Militärische Zwischenbilanz: Was nach sich ziehen die USA und Israel im Irankrieg erreicht?

Amerikanische Kampfflugzeuge können inzwischen weitgehend unbehelligt im iranischen Luftraum operieren; Videos zeigen sie tief über iranische Städte fliegen. Die Luftverteidigung des Landes wurde schon zu Kriegsbeginn massiv ins Visier genommen. Die Liste der eingesetzten Kampfflugzeuge ist lang: von älteren F-16 bis hin zum modernen Tarnkappenbomber B-2 ist nahezu alles vertreten, was die stärkste Luftwaffe der Welt ausmacht. Mehr als 6000 Einsätze seien sie bislang geflogen, sagte der Kommandeur des US-Regionalkommandos Centcom, Admiral Brad Cooper, in seinem jüngsten Kriegsupdate. Dazu setzen die USA auf bereits bekannte und neue Drohnen, Raketen und Marschflugkörper.

Die Israelis haben seit Kriegsbeginn vor zweieinhalb Wochen nach eigenen Angaben 10.000 Geschosse eingesetzt und mindestens 4000 iranische Soldaten und Kommandeure getötet. Gemeinsam haben die USA und Israel nach amerikanischen Angaben mehr als 15.000 Ziele getroffen. Dazu zählen Kommandozentralen, wichtige Einrichtungen der Revolutionsgarden, die Basidsch-Miliz und andere Sicherheitskräfte, Raketenstellungen und verstärkt die iranische Rüstungsindustrie. Unabhängig geprüft werden können die Ausmaße der Schäden nicht. Satellitenbilder und Videoaufnahmen deuten jedoch darauf hin, dass das iranische Militär stark geschwächt wurde.

„Wir konzentrieren uns weiterhin auf unsere militärischen Ziele“, erklärte US-Admiral Cooper: die Vernichtung iranischer Raketen, Drohnen und der Marine. Es sei aber eine „ganz andere Sache“, den dahinterliegenden Produktionsapparat zu zerstören. „Und genau das machen wir heute.“ Das Militär veröffentlichte drei Aufnahmen, die zerstörte Anlagen für Flug-, Seedrohnen und Torpedos zeigen sollen. Die iranische Rüstungsindustrie gilt als weitreichend und weitgehend autark.

Iranische Raketenangriffe gehen zurück

Die Angriffe auf sie würden intensiviert, erklärten israelische Armeevertreter der „Times of Israel“: Keine einzige Einrichtung entlang der gesamten Produktionskette werde verschont, mehr als 1700 entsprechende Ziele seien bereits getroffen worden, Hunderte weitere stünden auf der Liste. Dazu gehörten größere Unternehmen der Revolutionsgarden, die etwa ballistische Raketen produzierten, sowie kleinere, die verschiedene Waffenkomponenten entwickelten. Bereits jetzt sei Iran nicht mehr in der Lage, neue Raketen zu produzieren. Bestätigt ist das nicht.

Sicher ist aber, dass die iranischen Raketenangriffe auf Israel und die Golfstaaten zurückgegangen sind. Wurden auf die Vereinigten Arabischen Emirate in den ersten zwei Kriegstagen noch 165 Flugkörper geschossen, waren es seitdem pro Tag unter 20 oder deutlich weniger. Auch Qatar, Kuwait oder Bahrain wurden insbesondere zu Kriegsbeginn mit einer großen Zahl an Raketen beschossen; nun bewegt sich die Feuerrate relativ konstant auf einem niedrigen zweistelligen bis einstelligen Niveau.

Das Institute for the Study of War geht davon aus, dass Schläge gegen die Kommandostruktur und die militärische Führung die Fähigkeiten Teherans geschwächt haben, Raketenangriffe effizient zu planen und durchzuführen.

Dennoch ist Iran weiterhin dazu imstande, täglich Raketen abzufeuern. In der Nacht zu Mittwoch starben nach einem heftigen Angriff auf Israel zwei Menschen. Einen Einschlag gab es auch in den Emiraten; in Saudi-Arabien und Kuwait war die Luftverteidigung aktiv. Israel sagt, es habe ungefähr 70 Prozent der iranischen Startgeräte zerstört, demnach blieben aber noch rund 150 Stück übrig. Sie sind wohl über das ganze Land verteilt.

Iran setzt auf asymmetrische Angriffe. Gelegentlich gelingen Treffer gegen die zivile Infrastruktur und gegen sensible Militäreinrichtungen der USA. Teheran pokert wohl darauf, dass die Luftverteidigungsmunition zur Neige geht. Dabei sind Drohnen Trumpf. Gerade zu Kriegsbeginn hat das Regime sie massiv eingesetzt; am 1. März meldeten die Emirate einen Höchststand von 332 unbemannten Fluggeräten. Aber auch hier gingen die Angriffe zurück: am 2. März waren es noch 148, am 8. März 117 und seitdem in der Regel deutlich weniger als 50 am Tag.

Laut US-Generalstabschef Dan Caine wurden „mehrere“ iranische Fabriken für Kamikazedrohnen getroffen und das Angriffspotential dezimiert. Das Militär veröffentlichte Aufnahmen eines brennenden „Drohnenträgers“. Das Schiff kann laut iranischen Angaben bis zu 60 unbemannte Fluggeräte transportieren.

Teheran setzt seine Drohnenkampagne fort

Das hindert Iran allerdings nicht daran, seine Drohnenkampagne auf niedrigerem Niveau fortzusetzen: Am Dienstag fingen die Emirate 45 Fluggeräte ab, mehr als doppelte so viele wie am Vortag. Manche Schätzungen gehen von einem riesigen iranischen Arsenal aus. Die US-Analystin Kelly Grieco weist im Fachportal „War on the Rocks“ darauf hin, dass die seit Kriegsbeginn sinkenden Einsätze nicht zwingend bedeuten müssten, dass die Gefahr gebannt sei. Demnach könnte Teheran derzeit möglicherweise weniger Drohnen einsetzen, um sie für größere Angriffe aufzusparen.

Die Fabriken sind laut Grieco über das Land verstreut, was erschweren könnte, die gesamte Produktionskette ausfindig zu machen. Noch schwieriger werde es bei bereits produzierten Drohnen, die weder spezielle Depots noch große Abschussvorrichtungen benötigten.

Der Krieg in der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist zum Symbolbild für Irans asymmetrische Kriegführung geworden. Das Regime hat mehrere zivile Schiffe attackiert und den Verkehr in der wichtigen Meerenge fast zum Erliegen gebracht. US-Präsident Donald Trump will, dass sie wieder „offen, sicher und frei“ ist, mit oder ohne die NATO-Partner, die sich mehrheitlich ablehnend gegenüber einer militärischen Beteiligung zeigen. Die USA würden, so Trump, die iranische „Küste in Schutt und Asche bomben“. Am Dienstag teilte das Militär mit, es habe Antischiffsraketenstellungen nahe der Straße von Hormus mit bunkerbrechender Munition angegriffen.

Trumps Kriegsziel, die iranische Marine zu vernichten, hatte er eigentlich für erledigt erklärt. Das Militär hat nach eigenen Angaben mehr als 60 Schiffe, mehr als 30 Minenleger und mehrere U-Boote getroffen. Trump betonte, dass Teheran ein Jahrzehnt brauchen werde, um das Militär wiederaufzubauen. Aber auch er gestand ein, dass es für Iran noch immer ein Leichtes sei, „ein oder zwei Drohnen loszuschicken, eine Mine abzuwerfen oder eine Kurzstreckenrakete irgendwo entlang dieser Wasserstraße oder in ihr abzufeuern“.

Ein israelischer Armeesprecher sagte, dass es noch „Tausende von Zielen“ gebe und man sich gemeinsam mit Washington auf eine noch wochenlange Operation vorbereitet habe. Zu hundert Prozent zerstört, wie Trump behauptete, ist Irans Militär offensichtlich noch nicht.

Source: faz.net