Die Spritpreise sind hoch wie nie. Aber nicht nur Deutschland leidet an den Folgen des Irankrieges. Weltweit wird Energie gespart. Einschränkungen drohen. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
der Irankrieg geht weiter. Ungeachtet aller Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, er werde schnell enden. Das treibt weltweit die Spritpreise nach oben – am Wochenende in manchen Regionen Deutschlands auf ein Rekordniveau von über drei Euro für den Liter Diesel.
Umso länger die Straße von Hormus für Schiffe unpassierbar bleibt, desto angespannter wird die Energielage. Nicht nur in Deutschland. In Tokio, wo ich gerade bin, bereitet Regierungschefin Sanae Takaichi ihre 122 Millionen Landsleute sogar schon auf mögliche Rationierungen und langfristige Einschränkungen beim Benzin- und Stromverbrauch vor. Die japanische Regierung versucht, den Benzinpreis mit massiven Subventionen auf 170 Yen (92 Cent) pro Liter zu halten. Die Mineralölsteuer wurde in Japan schon vor Monaten abgeschafft. Das treibt die Staatsverschuldung weiter in die Höhe und schwächt den Kurs des Yen.
Die hohen Spritpreise zwingen zum Sparen
Die Medien in Japan überbieten sich mit Vorschlägen, wie man Öl sparen kann: mehr Radfahren, öfter zu Fuß gehen, autofreie Sonntage einführen, die Geschwindigkeit auf den Straßen um zehn oder 20 km/h reduzieren, die Menschen zur Arbeit im Home-Office verpflichten. Im Land tickt ein Öl-Countdown. Die Vorräte reichen noch für 230 Tage. Wie kaum eine andere Industrienation ist Japan auf den Ölimport aus dem Nahen Osten angewiesen. 93 Prozent des Rohöls müssen durch die Straße von Hormus. Die Raffinerien sind auf dieses spezielle Öl eingestellt. Ein Umstieg auf andere Ölqualitäten, beispielsweise aus den USA, würde die Kosten für Sprit oder Kunststoff weiter in die Höhe treiben. Regierungschefin Takaichi deutet an: Nach der sogenannten „Goldenen Woche“ ab Anfang Mai könnte es zu ersten konkreten Einschränkungen kommen. Da verreisen Japaner im ganzen Land traditionell, um Verwandte und Freunde zu besuchen.
Fast überall in der Welt versuchen Regierungen, den Markt zu bändigen. Polen senkt die Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von 23 auf acht Prozent. Mit einem „flexiblen Preisdeckel“ wird der maximale Verkaufspreis für Kraftstoffe künftig täglich neu festgelegt. Anbieter, die sich nicht daran halten, müssen mit hohen Geldstrafen rechnen. Die Regierung setzt damit auf eine Kombination aus steuerlicher Entlastung und direkter Marktregulierung. Österreich hat die Mineralölsteuer gesenkt.
Spanien legte ein milliardenschweres Krisenpaket auf, das auch Investitionen in Solarenergie und E-Mobilität fördert. In Australien ist die Lage besonders angespannt. Das Land verfügt nur über Diesel- und Kerosinreserven für etwa 30 Tage, Sprit reicht für rund 39 Tage. In Indien müssen Hotels Energie sparen, damit Privathaushalte versorgt werden können. In Sambia wurde das Horten von Treibstoff unter Strafe gestellt. Rund um den Globus steigen die Flugpreise – und Airlines streichen aus Spargründen erste Verbindungen.
Auf dem internationalen Energiemarkt wird derweil mit harten Bandagen gekämpft: Etwa ein Dutzend LNG-Tanker, die bereits auf dem Weg nach Europa waren, wurden kurzfristig nach Asien umgeleitet. Weil Länder dort offensichtlich bereit waren, mehr zu zahlen. Einer der Profiteure der hohen Energiepreise sitzt übrigens im Weißen Haus. Die USA sind einer der größten Rohöl– und LNG-Exporteure der Welt.
Neustart bei der FDP. So will Henning Höne die Partei retten
Henning Höne will neuer FDP-Vorsitzender werden. In der desolaten Lage der Partei: Mutig genug! Jetzt hat er mit Wolfgang Kubicki noch einen mächtigen Gegner hinzubekommen. Der derzeitige Landeschef der FDP in Nordrhein-Westfalen glaubt aber fest an seine Chance. Gerade jetzt benötige Deutschland eine starke liberale Partei. Höne sagt selbstbewusst im Interview: „Für einen Neustart braucht es einen Bruch.“
5-Minuten-Talk: Neue Ideen braucht das Land
Es scheint so, als würde das Spritpreis-Maßnahmen-Paket, das die Koalition noch eilig vor Ostern beschlossen hat und das Preiserhöhungen an Tankstellen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr mittags, erlaubt, sein Ziel verfehlen. Bei Bürgerinnen und Bürgern steigt indessen die Erwartung, dass die Politik Schritte unternimmt, um sie wirklich zu entlasten. Mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus blockiert ist, nimmt der Druck zu. Vorschläge und Ideen gibt es genügend. Doch wofür wird sich die Bundesregierung entscheiden? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Dienstag, dem 7. April
- US-Vizepräsident JD Vance besucht kurz vor der Parlamentswahl Ungarn und trifft Ministerpräsident Orban
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- Frankreichs Ex-Präsident Nikolas Sarkozy wird in seinem Berufungsprozess zur Libyen-Affäre befragt
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Alexandra Kraft
Source: stern.de