Im Berliner Büro des Psychiaters Hans-Ludwig Kröber hängt das Foto eines amerikanischen Verbrechers. Ein junger Mann, der frontal aufgenommen wurde: schmales Gesicht, dünne Lippen und ein verschlossener Blick. Er hält ein Schild mit der Aufschrift „Boston Police“. Man könnte diesen Mann als gut aussehend bezeichnen – oder als unheimlich. Kröber erkennt in dem Gesicht Kälte und Härte. Er sagt, der Mann trage eine Maske, er versuche, „cool“ zu wirken. Ein letztes Aufbegehren gegen die Macht der Polizei im Augenblick der Aufnahme. Kröber sieht aber noch etwas anderes: Unglück. Was der Mann getan hat? „Gemordet, geraubt“, sagt Kröber, so genau wisse er es nicht. Auf seinem Tisch stapeln sich Akten, in jeder verbirgt sich die Lebensgeschichte eines Täters.
Source: faz.net