Ein gefährlicher US-Präsident, ein vermutlich langer Krieg – und keine Perspektive für ein Ende. Dazu 30.000 gestrandete Reisende aus Deutschland. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich weiß nicht, wie es Ihnen ging an diesem Wochenende, aber ich brauchte ein wenig, bis mir dämmerte, welche Tragweite dieser erneute Angriff von Israel und den USA auf den Iran hat. Spätestens mit der gezielten Tötung von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei ist klar, dass es nicht nur um das Atomprogramm geht, sondern um den Regime Change. Donald Trump forderte denn auch die Iraner auf, sich zu erheben, um eine Demokratie zu bilden.
Doch auch nach dem Tod Chameneis gibt es immer noch einen eine Million Menschen zählenden Sicherheitsapparat im Iran. Der langjährige Sicherheitsberater der US-Regierung, Nate Swanson, glaubt deshalb nicht daran, dass die Iraner selbst mit dem Mullah-Regime aufräumen können, wie er meinem Kollegen Marc Etzold im Interview sagte.
Der Iran-Krieg dürfte noch dauern
Derweil redet US-Präsident Donald Trump davon, dass der Krieg so lange dauere, bis alle Ziele erreicht seien. Auf Nachfrage spricht er dann in seiner typisch laxen Art von „vier Wochen – oder weniger“.
Und einmal mehr fragt man sich: Hat dieser Mann überhaupt einen Plan davon, was er tut? Ausgerechnet Trump, der seine Vorgänger stets für militärische Abenteuer kritisiert hat, fängt nun selbst eines an. Und das, wie stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz besorgt feststellt, ohne jedes Wertefundament, das ihn leitet.
Dazu kommt, dass Trump sich auch im Krieg so ganz anders benimmt als alle Präsidenten zuvor. Keine große TV-Rede an die Nation, er bleibt in Mar-a-Lago, statt ins Weiße Haus zu eilen und nimmt seelenruhig an Spendengalas teil.
Unsere US-Korrespondentin Leonie Scheuble hat daher die jüngsten 72 Stunden des Präsidenten einmal nachgezeichnet.
30.000 Reisende aus Deutschland gestrandet
Während wir uns in Deutschland verdutzt die Augen reiben, hat der Konflikt nicht nur im Iran große Auswirkungen. Denn das iranische Regime hat am Wochenende mit weit gestreuten Angriffen versucht, den Konflikt auszuweiten. Dabei wurden nicht nur US-Militärbasen am Persischen Golf getroffen, sondern auch zivile Einrichtungen wie der Flughafen in Dubai. Aber auch Flughäfen am Golf, die nicht getroffen wurden, können aus Sicherheitsgründen nicht mehr angeflogen werden. 30.000 Menschen, die mit deutschen Reiseveranstaltern unterwegs waren, sind am Golf gestrandet.
Mein Kollege Yannik Schüller hat mit deutschen Touristen gesprochen, unter anderem mit einem Paar, das in Dubai seine Verlobung feiern wollte. Schon am Samstag bekamen sie die ersten Explosionen mit, in der Nacht schrillte dann eine Warnmeldung auf ihrem Handy, sie sollten ein sicheres Gebäude aufsuchen. Nur wo ist eines?
Wie schon am Wochenende werden wir weiter die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten nach dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran protokollieren. In unseren Analysen, aber auch im stern-Liveblog, der kontinuierlich die neuesten Ereignisse beschreibt.
5-Minuten-Talk: Drei Gefahren für Deutschland
Dass der Flugverkehr am Golf zum Erliegen gekommen ist, ist für die Betroffenen unangenehm, aber hoffentlich meist zu ertragen. Die wirklich schmerzhaften Folgen dieser neuen Eskalation in Nahost könnten noch folgen.
Die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren über drei Gefahren, die der Iran-Krieg jetzt für Deutschland bringen könnte.
Das passiert am Montag, dem 2. März 2026
- Nach längerer Pause wird in Hamburg der Prozess gegen Christina Block wieder aufgenommen
- Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Donald Trump in den USA
- In dieser Woche werden in vielen Autofabriken neue Betriebsräte gewählt. Dabei treten erstarkte AfD-nahe Gruppierungen gegen die IG Metall an
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Unser Bild vom Iran ist stark geprägt vom in mancher Hinsicht steinzeitlich anmutenden Mullah-Regime. Doch das Land hat eine lange und reiche Geschichte: Als Rom noch ein Bauernstaat war und die Germanen in Sümpfen lebten, gründeten Perserkönige ein Reich, wie es die Welt bis dahin nicht gesehen hatte. Und natürlich beruft sich auch der heutige Iran auf diese einstige Größe.
Ich empfehle daher sehr unsere vierteilige Serie zur Geschichte Persiens. Hier Teil 1:
Ich werde Sie ab sofort für die kommenden vier Wochen in den Morgen begleiten. Wie hat Ihnen mein erster morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: matthias.urbach@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.
Ich wünsche Ihnen trotz allem einen guten Start in die Woche!
Matthias Urbach
Source: stern.de