Mehr Spender, hingegen Zahl an Organspenden reicht zwischen Weitem nicht aus

Stand: 11.03.2026 • 15:47 Uhr

Hoffen auf ein neues Leben: Zwar steigt die Zahl an Organspendern in Deutschland, doch die Zahl reicht bei Weitem nicht aus. Mehr als 8.000 Menschen warten bundesweit auf ein Spenderorgan.

Im vergangenen Jahr haben mehr Menschen nach ihrem Tod mindestens ein Organ an eine Person in Not gespendet. Doch deutschlandweit warten mehr als 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 3.000 Organe hätten laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) transplantiert werden können, doch auf der Warteliste stünden etwa 8.200 Menschen.

Im Jahresvergleich hätten 985 Menschen ein oder mehrere Organe gespendet. Das sei zwar ein leichter Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber 2024, reiche aber bei Weitem nicht aus, sagt Ana Paula Barreiros, Geschäftsführende Ärztin der Region Mitte der DSO. Die gespendeten Organe eines Menschen könnten rein rechnerisch sieben Leben retten.

Briefe an Hinterbliebene

In Briefen können Angehörige und Empfänger ihre Erfahrungen und Gefühle teilen. Die DSO leitet diese von Hinterbliebenen und von Empfängern weiter. Die Preisgabe der Identität zwischen Spenderfamilien und Empfängern ist in Deutschland gesetzlich verboten. Allerdings gibt es seit 2019 die Möglichkeit, anonymisierte Dankesschreiben zu verfassen.

Lea Jantschke, deren Mutter an einem Aneurysma starb, erhielt rund um den ersten Todestag einen solchen Dankesbrief. „Es war ein ganz, ganz toller Moment und ich bin unfassbar dankbar, dass wir diesen Brief damals bekommen haben.“ Es sei wie ein Gruß ihrer Mutter gewesen. Immer noch stehe sie mit dem Nieren-Empfänger in regelmäßigem Kontakt. Die Briefe seien über die Jahre persönlicher und länger geworden. Beide Seiten kennen sich trotzdem nicht namentlich.

Organspende vor dem eigenen Tod klären

Die Entscheidung, Organe eines im Sterben liegenden Angehörigen für eine Transplantation freizugeben, kann Leben retten, fällt aber oft in einer emotionalen Ausnahmesituation. Die Organisation ruft dazu auf, sich zu Lebzeiten mit der Frage zu beschäftigen, ob man Organe spenden will oder nicht – und dies zu dokumentieren, beispielsweise mit einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung. Andernfalls würden im Todesfall die Angehörigen mit der Frage konfrontiert, was häufig eine zusätzliche Belastung sei.

Widerspruchsregelung einführen?

Die hessische Gesundheitsstaatssekretärin Sonja Optendrenk (CDU) unterstrich die Forderung des Bundeslandes nach einer Änderung der Gesetzeslage. Die Einführung der Widerspruchsregelung in Deutschland würde dazu beitragen, dass sich Menschen mit dem Thema auseinandersetzten. In dem Fall wäre die Organspende der Normalfall, es sei denn, man widerspricht.

Source: tagesschau.de