Chinas neue Strategie ist klar: mehr Forschung, mehr Innovationen, mehr Macht. Das schafft neue Abhängigkeit. Und: Nina Warken wagt die Gesundheitsreform. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
gestern übten in Chinas Hauptstadt Peking rund 100 Roboter für einen Halbmarathon Ende des Monats. Bewegten sich diese Maschinen bis vor Kurzem noch staksig und ungelenk, rannten sie nun schon sehr elegant – und wirkten dabei erschreckend menschlich.
Diese kleine Episode ist wichtig. Denn sie ist beispielhaft dafür, mit welchem Tempo China gerade im Bereich Wissenschaft, Medizin und Technik voranprescht. Waren die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die führende Wissenschaftsnation weltweit, wird das Trump-Land gerade überholt. Seit der US-Präsident wieder regiert, hat er viel daran gesetzt, die Forschungsinstitutionen seines Landes zu zerstören. Der angerichtete Schaden – vor allem durch Kürzungen von Fördergeldern – ist riesig.
Während die USA darüber diskutieren, ob man gegen Masern impfen sollte und ein Schmerzmittel Autismus auslöst, prescht China voran. Das Land baut einen gigantischen Forschungsapparat in Rekordzeit. Universitäten und Laboratorien landesweit werden mit den besten Forschern und der besten Ausrüstung ausgestattet. 1991 gab China noch 13 Milliarden Dollar für Forschung aus, heute sind es über 800 Milliarden. Die Regierung hat vor Kurzem einen Plan veröffentlicht, nach dem das Budget in den nächsten fünf Jahren jährlich um sieben Prozent steigen soll.
Schon jetzt vergeben Chinas Universitäten doppelt so viele wissenschaftliche Abschlüsse wie die USA. China publiziert insgesamt und insbesondere in Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und KI inzwischen mehr hochwertige Studien als die Vereinigten Staaten. Dieser Wandel zeigt sich auch deutlich in der praktischen Anwendung. So konnte China dank seiner Fortschritte im Bereich Chemie und Materialwissenschaften die USA bei der Entwicklung und Herstellung von Hightech-Batterien, Elektrofahrzeugen sowie Solarzellen längst weit hinter sich lassen. Das sind alles Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts.
Bald hängt die Welt in den Bereichen Medizin und Forschung von China ab
Die Roboter-Show in Peking ist deswegen auch eine Machtdemonstration. Die chinesische Regierung zeigt: „Welt, schau her, das können wir. Waren wir lange Zeit darauf angewiesen, Technologie zu kopieren, machen wir jetzt vor, wie Innovation geht.“ Die Geschwindigkeit, die das Land dabei vorlegt, ist überwältigend. Im Bereich humanoider Roboter gehen Schätzungen davon aus, dass China bis 2050 über 300 Millionen davon im Einsatz haben wird. Die USA dagegen nur rund 70 Millionen.
Den Trend verschärfen wird auch, dass China stark auf Bildung setzt. Das Land ist stolz auf seine Erfindungen und Entdeckungen. Während in den USA das Gegenteil passiert. Große Teile der Bevölkerung haben ihr Vertrauen in Wissenschaft und Medizin verloren. Das Bildungsniveau sinkt, Schulen sind in schlechtem Zustand, eine steigende Zahl von Kindern wird nur zu Hause unterrichtet. Die Rate der Amerikaner und Amerikanerinnen, die nicht oder nur schlecht lesen können, steigt gerade deutlich an.
Ebenfalls gestern gab es eine Meldung darüber, wie überwältigend (und gefährlich) abhängig die Welt von Rohstoffen und Lieferungen aus China ist. Schon sehr bald wird das wohl auch für wissenschaftliche, technologische und medizinische Innovationen gelten. Und das weltweite Machtgefüge kräftig durcheinanderwirbeln.
Späte Diagnose: Wie ADHS ein Erwachsenenleben prägt
Lange galt die Diagnose ADHS nur für Kinder. Heute weiß man: Auch Erwachsene können an der Krankheit leiden. Ingrid Weidtman erfuhr erst im Alter, dass sie ADHS hat. Obwohl auch ihr Sohn ADHS hatte, kam Weidtman nie auf den Gedanken, dass auch sie davon betroffen sein könnte. Die Diagnose kam spät – das bedauert sie sehr. Viel Schmerz wäre ihr erspart geblieben, da ist sie sich sicher. Sie ist kein Einzelfall.
5-Minuten-Talk: Nina Warken versucht die Gesundheitsreform
Auf in den Kampf! Gesundheitsministerin Nina Warken stellte gestern ihre Reformpläne für die gesetzliche Krankenversicherung vor. Sie will Kosten sparen und die Beiträge stabilisieren, mindestens. Die CDU-Politikerin verkündete Unerhörtes: weniger Honorare für Ärzte und Apotheker, höhere Zuzahlungen für Patienten und ein Ende der kostenlosen Familienmitversicherung.
Das ist mutig. Nina Warken legt sich ab jetzt mit einem System an, das wie kein zweites von mächtigen Lobbygruppen beschützt und ausgebeutet wird. Hat sie wirklich die Kraft, um sich durchzusetzen? Oder wird sie scheitern, wie so viele, die sich vor ihr an einer Reform versucht haben? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Mittwoch, dem 15. April 2026
- Haupttag des Blitzermarathons in der bundesweiten „Speedweek“
- Der Haushaltsausschuss entscheidet über Rheinmetall Kampfdrohnen für die Bundeswehr
- Bundesfinanzminister Lars Klingbeil nimmt in New York am Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank teil
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Alle, die den Sprung ins Wohneigentum schaffen wollen, benötigen eine gehörige Portion Geduld. Denn angehende Immobilienbesitzer müssen meistens jahrelang sparen, bis sie genügend Eigenkapital für den Haus- oder Wohnungskauf beisammenhaben. Etwa 14 Jahre dauert es – und damit etwa doppelt so lang wie noch in den 1980er-Jahren –, bis Durchschnittsverdiener monatlich rund 20 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens beiseitegelegt haben. Mit dieser Formel rechnen Käufer durch, ob die Summe schon für die Immobilienfinanzierung ausreicht.
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Alexandra Kraft
Source: stern.de