Massnahmen gegen Ölkrise: Energieagentur rät zu Tempolimit und mehr Homeoffice

Die Internationale Energieagentur (IEA) rät angesichts der durch den Irankrieg verursachten Öl- und Gaskrise zu einschneidenden Maßnahmen auf der Nachfrageseite. Deren möglichst breite Umsetzung würde ihre globale Wirkung verstärken und dazu beitragen, den Schock abzufedern. Die am Freitag vorgestellten Maßnahmen konzentrieren sich in erster Linie auf den Straßenverkehr, der rund 45 Prozent des globalen Ölverbrauchs ausmache.

Konkret rät die in Paris ansässige, an die Industrieländerorganisation OECD angedockte IEA unter anderem zu mehr Homeoffice und niedrigeren Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen. „Auf nationaler Ebene könnten drei zusätzliche Homeofficetage für diejenigen, deren Beruf dies zulässt, den Ölverbrauch von Autos um zwei bis sechs Prozent senken“, schreibt die IEA. Mit einem um zehn Kilometer pro Stunde reduzierten Tempolimit ließe sich der Gesamtölverbrauch von Privatfahrzeugen wiederum um ein bis sechs Prozent senken.

Auch zur stärkeren Förderung von Bus und Bahn rät die IEA. Dies könne den nationalen Ölverbrauch von Autos um ein bis drei Prozent senken. Weitere Einsparungen im Umfang von einem bis fünf Prozent seien durch Kennzeichenrotationen in Großstädten möglich, wenn man also täglich abwechselnd nur Autos mit geraden oder ungeraden Zahlen die Zufahrt erlaubt. Weil dann insgesamt auch weniger Fahrzeuge auf den Straßen wären, würde das genauso wie mehr Homeoffice und Umstieg auf Bus und Bahn Staus und kraftstoffintensives Stop-and-Go-Fahren vermeiden helfen.

Wechsel von Flüssiggas auf Benzin

Das gilt auch für die fünfte empfohlene Sofortmaßnahme, die Förderung von Carsharing. In Kombination mit Maßnahmen für umweltbewusstes Fahren, darunter die Überprüfung des Reifendrucks, die Anpassung der Klimaanlageneinstellungen und effizientes Fahren, lasse sich der Kraftstoffverbrauch von Autos damit sogar um fünf bis acht Prozent senken.

In eine ähnliche Richtung geht der Rat zur effizienteren Fahrweise für Nutzfahrzeuge und Gütertransport inklusive regelmäßiger Reifendruckkontrollen, reduziertem Leerlauf sowie weniger Brems- und Beschleunigungsvorgänge. In Verbindung mit betrieblichen Verbesserungen wie der Optimierung der Fahrzeugbeladung lasse sich der Kraftstoffbedarf von Nutzfahrzeugen auf diese Weise um drei bis fünf Prozent senken, schreibt die IEA.

Daneben rät sie zum Wechsel von Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG), mit dem rund zwei Prozent der globalen Fahrzeugflotte fahren, auf Benzin. So ließen sich die Vorräte für vorrangige Verwendungszwecke wie das Kochen schonen. Wo möglich, sollte man aber auch nicht mit LPG kochen und etwa auf elektrische Lösungen umsteigen.

Von „breit angelegten Subventionen“ rät die IEA ab

Auch die Industrie sollte ihren LPG-Verbrauch reduzieren und zudem „kurzfristige Effizienz- und Wartungsmaßnahmen“ umsetzen. „Die Optimierung des Anlagenbetriebs und der Wartung kann den Ölverbrauch in einzelnen Anlagen um bis zu fünf Prozent senken“, so die IEA. Zehnte und letzte empfohlene Sofortmaßnahme ist der Verzicht auf Flugreisen. „Eine Reduzierung der Geschäftsflüge um rund 40 Prozent ist kurzfristig machbar und könnte bei sehr hoher Beteiligung an Kampagnen zur Reduzierung von Geschäftsflügen den Bedarf an Flugbenzin um sieben bis 15 Prozent senken“, zeigt sich die Energieagentur überzeugt.

„Der Krieg im Nahen Osten führt zu einer schweren Energiekrise, einschließlich der größten Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, bekräftigte am Freitag IEA-Chef Fatih Birol. Ohne eine rasche Lösung würden die Auswirkungen auf die Energiemärkte und Volkswirtschaften immer schwerwiegender werden. Die Wiederherstellung des Transits durch die Straße von Hormus bleibt für die Stabilisierung der globalen Energiemärkte unerlässlich, mahnt die IEA, deren 32 Mitglieder jüngst strategische Ölreserven im Rekordumfang von 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) freigegeben haben.

Maßnahmen auf der Angebotsseite allein könnten das Ausmaß der Versorgungsstörung jedoch nicht vollständig ausgleichen. Die Steuerung der Nachfrage sei deshalb „ein entscheidendes und unmittelbares Instrument, um den Druck auf die Verbraucher zu verringern“. So bleibe Energie bezahlbar und würde die Energiesicherheit gestärkt. Von „breit angelegten Subventionen“ rät die IEA ab. „Erfahrungen aus früheren Krisen zeigen, dass gezielte Unterstützungsmechanismen wirksamer und finanziell nachhaltiger sind“, betont sie.

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