefährliche Verschiebung.
Meine Kollegin Miriam Eichhorn-Zachariades beschreibt die Probleme am Beispiel von Lars Reinhardtz, der seine Erfahrungen eindrucksvoll schildert und einen Weg aufzeigt, wie das Abnehmen trotzdem gelingt:
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Matthias Urbach
Source: stern.de