Mehr wie 100 Tote in drei Tagen: Italiens Küstenwache birgt Leichen von 19 Geflüchteten

Mehr als 100 Tote in drei TagenItaliens Küstenwache birgt Leichen von 19 Geflüchteten

02.04.2026, 13:41 Uhr

Trotz des großen Risikos wagen jeden Monat Tausende die Flucht nach Europa übers Mittelmeer. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Fahrt über das Mittelmeer ist die tödlichste Fluchtroute weltweit. Auch in dieser Woche kommt es dort zu mehreren Katastrophen, zahlreiche Geflüchtete sterben.

Die italienische Küstenwache hat die Leichen von 19 Geflüchteten aus dem Mittelmeer geborgen. 58 Personen wurden gerettet, sie hatten sich auf einem havarierten Boot befunden. Sie wurden auf die Insel Lampedusa gebracht, unter ihnen waren 5 Kinder. Die Opfer der Havarie starben vermutlich an Unterkühlung, teilten die Internationale Organisation für Migration und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit. 3 weitere Insassen werden noch vermisst.

Das Boot war Behördenangaben zufolge am 30. März im westlibyschen Abu Kammasch gestartet. An Bord waren demnach Menschen aus dem Sudan, Sierra Leone, Gambia, Nigeria, Ghana, Äthiopien und dem Südsudan.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch sprach von einer erschreckenden Zunahme der Todesfälle auf See. „Die Situation ist furchtbar: Menschen treiben tagelang ohne jede Hilfe auf dem Meer“, erklärte die Organisation. Allein in den vergangenen drei Tagen seien Schätzungen zufolge mindestens 104 Menschen im Mittelmeer ums Leben gekommen. Dazu zählten auch 18 Personen, die am Mittwoch beim Untergang ihres Schlauchboots vor der westlichen Küste der Türkei ertranken.

Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration steigt die Zahl der bekannten Todesfälle im zentralen Mittelmeer in diesem Jahr damit auf 643 – einer der höchsten Werte seit 2014. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Ankömmlinge das dritte Jahr in Folge. Nach aktuellen Daten des italienischen Innenministeriums erreichten in diesem Jahr bislang 6117 Geflüchtete das Land auf dem Seeweg. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 9000, in den ersten drei Monaten des Jahres 2024 rund 11.500.

Italien und EU stehen in der Kritik

Der Weg über das Mittelmeer ist die tödlichste Fluchtroute weltweit. Immer wieder gibt es Berichte über sogenannte Push-Backs durch EU-Staaten. Dabei werden Schutzsuchende völkerrechtswidrig abgewiesen oder zurückgedrängt. Das erklärte der Europäische Gerichtshof im Jahr 2012 im Grundsatz für illegal.

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro-Asyl kritisiert ein koordiniertes Vorgehen von italienischen und libyschen Küstenwachen. Neben Push-Backs würden so genannte Pull-Backs organisiert. Gesichtete Flüchtlingsboote würden dabei an die libysche Küstenwache gemeldet, diese spüre die Boote auf und schaffe die Flüchtlinge zurück nach Libyen. Die Menschenrechtslage in dem nordafrikanischen Land beschreiben NGOs als katastrophal. Viele Geflüchtete verschwänden dort in Gefängnissen, in denen Folter, Vergewaltigung und Tötungen auf der Tagesordnung stünden, so Pro-Asyl.

Quelle: ntv.de, pte/rts/AFP

Source: n-tv.de