Mondmission: Kurz nachher dem Start dieser „Artemis 2“ geht die Toilette kaputt


Zur Merkliste hinzufügen

Ein irdisches Problem hat die Besatzung der „Artemis 2“-Mission umgetrieben: Toilettenschaden. Aber wie geht man im Weltall eigentlich aufs Klo?

Und dann passiert kurz nach dem Start der „Orion“-Kapsel etwas, das nicht passieren soll: Ein gelbes Warnlicht leuchtet. Das „Universal Waste Management System“ an Bord ist defekt – sprich: die Toilette.

Selbst im Weltall entkommt man den alltäglichen, menschlichen Problemen nicht.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert sind mit der „Artemis 2“-Mission wieder vier Personen auf dem Weg zum Mond. Drei Astronauten und eine Astronautin hoben in der Nacht zu Donnerstag um 0.35 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Ziel der Mission ist es, den Mond zu umrunden und damit die Grundlage für eine Mondlandung im Jahr 2028 zu legen.

Nasa spricht von „Steuerungsproblem“

Der Klo-Kummer wurde bei einer Pressekonferenz nach dem Start öffentlich. Gemeldet hatte ihn die US-Astronautin Christina Koch, die die blinkende Fehleranzeige zuerst bemerkt hatte. Amit Kshatriya, stellvertretender Administrator der Nasa, sprach daraufhin von einem „Steuerungsproblem“, das mittlerweile behoben werden konnte, wie CNN und die „New York Times“ (NYT) unter Berufung auf die Nasa berichten.

Schon vorher hatte die US-Raumfahrtbehörde deutlich gemacht, dass es bei der Testmission zu Problemen kommen könne. Die Kapsel enthalte Komfort für die Astronauten, der bislang noch nie im Weltraum getestet worden sei. Dazu gehört laut „New York Times“ die besagte Toilette: Zum ersten Mal sei bei einer Weltraummission eine funktionierende Toilette installiert worden, inklusive geschütztem Bereich hinter einem Vorhang.

„Wir als Besatzung können uns ziemlich glücklich schätzen, in diesem winzigen Raumschiff eine Toilette mit einer Tür zu haben“, hatte Jeremy Hansen von der Canadian Space Agency, Missionsspezialist bei „Artemis 2“, zuvor in einem Video gesagt. Es sei der „einzige Ort, an den wir während der Mission gehen können, wo wir uns tatsächlich für einen Moment allein fühlen können“. 

Wie geht man im All überhaupt auf die Toilette?

Bei vorherigen Missionen benutzten die Raumfahrer in der Regel Sammelbeutel für ihre Ausscheidungen. Während der Apollo-Missionen in den 1960er- und 70er-Jahren ließen die Besatzungen die Beutel auf der Mondoberfläche zurück, um das Gewicht auf dem Rückweg zur Erde zu verringern und Verunreinigungen zu vermeiden.

Bei den Artemis-Missionen soll die Notdurft würdevoller verrichtet werden.

Dennoch muss die Besatzung schon aufgrund der Schwerelosigkeit vorsichtig sein. Branelle Rodriguez, Fahrzeugmanagerin von „Orion“, erklärte in einem Nasa-Podcast, die Kapsel verfüge über Griffe und Halterungen, um die Besatzung zu sichern. Die Toilette hat demnach einen an einem Schlauch befestigten Trichter für Urin und einen Sitz für feste Ausscheidungen. Ein automatischer Luftstrom soll Gerüche reduzieren und die Ausscheidungen vom Körper weg in separate Auffangbehälter befördern.

„Artemis 2“-Mission mehrfach verschoben

Die „Orion“-Crew konnte wenige Stunden nach dem Start aufatmen, die Toilette ist wieder voll funktionsfähig. Sonst hätte sich die zehntägige Mission wohl noch länger angefühlt. Kurz bevor sie sich schlafen legte, fragte Nasa-Astronautin Koch in Houston noch einmal nach. Die beruhigende Antwort aus der Missionskontrolle: „Ihr könnt die Toilette die ganze Nacht über benutzen.“ Neben Koch und Hansen sind ihre US-Kollegen Victor Glover und Reid Wiseman an Bord der „Orion“.

Der Toiletten-Ausfall war nicht das erste technische Problem der Mission und auch nicht das gravierendste. Bereits der Start der „Artemis 2“ war mehrfach verschoben worden, unter anderem wegen Schwierigkeiten mit dem Hitzeschild – eine für die Astronautinnen und Astronauten überlebenswichtige Vorrichtung. 

Quellen:  CNN, „New York Times“, Nachrichtenagentur DPA, „Zeit“, 

Source: stern.de