Bei der Operation einer Sondereinheit der Streitkräfte in der Gemeinde Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco kamen den offiziellen Angaben zufolge neben Oseguera sechs weitere Bandenmitglieder ums Leben, zwei weitere wurden festgenommen. Drei Soldaten wurden den Angaben zufolge verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) auf „El Mencho“ ausgesetzt. Der frühere Polizist führte seit 2011 das von ihm gegründete CJNG an. Der stellvertretende amerikanische Außenminister Christopher Landau schrieb auf der Plattform V, einer der „blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse“ sei getötet worden. „Das ist eine großartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen“.
Dutzende Flüge nach Mexiko gestrichen
Als Reaktion auf den Militäreinsatz sperrten Bandenmitglieder in mehreren Bundesstaaten, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, Straßen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen. Auch wurden Feuer in Apotheken und kleinen Einzelhandelsgeschäften gelegt. In der bei Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren in Videos brennende Autos und große schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen den Gebäuden aufstiegen. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Mehrere nordamerikanische Fluggesellschaften sagten am Sonntag Flüge in einige mexikanische Städte ab. Die Fluggesellschaften United, Southwest und Air Canada teilten mit, die Städte Puerto Vallarta, Guadalajara und Manzanillo würden vorerst nicht mehr angeflogen. Einige Flugzeuge, die bereits auf dem Weg nach Mexiko waren, seien auf halber Strecke umgekehrt.
Auch die amerikanische Botschaft in Mexiko gab eine Sicherheitswarnung für US-Bürger aus. Aufgrund laufender Sicherheitsoperationen und Straßensperren sollten diese an den betroffenen Orten bis auf weiteres in ihren Unterkünften bleiben, hieß es.
Angesichts der Gewaltwelle rief Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren“, schrieb sie auf X. Die Sicherheitskräfte waren in erhöhter Alarmbereitschaft.
„El Mencho“ in Narco-Liedern besungen
„El Mencho“ wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe als „Herr der Hähne“ bezeichnet. Sein weiterer Spitzname, „El Mencho“, soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, „narcocorridos“ genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.
Washington hatte das gewalttätige Drogenkartell von „El Mencho“ als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien. Neben dem Handel mit Fentanyl es auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt.
Zusammenarbeit mit „El Chapo“
Nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er Jahren in den Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet. Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben – und heuerte im westlichen Bundesstaat Jalisco als Polizist an.
Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zusammen. Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells.
Das „Unternehmen mit den vier Buchstaben“, wie das Kartell von seinen Mitgliedern genannt wird, verfügt über ein großes Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge. In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einmal sogar einen Militärhubschrauber ab, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen auch mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren.
„El Mencho“, der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besessen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmaßliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als „Leute von Señor Mencho“ bezeichnen.
Source: faz.net