Es wird immer verrückter: Das Megaprojekt Stuttgart 21 der Deutschen Bahn verzögert sich offenbar weiter. Der neue Bahnhof wäre damit mindestens elf Jahre in Verzug. Die Gründe.
„Die komplette Inbetriebnahme wird nicht vor 2030 sein, ganz vielleicht eine Teileröffnung im Tiefbahnhof schon 2029.“ Diesen Satz mit Sprengkraft haben mehrere Bahninsider dem Südwestrundfunk (SWR) gesagt. Die Fertigstellung des Prestige- und Milliardenprojekts war bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 für 2019 vorgesehen.
Der Termin wurde seither mehrfach nach hinten verschoben, zuletzt im vergangenen November auf 2027. Auch die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet über die erneute Verspätung. 2030 ist demnach nur ein vorläufiger „Wasserstand“.
Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte der Nachrichtenagentur DPA: „Zu den genannten Spekulationen äußern wir uns nicht.“ Es bleibe dabei, dass man beauftragt sei, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept zu erarbeiten.
Stuttgart 21 soll Bahnverkehr im Südwesten umkrempeln
Gründe für die erneute Verzögerung sind laut SWR deutlich längere Testläufe, fehlendes Abnahmepersonal sowie fehlerhaft und falsch verbaute technische Anlagen – und vor allem der Stopp von Digitalisierungsprojekten seitens der Deutschen Bahn.
Auch die Kosten für das Projekt haben sich über die Jahre steil nach oben entwickelt. In dem Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 ist nur die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. In jüngster Vergangenheit bezifferte die Bahn die derzeitigen Kosten auf rund 11 Milliarden Euro, eingeplant ist zudem ein Puffer von 500 Millionen Euro.
In einer Sitzung des Lenkungskreises informierte die Bahn im vergangenen Jahr die Projektpartner darüber, dass sich die Kosten inzwischen auf rund 11,3 Milliarden Euro summierten. Wer die Mehrkosten übernehmen muss, ist strittig.
Herzstück ist unterirdischer Hauptbahnhof
Das Projekt Stuttgart 21 steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe – etwa ein neuer Fernbahnhof am Flughafen –, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, Durchlässe sowie Brücken.
Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm schließt neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm ein. Herzstück von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird.
DPA
wue
Source: stern.de