„Menschliche Schutzschilde“: Kreml professionalisiert Rekrutierungen in Afrika pro Ukraine-Krieg

„Menschliche Schutzschilde“Kreml professionalisiert Rekrutierungen in Afrika für Ukraine-Krieg

11.03.2026, 09:36 Uhr

Russische Rekruten bei einer Zeremonie in Moskau. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Der Bedarf an Soldaten für Russlands Krieg in der Ukraine ist immens. Berichten zufolge werden vermehrt Söldner aus Afrika als „Kanonenfutter“ missbraucht. Sie seien mit falschen Versprechen angelockt worden. Nun soll die Anwerbung offenbar nicht mehr über dubiose Kanäle laufen.

Der Kreml hat seine Vorgehensweise bei der Rekrutierung von afrikanischen Söldnern für die russische Armee zur Teilnahme am Krieg gegen die Ukraine geändert. Die Anwerbung ausländischer Kämpfer erfolgt nun systematisch, teilt das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation (CCD) beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine in einem Post auf Facebook mit.

Demnach erfolgte die Rekrutierung von afrikanischen Söldnern bisher hauptsächlich über halblegale Strukturen und inoffizielle Kanäle, darunter geschlossene Gruppen in Messenger-Apps, Tarnfirmen und Arbeitsvermittler. Mittlerweile werde die Rolle der Rekrutierungszentren zunehmend jedoch von diplomatischen und kulturellen Vertretungen der Russischen Föderation auf dem Kontinent übernommen. Nach den vorliegenden Daten seien bereits mehr als 1400 Bürger afrikanischer Länder identifiziert worden, die auf russischer Seite im Ukraine-Krieg gekämpft haben.

Ein Großteil der afrikanischen Kämpfer sei weniger als einen Monat nach ihrer Ankunft an der Front ums Leben gekommen. Der Tod von mindestens 316 Personen sei bestätigt worden. Viele von ihnen seien bei der Anwerbung getäuscht worden, da ihnen eine Arbeit im zivilen Bereich versprochen wurde, heißt es im Bericht des CCD weiter. Das CCD beruft sich in seinen Ausführungen auf das Robert Lansing Institute, einer US-Denkfabrik mit Sitz in Dover, Delaware, die hybride Kriegsführung, geopolitische Entwicklungen und Desinformation in Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten analysiert.

Zuvor hatte der ghanaische Außenminister Samuel Okudzeto Ablakwa bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Andriy Sibiga in Kiew erklärt, dass die Afrikaner, „die in diesen Krieg geraten sind, nicht von einer afrikanischen Regierung entsandt wurden.“ Es handele sich dabei um Opfer krimineller Netzwerke, die vom Darknet angelockt worden seien, so der Minister. Den Afrikanern würden anständige Arbeitsplätze angeboten, aber sie würden an die vorderste Front auf dem Schlachtfeld geschickt.

Auch Kenia hatte schwere Vorwürfe gegen Moskau erhoben. Kenias Vize-Außenminister Korir Sing’Oei war dem Kreml Anfang Februar vor, kenianische Staatsbürger nach Russland zu locken und als „Kanonenfutter“ an die ukrainische Front zu schicken.

Tausende Söldner kämpfen an der Front

Bis zu 20.000 ausländische Kämpfer aus mehr als 100 Ländern sollen in der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine kämpfen, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf Schätzungen von Experten. Demnach kommen die Söldner vor allem aus Weltgegenden, die von Armut und Konflikten geprägt sind.

Darunter seien viele afrikanische Länder sowie Syrien, Irak, Kolumbien, Kuba, Indien, Nepal, Bangladesch und China. Die ausländischen Kämpfer seien oft diejenigen, die vorgeschickt werden, wenn die Russen ein Gebiet erobern wollen. „Ausländische Söldner dienen als menschlicher Schutzschild“, wird ein Insider zitiert.

Die Verluste der Russen in den eigenen Reihen sollen hoch sein. Seit Beginn seines umfassenden Einmarsches am 24. Februar 2022 in der Ukraine soll Russland rund 1,27 Millionen Soldaten verloren haben, wie der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte in den sozialen Medien mitteilt. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Westliche Beobachter halten die Zahlen Kiews zu den russischen Verlusten in der Regel für übertrieben, aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Der Kreml macht keine Angaben zu eigenen Verlusten. Auch der ukrainische Generalstab legt seine eigenen Verluste unter Berufung auf operative Geheimhaltung bisher nicht offen. Unabhängige westliche Denkfabriken bestätigen in ihren Berichten, dass die russischen Verluste die ukrainischen deutlich übersteigen: Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt das Verhältnis auf „etwa 2,5:1 oder 2:1“.

Quelle: ntv.de, gut

Source: n-tv.de