Mehrere Hundert Tote: Taliban werfen Pakistan Angriff hinaus Klinik vor

Mehrere Hundert ToteTaliban werfen Pakistan Angriff auf Klinik vor

17.03.2026, 03:51 Uhr

Luftabwehr über Kabul. Die Angriffe in Afghanistans Hauptstadt hätten militärischen Zielen gegolten, sagt Pakistan. (Foto: AA, REUTERS, Sayed Hassib)

Während die Welt auf den Iran-Krieg blickt, spitzt sich auch die Lage in den Nachbarländern zu: Pakistan führt laut eigenen Angaben inzwischen einen „offenen Krieg“ gegen Afghanistan. Jetzt soll es einen verheerenden Angriff auf eine Klinik gegeben haben.

Das pakistanische Militär hat erneut Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen. Bei dem Angriff auf eine Entzugsklinik für Drogenabhängige seien 400 Menschen getötet worden, etwa 250 weitere seien verletzt worden, schrieb der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat auf X. Pakistan wies die Darstellung zurück.

Das pakistanische Informationsministerium erklärte auf X, es habe Angriffe auf militärische Einrichtungen, Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen sowie Ausrüstungs- und Munitionslager in Kabul sowie in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes gegeben. Die Angriffe würden „präzise“ durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden, hieß es.

Die nach afghanischen Angaben in Kabul getroffene Klinik soll über 2000 Betten verfügen. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich auf X „bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer“. Fernsehbilder des afghanischen Fernsehsenders Tolonews zeigten nach den Angriffen weiträumige Feuer- und Rauchsäulen und große Menschenmengen bei Bergungsarbeiten in zerstörten Anlagen.

Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) Tote und Verletzte. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte Unama damals mit. Afghanistan wiederum hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad.

Taliban wollen von Diplomatie nichts mehr wissen

Bereits im vergangenen Herbst war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Ein nachhaltiger Frieden konnte bei verschiedenen Gesprächsrunden nicht erreicht werden. Islamabad wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen wie der pakistanischen Taliban-Gruppe TTP Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück. 

Die jüngste Eskalation des Konflikts folgte auf pakistanische Luftangriffe am 22. Februar in zwei afghanischen Provinzen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar von einem „offenen Krieg“. Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die – militärisch unterlegenen – Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich das ändern. Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, sagte dem Sender Tolonews nach den jüngsten Angriffen auf Kabul, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen, sagte er. 

Bereits im vergangenen Oktober waren bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet worden. Die beiden Nachbarländer vereinbarten unter Vermittlung Katars und der Türkei zwar eine Waffenruhe. Sie konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

Source: n-tv.de