Die Sorgen der Jugend wachsen. Besonders um die Zukunft von Deutschland hat die Zuversicht von jungen Menschen drastisch abgenommen. Das zeigt eine Studie der Krankenkasse Barmer. Besonders stark hat die Sorge um den Standort Deutschland zugenommen.
Die Welt wirkt unsicherer denn je – zumindest aus der Sicht vieler Jugendlicher. Kriege, Krisen und zunehmender politischer Extremismus haben die Sorgen junger Menschen um die Zukunft der Welt und Deutschlands deutlich getrübt. Und doch: Gefragt nach ihrer persönlichen Zukunft blicken Jugendliche unverändert optimistisch in die Zukunft.
Jedes Jahr befragt die Krankenkasse Barmer im Zug der Sinus-Jugendstudie bundesweit rund 2000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu aktuellen Themen. Die Ergebnisse der aktuellen und repräsentativen Studie, die im vergangenen Herbst durchgeführt wurde, zeigt, dass die Sorgen der Jugendlichen abermals zugenommen haben.
So gaben 56 Prozent der befragten Jugendlichen an, „eher pessimistisch“ auf die Zukunft der Welt zu schauen. 2021, ein Jahr vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, lag dieser Wert noch bei 49 Prozent. Optimistisch, was die Zukunft der Welt angeht, äußern sich nur 36 Prozent der Befragten. 2021 lag dieser Wert bei 44 Prozent.
Die formal Niedriggebildeten in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen sind dabei am positivsten gestimmt. 44 Prozent dieser Gruppe gaben an, optimistisch auf die Zukunft der Welt zu blicken. 11 Prozent gaben an, in diesem Bereich „sehr optimistisch“ eingestellt zu sein.
Mädchen blicken dabei pessimistischer auf die Zukunft der Welt als Jungen. Im Durchschnitt antworten sie auf die Frage nach der Zukunft der Welt im Schnitt fünf Prozentpunkte pessimistischer als Jungen. Auch Altersunterschiede sind festzustellen: Die 16- bis 17-Jährigen sind pessimistischer eingestellt als die 14- bis 15-Jährigen.
Besonders stark hat laut der Umfrage die Sorge um den Standort Deutschland zugenommen. Eine Mehrheit von 56 Prozent der Jugendlichen gab an, nicht optimistisch in die Zukunft Deutschlands zu blicken. Acht Prozent davon sind sogar ganz und gar nicht optimistisch.
Sorgen um Deutschland
Die Skepsis um die Zukunft von Deutschland hat dabei in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Im Jahr 2021 gaben 62 Prozent der Jugendlichen an, optimistisch in die Zukunft Deutschlands zu blicken. In der aktuellen Befragung ist dieser Wert um 18 Prozentpunkte auf 44 Prozent zurückgegangen. In der Frage zur Zukunft Deutschlands zeigen sich dabei auch die formal Niedriggebildeten nicht optimistischer als der Rest. Alle soziodemografischen Gruppen sind in dieser Frage mehrheitlich pessimistisch gestimmt.
Trotz der sinkenden Zuversicht auf die Lage Deutschlands und der Welt bewerten Jugendliche ihre eigene Zukunft größtenteils optimistisch. So gaben 80 Prozent der befragten Jugendlichen an, optimistisch in die eigene Zukunft zu blicken. 20 Prozent der Befragten zeichnen hingegen ein negatives Bild der eigenen Zukunft. Vier Fünftel der Jugendlichen vertrauen somit weiterhin darauf, dass sie ihre persönlichen Ziele erreichen werden. Dieser Wert ist seit dem Jahr 2021, trotz des Ukraine-Kriegs, weitgehend konstant geblieben. Auch hängt dieser Wert nicht mit dem Geschlecht zusammen und kaum mit dem Bildungsgrad.
„Jugendliche trennen offenbar zwischen einer unsicheren und schwer beeinflussbaren Welt und ihrer eigenen Zukunft. Diese können sie selbst in die Hand nehmen und gestalten“, kommentiert Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, die bemerkenswerte Abweichung zwischen allgemeiner und persönlicher Zukunftseinschätzung. „Es ist zu hoffen, dass dieser persönliche Zukunftsoptimismus trotz der bundesweiten und globalen Herausforderungen nicht abnimmt“, so Straub.
Großen Sorgen bereiten der Jugend dabei die Arbeitsplatzsuche (23 Prozent) und die Ausbildung (18 Prozent). Eine der größten Sorgen der Befragten sind Kriege. Diese bereiten 63 Prozent der Befragten große Bedenken. Gegenüber 2023 ist dieser Wert um 10 Prozentpunkte gestiegen.
Ebenfalls große Ängste bereitet Jugendlichen der Klimawandel. 44 Prozent geben an, dass dieser ihnen große Sorgen mache. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 41 Prozent. Allerdings waren die Sorgen wegen des Klimawandels früher noch ausgeprägter. So gaben im Jahr 2021 47 Prozent der Jugendlichen an, dass ihnen dieser große Sorge bereite. Ähnlich große Ängste bereitet Jugendlichen die Umweltverschmutzung und politischer Populismus und Extremismus. Jeweils 43 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen diese Themen große Sorgen bereiten würden.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.
Source: welt.de