Das hellere Amerika hatte im deutschen Radio über Jahrzehnte eine Stimme. Sie erinnerte bis zuletzt daran, dass die Vereinigten Staaten nicht mit Donald Trump gleichzusetzen sind und die USA und Europa einmal ein gemeinsames Freiheits- und Werteverständnis hatten. Die Stimme gehörte dem Moderator Rik De Lisle, der Berliner Radiohörer von 1978 an begleitete. „I’m Air Force Sergeant Rik De Lisle – reminding you, that Rock ’n’ Roll is just a state of mind“, sagte er und handelte danach. Er legte Platten auf, spielte Songs und erzählte beiläufig große und kleine Geschichten von Musikern und anderen, in denen der „American Way of Life“ aufschien, und das ist nicht der des Autokratismus, wie wir ihn gegenwärtig erleben.
1947 in Milwaukee als Abkömmling deutsch- und französischstämmiger Einwanderer geboren, meldete sich Richard „Rik“ De Lisle mit 17 Jahren zur US-Luftwaffe. Er wurde Discjockey beim Armeesender AFN, zuerst in Asien, dann in Portugal und Deutschland. In Westberlin begrüßte er die Hörer mit seinem sonoren Bariton im Frühprogramm zuerst bei AFN, von 1985 an bei RIAS 2.
„Icke bin’s – euer alter Ami Rik De Lisle“
Aus diesem Sender wurde 1992 das Popradio 94,3 RS2 und De Lisle dort Programmdirektor. Am Mikrofon nahm er die Menschen mit seinem anglo-berlinerischen Slang, seinem Humor und seiner Zugewandtheit für sich ein, hinter den Kulissen war er ein großer Talentförderer. Er arbeitete für die sächsischen Radios PSR und R.SA, moderierte im Berliner Rundfunk 91.4 und von 2008 an bei dem bundesweit ausgestrahlten hessischen Rocksender Radio Bob. Dort stellte er sich in gereifter Selbstironie mit „Icke bin’s – euer alter Ami Rik De Lisle“ vor.
Bei Radio Bob und im Berliner Rundfunk war er bis vor Kurzem noch zu hören. Am 30. März ist er, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 79 Jahren in seiner Wahlheimat Berlin gestorben. Die große Wertschätzung, die er erfuhr, drückt sich in den Nachrufen aus, die „seine“ Sender veröffentlicht haben. „Let’s Rik and Roll“, sagte er immer. „Rock in peace, alter Ami“, heißt es bei Radio Bob.
Source: faz.net