Mission geglückt – welches jener Erfolg pro die ehrgeizigen Mond-Pläne jener Nasa bedeutet

Die Astronauten der „Artemis 2“-Mission sind sicher zur Erde zurückgekehrt. Was bedeutet das für die ambitionierten Nasa-Pläne, bis 2028 wieder Menschen auf den Mond zu bringen? Und warum steht die europäische Raumfahrt vor einem Dilemma?

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Nach der Landung ihrer Kollegen herrschte in Reihen der National Aeronautics and Space Administration (Nasa) Gewissheit: Der Trip der „Artemis 2“-Crew zum Mond verlief am Ende sogar reibungsloser als erwartet.

Nach dem imposanten Start der Riesenrakete SLS (Space Launch System) lief das mittlerweile mehr als elf Jahre alte Raumschiff „Orion“ auf seinem ersten bemannten Einsatz zur Hochform auf – und brachte die vier Astronauten Samstagnacht (MESZ) sicher zur Erde zurück.

Auch abseits der technischen Herausforderungen war das Projekt „Artemis 2“ ein gigantischer PR-Erfolg für die US-Raumfahrtbehörde. Die vierköpfige Astronautencrew an Bord war so divers zusammengesetzt wie keine Mondmission der legendären „Apollo“-Zeiten. Unterschiedliche Geschlechter, Nationalitäten und Ethnien saßen in der Kapsel und harmonierten offensichtlich hervorragend. In einigen Schalten mit der Erde transportierten die vier Raumfahrer stets einen positiven Vibe aus dem All.

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Schließlich trugen auch die teils rührenden Szenen aus der Raumkapsel zum erfolgreichen Gesamtbild der Nasa in der öffentlichen Wahrnehmung bei: Seit mehr als einem halben Jahrhundert hatten keine Menschen mehr den Planeten Erde als Ganzes vor die Linse bekommen. In den vergangenen Jahrzehnten waren es stets automatische, unbemannte Raumsonden, die „mal eben“ zurückblickten und ein Bild der blauen Welt schossen. Oder es waren Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation (ISS), die aus ihrer Entfernung in rund 400 Kilometern Höhe nur einen winzigen Ausschnitt des Globus fotografierten oder filmten.

Diesmal war der Blick auf das Ganze möglich – und damit nicht genug: Hinzu kamen Aufnahmen der „dunklen Seite des Mondes“ – also seiner Rückseite, die von der Erde aus nicht sichtbar ist – und als Krönung eine Sonnenfinsternis im All, bei der sich der Mond vor die helle Sonne geschoben hatte.

Mit der erfolgreichen Mission hat die Nasa all jenen Kritikern den Wind aus den Segeln genommen, die das milliardenschwere SLS-Programm lieber heute als morgen einstellen und auf die Technologien von Milliardären wie Elon Musk oder Jeff Bezos setzen wollen. Aber – so erfolgreich gerade Musk und SpaceX mit der Entwicklung der „Falcon-9“-Rakete, Versorgungsflügen zur ISS und Astronautentransporten an Bord der „Crew-Dragon“-Kapseln gewesen sind: In letzter Zeit läuft es nicht rund.

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Der oftmals langsame, schwerfällige und kostenintensive Papiertiger Nasa hat diesmal dagegen geliefert und muss jetzt sogar auf die privaten Mitstreiter warten. Zwar ist das Starship von SpaceX bereits elfmal gestartet, teilweise im Monatsrhythmus, aber nun schon ein halbes Jahr lang nicht mehr. Der nächste Lift-off ist frühestens für Mai geplant.

Das dauert wesentlich länger, als es sich die Nasa, das Weiße Haus und der US-Kongress gewünscht hatten. Zudem sind bisher alle Missionen bestenfalls als Testflüge einzustufen. Denn von dem, was das Starship im Rahmen der bemannten Rückkehr Amerikas zum Mond leisten soll, ist es noch weit entfernt: Zum einen haben die Ingenieure bislang nicht gezeigt, dass die Großrakete sich im All auftanken lässt, zum andern ist das System noch meilenweit davon entfernt, Menschen an Bord zu nehmen.

Von einer bemannten Mondlandung im Jahr 2027 im Rahmen der nächsten „Artemis“-Mission hatte sich die Nasa deswegen schon vor einigen Wochen verabschiedet. Denn es gibt aktuell schlicht keine Mondfähre, die Astronauten aus dem Mondorbit, in den „Artemis 2“ erfolgreich geflogen ist, sicher hinunter auf die Mondoberfläche und zurück bringen könnte. Konkurrent Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos hängt mit seinem Alternativmodell eines Mondlanders sogar noch weiter zurück als SpaceX.

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Selbst der Verzicht auf die ursprünglich geplante Raumstation in einer Mondumlaufbahn, das sogenannte Gateway, beschleunigt den ambitionierten Zeitplan nicht wirklich. Dieser wird von US-Präsident Donald Trump vorgegeben, der noch vor Ende seiner zweiten Amtszeit „American Boots on the Ground“ – und zwar auf dem grauen Mondstaub – sehen möchte. Das Jahr 2028 wäre die letzte Möglichkeit.

Aber auch John F. Kennedys Vision eines bemannten Mondfluges „vor Ablauf dieses Jahrzehnts“ – gemeint waren damals die 1960er-Jahre – wurde erst im letzten Jahr der Dekade erfüllt, mit der Landung von „Apollo 11“ auf dem Mond im November 1969. Insofern würde Trump das Jahr 2028 reichen. Es erscheint derzeit jedoch unrealistisch, dass eines der beiden Taxis zum Mond – das Starship oder der Lunar Lander von Blue Origin – bis dahin einsatzbereit, für Menschen zertifiziert und zuverlässig ist.

Um etwas Druck aus dem Zeitplan zu nehmen, hatte Jared Isaacman, der Chef der Nasa, kürzlich mitgeteilt, dass zwischen der jetzigen Mondumkreisung und der bemannten Mondlandung eine weitere Mission geflogen werden soll. „Artemis 3“ wird ebenfalls mit vier Astronauten bemannt sein.

Das wäre allerdings gar nicht nötig, denn demonstriert werden soll das Andocken der „Orion“-Kapsel mit dem Starship oder dem Luna Lander, im besten Fall mit beiden. Dies soll in einer Erdumlaufbahn passieren. Ob in Erdnähe – also ungefähr auf der Bahn der ISS in 400 Kilometern Höhe – oder jenseits der mit 36.000 Kilometern Entfernung viel höheren geostationären Umlaufbahn, ist noch nicht entschieden.

Europa hat einen folgenreichen Fehler gemacht

Weil die Nasa nach dem erfolgreichen „Artemis 2“-Flug nicht den Eindruck eines Rückschritts vermitteln will, wird auch bei diesen Übungsmanövern eine Crew an Bord sein. Geplant ist diese Mission für das kommende Jahr – abhängig vom Fortschritt bei der Entwicklung des Starships. Bei einem Erfolg stünde dem bemannten Aufbruch zum Mond nicht mehr viel im Wege.

Darf es aus amerikanischer Sicht auch nicht, denn China hat angekündigt, bis 2030 seinerseits Taikonauten auf dem Mond landen zu lassen. Auch wenn der Begriff eines „erneuten Wettlaufs zum Mond“ immer wieder zurückgewiesen wird – es sind vor allem die Amerikaner, die ihn zurückweisen, wohl wissend, dass sie ihn wahrscheinlich verlieren werden, sollten sie sich auf dieses Spiel einlassen. China hat in den vergangenen Jahren in der bemannten Raumfahrt enorm aufgeholt. Das Reich der Mitte hat stets umgesetzt, was es angekündigt hatte.

Und dann wäre da noch Europa. Die „Alte Welt“ hat den Fehler gemacht, sich nach der gelungenen Kooperation mit der Internationalen Raumstation – zusammen mit Kanada, Japan und Russland – erneut auf eine Zusammenarbeit mit den USA und den anderen Partnern (mit Ausnahme Russlands) einzulassen. Europas Zulieferungen für das Gateway in der Mondumlaufbahn wie das Versorgungsmodul Esprit sind nahezu fertig und hätten in den kommenden Jahren auf ihre Position in Mondnähe gebracht werden sollen. Mit seiner jüngsten Ankündigung, das Gateway werde „vorerst“ doch nicht gebaut, stieß Nasa-Administrator Isaacman vor allem der europäischen Weltraumagentur ESA vor den Kopf. Solch einen Vorgang hatte es in der Geschichte der europäisch-amerikanischen Zusammenarbeit im Weltraum noch nicht gegeben.

Europa habe „Redebedarf“, heißt es derzeit, denn im Gegenzug für Module und Antriebseinheiten hatte die US-Raumfahrtbehörde den Europäern drei Mitflüge europäischer Astronauten zum Mond zugesagt. Die Deutschen Matthias Maurer und Alexander Gerst stehen bereit. Zwei der ungeklärten Fragen lauten: Kann man diese fertigen Module für die Schwerelosigkeit so umgestalten, dass sie sich als Teile einer Basis auf der Mondoberfläche einsetzen ließen? Oder soll sich Europa auf den Transport von Proviant für eine künftige Mondbasis beschränken, die eine „Ariane 6“ mit dem künftigen Mondlander „Argonaut“ ans Ziel bringen könnte?

„Es gibt Anzeichen seitens der Nasa-Führung, dass die Vereinigten Staaten internationalen Partnerschaften weniger Bedeutung beimessen und wohl auch der ESA weniger wichtige Aufgaben übertragen werden“, erklärte der Astronom Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in dieser Woche gegenüber dem Fachmagazin „Nature“.

Selbst wenn US-Präsident Trump „seinen“ Mondflug im Jahr 2028 bekommt und für sich reklamieren kann – der nächste US-Präsident wird nach jetzigem Stand wieder ein Demokrat sein. Es ist keine gewagte Prophezeiung, dass eine demokratische Regierung die Pläne einer Mondbasis wieder einstampfen würde.

Und so geht es in der bemannten Raumfahrt kaum voran. Selbst vergleichsweise einfache Entwicklungen wie das SLS und „Orion“ haben ewig gedauert, obwohl das SLS eine Weiterentwicklung der Space Shuttles ist und eigentlich schnell und kostengünstig hätte fertig sein müssen. Die Nasa und die beauftragten Firmen haben am Ende mehr als ein Jahrzehnt dafür gebraucht und zu überhöhten Preisen geliefert.

Die aus vielen Ecken geäußerte Kritik ist berechtigt. Mit „Artemis 2“ hat die Nasa nun zumindest bewiesen, dass das „Orion/SLS-Konzept“ (nahezu) störungsfrei funktioniert. 

Source: welt.de

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