Gegen den Spitzenkandidaten der AfD in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, gibt es neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Das Portal The Pioneer berichtet, dass die Ehefrau Frohnmaiers in den vergangenen zwölf Monaten Arbeitsverträge bei drei AfD-Bundestagsabgeordneten hatte. Das bestätigten Frohnmaiers Anwälte auf Anfrage des Portals.
Demnach war die Ehefrau in den Büros der AfD-Abgeordneten Achim Köhler, Alexander Arpaschi und Johann Martel beschäftigt. Alle drei kommen aus dem Landesverband Baden-Württemberg, so wie Frohnmaier. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass seine Ehefrau einen Arbeitsvertrag beim AfD-Abgeordneten Johann Martel hatte. Die Anwälte sagten The Pioneer: „Unsere Mandantin Frau Frohnmaier war
zu Beginn der Legislaturperiode bei der Arbeitsgemeinschaft der von
Ihnen genannten Abgeordneten kurzzeitig, für zwei Monate, beschäftigt.“
Nach zwei Monaten sei sie zu einer alleinigen Beschäftigung beim Abgeordneten MdB Martel gewechselt, weil es „eine Fehleinschätzung bezüglich des tatsächlich benötigten Arbeitsumfanges“ gegeben habe. „Der Bedarf der einzelnen Abgeordneten konnte in einer gemeinsamen Beschäftigung nicht abgedeckt werden. Unsere Mandantin Frau Frohnmaier ist für ihre berufliche Tätigkeit befähigt und kommt dieser selbstverständlich auch nach.“
Das Portal t-online berichtet zudem, dass der Vater von Markus Frohnmaier im Jahr 2025 einen Vertrag bei der
AfD-Abgeordneten Diana Zimmer hatte. Zimmer ist zugleich Frohnmaiers
Wahlkampfmanagerin, sie kommt ebenfalls aus dem Landesverband Baden-Württemberg.
Frohnmaier nennt Berichte „Anti-AfD-Kampagne“
Markus Frohnmaier selbst bestätigte die Berichte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Gleichzeitig wies er die Vorwürfe der Vetternwirtschaft zurück. „Im Rahmen einer Anti-AfD-Kampagne wird derzeit
versucht zu skandalisieren, dass mehrere Personen mit demselben
Nachnamen in der AfD engagiert sind“. Frohnmaier bestätigte, dass sein Vater aktuell für die AfD-Abgeordnete Zimmer tätig ist. Sein
Vater engagiere sich seit bald zehn Jahren ehrenamtlich in der Partei
und gehe inzwischen einem Minijob nach, sagte Frohnmaier.
Seine Schwester sei zudem vor bald zehn Jahren kurzzeitig für einen
AfD-Abgeordneten im baden-württembergischen Landtag tätig gewesen.
„Alle Beschäftigungsverhältnisse in meinem Büro
sowie die mit meiner parlamentarischen Arbeit verbundenen Stellen in
der Fraktion sind vollständig rechtmäßig. Dasselbe gilt für ehemalige
oder bestehende Beschäftigungsverhältnisse von Familienangehörigen in
anderen Abgeordnetenbüros“, sagte Frohnmaier. „Von Vetternwirtschaft, unzulässigen Anstellungen oder zwielichtigen Absprachen kann keine Rede sein.“ Den Wechsel seiner Frau von zwei AfD-Abgeordneten zu einem anderen bezeichnete er als „völlig normalen Jobwechsel“. Er verwies zudem auf die Qualifikation seiner Frau. „Meine Frau ist
trilingual und Diplom-Journalistin; sie unterstützt einen
AfD-Abgeordneten in einem internationalen Ausschuss.“
„Inakzeptabler Umgang mit öffentlichen Geldern“
Von den anderen Parteien in Baden-Württemberg kommt deutliche Kritik. Der SPD-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Andreas Stoch, sagte The Pioneer: „Dieses Konstrukt, bei dem die Ehefrau von Frohnmaier gleich in mehreren Abgeordnetenbüros beschäftigt wird“, diene dem Zweck, „sich finanzielle Vorteile zu erschleichen“. Frohnmaier pflege einen „inakzeptablen Umgang mit öffentlichen Geldern“. Und: „Wir verurteilen ein solches Vorgehen. Mit Steuermitteln finanzierte Stellen dürfen ausschließlich nach Kompetenz und Leistung vergeben werden – nicht nach Verwandtschaftsgrad oder persönlicher Nähe.“
Ein Sprecher des baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel sagte, die „dargestellte Beschäftigung von Ehepartnern halten wir nicht für angemessen“. FDP-Spitzenkandidat Ulrich Rülke sagte: „Das ist eine unerträgliche Form der Vetternwirtschaft.“