Mehr Baugenehmigungen: Gibt es Hoffnung zum Besten von den Wohnungsbau?

Stand: 18.02.2026 12:16 Uhr

Hoffnungsschimmer für den kriselnden deutschen Wohnungsbau: Nach drei Jahren mit rückläufigen Zahlen genehmigten die Behörden im vergangenen Jahr wieder mehr neue Wohnungen. Doch reicht das aus?

Im vergangenen Jahr sind wieder mehr neue Wohnungen in Deutschland genehmigt worden. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor. Demnach wurden 2025 insgesamt 238.500 neue Wohnungen und Häuser genehmigt. Das ist ein Plus von 10,8 Prozent zum Vorjahr. 2024 gab es jedoch den niedrigsten Stand seit 2010.

Erstmals seit 2021 ist damit die Zahl der Genehmigungen für Neubau und Umbau von Wohnraum wieder gestiegen. Besonders stark zog die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser an: Sie legte um 17,2 Prozent auf 44.500 zu. Die Zahl der Zweifamilienhäuser blieb mit 12.600 auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres.

Die Behörden genehmigten 12,1 Prozent mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern – insgesamt 13.900. Der Anstieg zeigte sich laut Statistik ab der zweiten Jahreshälfte.

Ministerin sieht „Trendwende“

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wertet dies als Beleg dafür, „dass die Trendwende im Wohnungsbau begonnen hat“. Insbesondere das zweite Halbjahr mit einem Plus von 17,8 Prozent unterstreiche, „dass sich im Wohnungsbau vieles in die richtige Richtung bewegt“, erklärte die Ministerin. Die Stimmung in der Branche habe sich verbessert, auch stiegen die Investitionen. „Das ist auch das Ergebnis klarer politischer Entscheidungen.“

Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes bewertete den Trend positiv. „Bauherren und Investoren fassen wieder etwas Vertrauen. Der Negativtrend ist gebrochen“, sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Allerdings weisen Branchenvertreter darauf hin, dass mehr Baugenehmigungen nicht automatisch bedeuten, dass auch mehr gebaut wird. Die Regierung müsse sich daran messen lassen, wie viele neue Häuser und Wohnungen tatsächlich fertiggestellt werden.

Außerdem werden viel mehr neue Wohnungen in Deutschland gebraucht. „Im vergangenen Jahr wurden nach unserer Einschätzung nur rund 225.000 Wohnungen fertiggestellt, während wir jährlich mindestens 100.000 Wohnungen mehr bräuchten“, so Pakleppa. „Noch immer bleibt der Wohnungsbau hinter dem Bedarf zurück.“

„Weit davon entfernt, die Schieflage zu lösen“

Deutschland schiebe ein riesiges Defizit vor sich her, was den Wohnungsmarkt in den Städten unter enormen Druck setze. „Und 2026 wird nicht besser: Die Fertigstellungszahlen werden weiter sinken, weil eine genehmigte Wohnung erst in zwei bis drei Jahren fertig ist“, so Pakleppa. Förderungen sollten deshalb langfristig verstetigt werden, damit Bauwillige besser planen können. „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch weit davon entfernt, die Schieflage am Markt zu lösen.“

Ähnlich äußerte sich der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. „Wir dürfen uns nichts vormachen“, erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko. „Gerade in den Großstädten bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch.“

Dirk Wohltorf vom Immobilienverband Deutschland IVD sprach von einer „Dauerkrise“ des Wohnungsbaus. Nötig seien neben schnelleren Genehmigungsverfahren auch „einfachere bauliche Mindeststandards“ und eine „spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben“, forderte er. „In Baugenehmigungen kann man nicht wohnen.“

„Bau-Turbo“ soll schnellere Genehmigungen ermöglichen

Nach Schätzungen der Immobilienbranche werden im laufenden Jahr ungefähr 215.000 Wohnungen fertiggestellt. Das wären etwa 20.000 weniger als 2025 und insgesamt deutlich weniger als benötigt.

Seit Jahren ist bezahlbarer Wohnraum vor allem in Ballungsräumen knapp. In Städten wie München, Frankfurt oder Berlin, aber auch in anderen Regionen sind die Kosten fürs Wohnen für viele Menschen eine erhebliche Last.

Mehr neue Wohnungen sind ein erklärtes Ziel der schwarz-roten Bundesregierung. Sie will mit einem „Bau-Turbo“ den schleppenden Wohnungsbau über schnellere Genehmigungen voranbringen. Doch die meisten Hochbau-Unternehmen rechnen erst für die Jahre 2027 und 2028 mit spürbaren Effekten.

Source: tagesschau.de