morgenstern: Kann uns Leckermäulchen mal irgendetwas zumuten?


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Ganz egal, ob es um eine Rote Karte geht oder um den hohen Ölpreis: Wir halten offenbar nichts mehr aus. Aber wir brauchen Zumutungen. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

was war das für ein Fußballspektakel in der Bay-Arena am Samstagabend: drei zurückgenommene Tore, zwei Platzverweise, ein ständiges Hin und Her – und am Ende ein Unentschieden, das jedes Team der Bundesliga, das am Ende zu neunt gegen elf auf dem Platz steht, als Sieg gefeiert hätte. Nicht so der FC Bayern München nach der Partie in Leverkusen. Zwei Rote Karten? Das ist Majestätsbeleidigung. Eine Zumutung! Ulli Hoeneß ging lieber persönlich den Schiedsrichter, Christian Dingert, an: „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichterteams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe.“

Ich habe lange jeden Sonntag ein Fußballspiel mit meinem Sohn und anderen Vätern und ihren Kindern organisiert. Weil es mir Spaß gemacht hat, aber auch, weil der Fußball viele gute Lektionen fürs Leben bietet: Teamgeist, Niederlagen ertragen, Weitermachen, auch nach einem schmerzhaften Foul, Entscheidungen akzeptieren, auch wenn sie einem ungerecht erscheinen. Die Fußball-Bundesliga ist da nicht wirklich eine Hilfe.

Nicht die Schiris sind das Problem, sondern Manager und Spieler

Fair Play ist ein Fremdwort im Ligabetrieb: Wer im Mittelfeld einen Zweikampf verliert und einen Konter des Gegners verursacht, fällt lieber spektakulär, damit der VAR (der Videoschiedsrichter) die Szene hinterher checkt und ein mögliches Tor vielleicht aberkennt. Stürmer suchen im Strafraum oft mehr den Kontakt zum Verteidiger als zum Ball, um einen Elfer zu schinden. Wie auch bei Diaz Roter Karte.

Harte Zeiten also für Schiedsrichter. Wird es ihnen gedankt? Nein. Selbst für simple Einwurfentscheidung werden Schiris von Spielern angegangen. Einfach peinlich.

Mal eine Zumutung aushalten

Weil niemand perfekt ist, sollte auch der FC Bayern in der Lage sein, mal eine unglückliche oder falsche Schirientscheidung zu ertragen. Das denke ich, ist dem Klub zuzumuten. Wo sie doch sonst schon nichts auszustehen haben: Es brauchte die absolut perfekte Saison von Bayer 04 vor zwei Jahren, dass die Bayern einmal nicht Meister wurden. Die Bundesliga hat an der Spitze mit sportlichem Wettbewerb längst nichts mehr zu tun. Man schaut die Liga eigentlich nur noch trotz der Bayern da oben. Ulli Hoeneß hat in Wahrheit gar nichts auszustehen. Das ist die eigentliche Zumutung der Bundesliga, an die sich aber alle gewöhnt zu haben scheinen.

Welcher Spritpreis ist zumutbar?

Es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht irgendwer fordert, dass der Spritpreis gesenkt werden müsse. Gestern waren es die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalts und Thüringen, Sven Schulze und Mario Vogt, die sich das wünschten. Man solle jetzt endlich die Energiesteuer aufs Benzin reduzieren.

Dabei könnte nichts falscher sein: Der hohe Preis setzt ja ein Signal: Öl und damit Benzin ist teuer, weil es gerade knapp ist. Wir sollten also sparsam damit umgehen. Das würde auch den Preisanstieg dämpfen.

Die meisten Deutschen können sich höhere Preise leisten. Wohlgemerkt: die meisten. Wenn wir also etwas tun sollten angesichts der hohen Preise, dann jene finanziell entlassen, die wirklich hart getroffen sind. Also die, die wenig verdienen.

Aber wer jetzt Benzin künstlich billig macht, der spielt dem Iran in die Hände. Denn genau darauf setzt das Regime dort, den Westen beim Öl zu treffen. Das sollten eigentlich gerade Ministerpräsidenten der CDU verstehen. Aber die haben offenbar zu sehr die AfD im Nacken.

Es ist schon erschreckend: Wenn es schon zu viel verlangt ist, ein paar Wochen etwas mehr für Benzin zu zahlen, wie wollen uns dann gegen die Strategie des Iran überhaupt zur Wehr setzen? Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Politik uns Bürgern wieder etwas mehr zumutet.

Über den Irankrieg halten wie Sie weiter in unserem Liveblog auf dem Laufenden:

Und der Oscar geht …

… ziemlich gerecht verteilt an die Nominierten. Wer gedacht hatte, die beiden Filme „Blood & Sinners“ und „One Battle After Another“ würden mit ihren 29 Nominierungen fast alle wichtigen Preise abräumen, wurde – zum Glück – enttäuscht. Wer gehofft hatte, Hollywood würde die Gelegenheit nutzen, ein klares Statement gegen Trump abzugeben, aber auch:

5-Minuten-Talk: In der SPD beginnt das große Zittern

Rheinland-Pfalz ist so etwas wie die letzte Hochburg für die SPD. Seit 1991 sind die Sozialdemokraten dort durchgängig an der Regierung, viele Jahre als stärkste Kraft. Doch nach dem bitteren Ergebnis in Baden-Württemberg geht nun das große Zittern los.

Sollten die Genossen die Wahl am kommenden Sonntag vergeigen, drohen heftige Debatten. Über Kurs und Richtung der SPD, über die Frage, ob die Parteispitze richtig besetzt ist. Einerseits. Andererseits könnte eine Schlappe für die Parteispitze auch befreiend wirken. Dann wäre nämlich allen Sozialdemokraten klar, dass es wie bisher nicht weitergehen kann. Das könnte Lars Klingbeil sogar mehr Spielraum geben in der Reformpolitik.

Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz gehen das einmal für Sie durch, in fünf Minuten, wir haben ja nicht ewig Zeit:

Und sonst? Weitere Schlagzeilen

Das passiert am Montag, dem 16. März 2026

  • Die EU-Außenminister kommen heute erstmals seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran zu einem persönlichen Treffen zusammen. Beraten wird auch darüber, ob sich die EU-Staaten an einer Marineoperation in der Straße von Hormus beteiligen sollen. Bundesaußenminister Johann Wadephul will das eher nicht.
  • Der Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn der norwegischen Kronprinzessin, geht in die Endphase, heute wird das Plädoyer der Staatsanwaltschaft erwartet. Der 29-Jährige ist in 40 Punkten angeklagt, unter anderem wegen Vergewaltigung in vier Fällen. Die schwersten Taten soll er begangen haben, während die mutmaßlichen Opfer schliefen.
  • Brandenburg bekommt eine neue Regierung: SPD und CDU besiegeln heute in Potsdam ihre Koalition, zwei Monate nach dem Bruch der SPD-BSW-Koalition.
  • In Berlin tagt erstmals die „Taskforce“ der schwarz-roten Koalition im Bund zur Preispolitik der Ölkonzerne. Neben Politikern von Union und SPD sind auch Kartellamtschef Andreas Mundt sowie Vertreter der Konzerne anwesend.

Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Sollten Frauen in ihren Wechseljahren und danach Testosteron nehmen? Und damit ausgleichen, dass ihr Körper das Hormon deutlich weniger produziert als in jungen Jahren? Testosteron unterstützt Muskelwachstum, Knochendichte, Leistungsfähigkeit und Libido. Lange herrschte die Meinung vor, dauerhafte Hormongaben sollte es nur ausnahmsweise geben, zu riskant.

Aber die Stimmung hat sich gedreht: Immer mehr Frauen probieren es aus in Form eines Gels, das auf den Arm aufgetragen wird. Über die Haut wird so das Hormon aufgenommen. Viele sind begeistert von der Wirkung. Meine Kollegin Alexandra Kraft aber hat festgestellt, dass der Trend schneller ist als die medizinische Forschung:

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Matthias Urbach

Source: stern.de