Der Andrang auf der Anlegermesse Invest ist groß wie immer. Das Publikum ist bunt gemischt – so wie das Angebot der Aussteller. Am Stand der „Münze Österreich“ funkeln goldene Münzen und Barren im Schaukasten den Besuchern entgegen. Auch in Zeiten mit Aussicht auf höhere Zinsen scheinen Edelmetalle unter den Anlegern begehrt zu sein. Die Nachfrage sei weiterhin hoch, sagt Eric Stoklassa von der Münze Österreich. Als Hauptpublikum für Käufer nennt er die Mittelschicht, „die es schon zu einem gewissen Wohlstand geschafft“ habe.
Aber auch junge Erwachsene sind hier zu finden. Gold wirft keine Zinsen ab und ist im Irankrieg, im Gegensatz zu vielen anderen Kriegen und Krisen davor, alles andere als der sogenannte sichere Hafen. Seit dem Start der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran hatte der Kurs kräftig nachgegeben, nachdem die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) in den ersten Tagen des Krieges noch bis auf fast 5420 Dollar gestiegen war. Auch an anderen Ständen von Goldanbietern herrscht reger Betrieb.
Erstmals weitere Messehalle genutzt
Die Invest ist nach eigenen Angaben die größte Finanzmesse in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Sie biete 194 Ausstellern Platz, heißt es. Nachdem sie jahrelang auf Sparflamme veranstaltet wurde, hat sie sich in diesem Jahr vergrößert. Erstmals ist ein Teil einer weiteren Messehalle auf dem Stuttgarter Messegelände genutzt worden. Immer mehr rückt das Thema Finanzbildung in den Vordergrund. So manchem Fachmann auf der Bühne ist ein großes Sendungsbewusstsein anzumerken. Das Angebot auf der Messe ist recht vielfältig. Vieles dreht sich um das Thema Kryptowährungen, es wird aber auch für Solarparks als Anlageobjekt geworben, für Diamanten, Immobilien und Rohstoffe. Am Stand der Börse Wien werden Aktien von österreichischen Unternehmen angepriesen – vom Bauunternehmen Porr bis hin zum Logistikanbieter Österreichische Post AG oder dem Industrie- und Chemiekonzern Semperit AG.
Der Finanzfachmann der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, sieht das bunte Angebot auf der Messe kritisch: „Die Invest ist vor allem eine Vertriebsmesse für Produktanbieter. Entsprechend wird das Informationsangebot überwiegend von Akteuren mit eigenen Verkaufsinteressen geprägt. Risiken, Kosten und Interessenkonflikte bleiben strukturell unterbelichtet, weil sie dem Vertrieb entgegenstehen.“ Eine unabhängige Einordnung finde kaum statt. An dieser grundlegenden Kritik habe sich auch nach rund 25 Jahren wenig geändert – sie ergebe sich aus dem Wesen der Messe selbst: „Das benachteiligt Verbraucher, weil Marketing als Information erscheint. Als neutraler Orientierungspunkt für Anlageentscheidungen ist die Messe daher nur sehr eingeschränkt geeignet.“
Anleger reagieren besonnen auf die Turbulenzen
Lediglich einzelne Programmpunkte zielten tatsächlich auf unabhängige Informationen für eine selbstbestimmte Anlageentscheidung ab, sagt Nauhauser. Im Rahmenprogramm der Messe gibt es regelmäßig Angebote, die sich mit aktuellen Themen befassen: mit Aktienmärkten und Künstlicher Intelligenz oder der Frage „Wann lohnen sich Zertifikate – Fehler, Fragen & Fakten“. Insgesamt sind zur 25. Auflage nach Veranstalterangaben rund 14.000 Besucher gekommen. Dies seien 13 Prozent mehr gewesen als im Vorjahr, heißt es.
Die aktuell volatilen Märkte bescheren den Börsenplätzen rege Geschäfte. Der Manager Dragan Radanovic von der Gruppe Börse Stuttgart sagt, generell würden die Handelsaktivitäten mit erhöhter Volatilität zunehmen – mit Blick auf kurzfristige Chancen und das Begrenzen von Verlusten: „Aktuell agieren die Anleger sehr besonnen, es herrscht keine Panik an den Märkten: Wir sehen quer durch den Markt sowohl Käufe als auch Verkäufe.“ Als ein Beispiel nennt er strukturierte Wertpapiere.
Hier seien zuletzt Hebelprodukte rege gehandelt worden, wobei die starken Ausschläge sowohl die Chancen als auch die Risiken dieser Produkte erhöhten. Aktuell wie generell gelte: „Anleger sollten sich ihre persönliche Strategie zurechtlegen und diese konsequent verfolgen. Dazu gehört, wie viel Risiko man verträgt, welchen Betrag man investieren kann und in welchem Zeithorizont man sein Kapital benötigt.“
Es sind viele namhafte Banken mit von der Partie, so unter anderem der deutsche Ableger der Investmentbank Morgan Stanley. Aber auffällig ist in diesem Jahr schon, dass bis auf Consors fast kein anderer großer und bekannter Onlinebroker in Stuttgart vertreten ist. Auch Festgeld und Tagesgeld werden beworben.
Die Bigbank mit Sitz in Estland versucht mit 3,25 Prozent auf vier Monate Neukunden anzulocken. An einem Gemeinschaftsstand der lettischen Wirtschaftsförderung macht die Investmentplattform Mintos auf sich aufmerksam. Sie verwaltet eigenen Angaben zufolge mehr als 800 Millionen Euro Vermögen in Europa und will verstärkt in Deutschland Fuß fassen. Sprecher Matthias Thönnessen sagt, Zielgruppe seien Anleger, die schon Investmenterfahrung in Rohstoffen, Aktien oder ETF hätten.
Mintos bietet seinen Kunden sechs unterschiedliche Anlageklassen an. Das reicht von der Investition in Kredite bis hin zu Immobilien. „Deutschland ist für uns der größte Markt“, sagt Thönnessen. Anleger seien vor allem Männer im Alter zwischen 35 und 50 Jahren. Im laufenden Jahr soll noch der Handel mit Aktien und ETF angeboten werden.
Source: faz.net