Der deutsche Mittelstand wird im Jahr 2026 auf 236 Auslandsmessen und damit auf 20 Messen weniger als noch im vergangenen Jahr mit einem Gemeinschaftsstand vertreten sein. Das teilte der Verband der deutschen Messewirtschaft Auma mit. Ein Grund für die rückläufige Präsenz von „German Pavilions“, auf denen sich mittelständische Unternehmen mit der Unterstützung des Bundes auf neuen Märkten präsentieren, sei die stagnierende Förderung von Gemeinschaftsbeteiligungen im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Wirtschaftsministeriums.
Der Verband, der das Auslandsmesseprogramm für die ausstellende deutsche Wirtschaft koordiniert, befürchtet einen schleichenden Abbau des Exportförderinstruments und warnt vor den Folgen für die Unternehmen. „Wir sind davon überzeugt, dass dieses Programm insbesondere für die mittelständischen Unternehmen einen Unterschied macht“, sagte Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier.
Die Messewirtschaft fordert schon länger eine Erhöhung der Mittel für das Auslandsmesseprogramm und verweist auf die nachgewiesenen Effekte für die Exportwirtschaft. Eine 2018 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im Auftrag des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle durchgeführte Kosten-Nutzen-Analyse kam zu dem Ergebnis, dass eine Million Euro, die für das Programm eingesetzt werden, 216 Millionen Euro zusätzlichen Exportumsatz für deutsche Unternehmen induzieren und rund 370 Arbeitsplätze schaffen oder sichern.
Effizientes Exportförderungsinstrument
Auch die Effizienz des Programms mit Verwaltungskosten in Höhe von vier Prozent des Gesamtetats wird in der Evaluierung der Wirtschaftsprüfer gelobt. „Vor dem Hintergrund, wie sich der internationale Handel entwickelt und wie es um unser Exportmodell in Summe steht, sollten wir so ein Programm priorisieren“, sagt Holtmeier.
In den Haushaltsverhandlungen für 2026 hat die Forderung des Auma wenig Niederschlag gefunden. Im laufenden Jahr sind 44 Millionen Euro im Haushalt des Bundeswirtschaftsministeriums für das Auslandsmesseprogramm eingestellt. Das ist zwar knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr, bewegt sich aber nur leicht über dem Niveau von 2016. „Wir hätten uns ein deutlicheres Zeichen dafür gewünscht, dass man die Außenwirtschaftsförderung ernst nimmt“, sagt Holtmeier.
Die Kosten von Messebeteiligungen im Ausland seien für die Unternehmen in den vergangenen Jahren um bis zu 40 Prozent gestiegen. Der Verband fordert eine Erhöhung der jährlichen Mittel für das Auslandsmesseprogramm auf mindestens 49 Millionen Euro, damit mittelständische Unternehmen sich trotz Preissteigerungen zumindest an einer stabilen Zahl von Gemeinschaftsständen auf Auslandsmessen beteiligen können.
Andere Länder stoßen in die Lücke
„Um neue Chancen zu nutzen, die sich zum Beispiel durch das Mercosur-Abkommen bieten, müsste man aber viel kraftvoller rangehen“, sagt Holtmeier. Ergreife die deutsche Exportwirtschaft ihre Möglichkeiten für Geschäftsanbahnungen und potentielle Abschlüsse in neuen Märkten nicht, würden Unternehmen aus anderen Ländern in die Lücke stoßen.
Der Bund trägt bei den im Rahmen des Auslandsmesseprogramms geförderten Gemeinschaftsständen die Hälfte der direkten Messekosten. Jährlich nehmen nach Angaben des Auma bis zu 5000 Unternehmen an dem Programm teil. Seit dem Start des Programms im Jahr 1949 konnten sich demnach mehr als 215.000 kleine und mittelständische Unternehmen Zugänge zu neuen Märkten erschließen.
Die meisten Gemeinschaftsstände wird der Bund im laufenden Jahr mit insgesamt 95 Beteiligungen in Asien fördern. In Nordamerika sind 34 German Pavilions vorgesehen. Im Nahen und Mittleren Osten sind 33 Gemeinschaftsbeteiligungen geplant. Am präsentesten werden die Gemeinschaftsstände in den USA, China, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Saudi-Arabien und Singapur sein.