In der Luftfahrt wachsen die Sorgen, dass wegen des Irankriegs Treibstoff knapp wird. Der deutsche Flughafenverband sieht in der Entscheidung der Deutschen Lufthansa, erste Flugzeuge stillzulegen, ein Anzeichen, „dass die steigenden Kerosinkosten und Versorgungsrisiken inzwischen direkte Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die Kapazitäten im Luftverkehr haben“.
Die Lufthansa hatte zuvor angekündigt, die älteren Flugzeuge der Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline sofort aus dem Betrieb zu nehmen. Weitere ältere Flugzeuge mit höherem Treibstoffverbrauch wie das Airbus-Modell A340-600 und die ältere Boeing-Jumbojetversion 747-400 will Lufthansa in den nächsten Monaten vorzeitig ausmustern. Erste dahin gehende Pläne hatte der Konzern vor zwei Wochen damit begründet, dass ein geringeres Kraftstoffangebot Preise erhöhe, wodurch die Ticketnachfrage abnehmen könne. Die Gewerkschaft UFO sah das Betriebsaus für die Tochtergesellschaft Cityline indes im Zusammenhang mit den aktuellen Tarifkonflikten und Streiks und kritisierte die Lufthansa-Entscheidung scharf.
Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, sagte indes am Donnerstag: „Die Kerosinversorgung in Europa steht unter zunehmendem Druck.“ Er verwies auf Unterschiede in der Versorgung mit Öl und mit Flugkraftstoff. Mit Blick auf die Luftfahrt sagte Beisel: „Das zentrale Risiko liegt weniger in der Rohölverfügbarkeit als in der begrenzten Raffinerie- und Produktstruktur.“ Rund die Hälfte der europäischen Kerosinimporte stamme aus der Golfregion. Das sei „eine Abhängigkeit, die durch geopolitische Spannungen zusätzliche Unsicherheit erfährt“.
Als Problem in der Luftfahrt gilt mittlerweile, dass die Fluggesellschaften selbst nicht mit letzter Gewissheit sagen können, wie lange ihnen genug Kerosin zur Verfügung steht. „Unsere Kerosin-Lieferanten ändern ihre Prognosezeiträume und sind nicht mehr bereit, einen Ausblick über einen Zeitraum von mehr als einem Monat zu geben“, sagte die für die Beschaffung zuständige Lufthansa-Vorständin Grazia Vittadini der Nachrichtenagentur Reuters. In Asien haben Fluggesellschaften schon Flüge gestrichen, weil Kerosin knapper wird.
Der europäische Fluggesellschaftenverband A4E hatte schon vorgeschlagen, dass die EU die Kerosinvorräte europaweit überwachen und einen gemeinsamen Treibstoffeinkauf prüfen soll. ADV-Hauptgeschäftsführer Beisel sagte nun: „Der Flughafenverband fordert die Bundesregierung auf, die Transparenz im Kerosinmarkt substanziell zu verbessern und ein belastbares Monitoring von Beständen und Verbrauch zu etablieren.“ Zudem sollten regulatorische Hürden bei der Einfuhr von Flugtreibstoff vorübergehend ausgesetzt werden, um die Versorgung kurzfristig zu stabilisieren. Obwohl Flugzeuge an Flughäfen betankt werden, liegt die Kraftstoffbeschaffung nicht in der Hand von Flughäfen. Eine Ausdünnung des Flugangebots schlägt indes direkt auf die Geschäftszahlen der Airports durch.