Investor Carsten Maschmeyer sieht Deutschland zu einem „Industriemuseum“ absteigen. Sein Rezept dagegen: Ein Jahr, in dem Menschen, jung wie alt, ihre Ideen ausprobieren können – abgesichert mit Grundeinkommen und Sozialversicherung.
Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise in Deutschland hat Investor Carsten Maschmeyer ein staatlich gefördertes „Experimentierjahr“ vorgeschlagen. „Wir werden zu einem Industriemuseum, wenn wir so weitermachen. Wir brauchen das neue Siemens, wir brauchen das neue SAP“, sagte er im Interview mit „T-Online“. Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, „eine Idee auszuprobieren, ohne großes wirtschaftliches Risiko auf sich zu nehmen und sich verschulden zu müssen“. Entscheidend sei, Freiräume zu schaffen, in denen Innovation entstehen könne.
Konkret schlägt Maschmeyer vor, Teilnehmern für einen begrenzten Zeitraum „eine Art Grundeinkommen“ zu zahlen, sodass „Miete, Essen und das Nötigste abgesichert sind“. „Und, entscheidend, sie müssen sozialversichert sein.“ In dieser Phase könnten sie erproben, „ob ihre Idee überhaupt trägt“ und ob sie „mental für Selbstständigkeit oder Unternehmertum geeignet“ seien. Das sei etwas grundlegend anderes als ein Angestelltenverhältnis.
Zugleich betonte Maschmeyer, dass ein „Experimentierjahr“ auch Risiken berge. „Natürlich wird es Missbrauch geben“, sagte er. Auch würden zahlreiche Vorhaben scheitern, insbesondere in frühen Phasen. Dennoch entstünden „aus solchen Freiräumen die wirklich großen Innovationen“.
Maschmeyer: Das „rechnet sich volkswirtschaftlich“
Die Kosten für das Konzept beziffert er auf „rund acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr“. Dennoch könne sich das Modell lohnen: „Doch wenn aus je zehn Versuchen eine erfolgreiche Gründung hervorgeht, rechnet sich das volkswirtschaftlich.“
Der Investor erklärt: „Es geht darum, Ideen unter realen Bedingungen zu prüfen.“ Wenn eine Idee tragfähig sei, müsse es „auch um die Finanzierung und letztlich die Gründung eines Unternehmens gehen“, so der Investor. „Helfen kann hier ein breites Netzwerk aus Investoren. Ich stelle meine Kontakte sehr gerne zur Verfügung und denke, dass sich andere Investoren und Venture-Capitalists finden, die mitmachen würden.“
Der Staat solle dabei „eher ermöglichen als kontrollieren“ und nur den Rahmen setzen, ohne sich in operative Entscheidungen einzumischen. „Wenn er am Ende wirtschaftlich beteiligt sein will, kann man darüber reden, aber nur als stiller Gesellschafter.“
Maschmeyer will das „Experimentierjahr“ altersunabhängig konzipieren. „Und ich bin ausdrücklich dafür, dass auch Beamte das nutzen können. Deshalb braucht es Rückkehrsicherheit, ähnlich wie bei der Elternzeit.“
coh
Source: welt.de