Marktbericht: Steigende Ölpreise dürften Deutscher Aktienindex herabsetzen


marktbericht

Stand: 12.03.2026 • 07:57 Uhr

Der DAX dürfte heute mit deutlichen Verlusten in den Handel starten. Grund sind wieder steigende Ölnotierungen. Selbst die Aussicht auf Freigabe strategischer Ölreserven beruhigt die Märkte nicht.

Die Stimmung an den Börsen bleibt hypernervös: Der Broker IG taxiert den DAX vor dem Xetra-Start 1,4 Prozent tiefer auf 23.307 Punkte. Das bisherige Tief seit Beginn des Iran-Kriegs lag am Montag bei 22.927 Punkten auf dem Niveau vom Mai vergangenen Jahres.

„Solange die Marke von 23.000 Punkten im DAX hält, ist die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts nicht aus dem Markt verschwunden. Die Anleger wollen an ein Konfliktende glauben“, stellt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, fest. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 23.640 Punkten aus dem Handel gegangen.

„Nachdem die Märkte zwischenzeitlich auf eine Entspannung gehofft hatten, überwiegt am deutschen Aktienmarkt nun erneut die Sorge, dass der Iran-Krieg zu einem länger anhaltenden Belastungsfaktor werden könnte“, sagte Timo Emden von Emden Research.

Das sehen andere Fachleute ähnlich. Dieter Langenbucher, Leiter Fondsmanagement der Fürst Fugger Privatbank erklärt: „Die Dauer des Konflikts ist entscheidend für die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte – je länger, desto negativer.“

Der Krieg im Nahen Osten hält die Märkte auch heute in Atem. Tanker-Angriffe im Persischen Golf verschärfen die Sorge um einen weiteren Ölpreis-Schock. Die Politik bemüht sich nun, die Folgen der steigenden Energiepreise einzudämmen.

Die Internationale Energieagentur will 400 Millionen Barrel ihrer Ölreserven auf den Weltmarkt pumpen. Auch US-Präsident Donald Trump will mit der Freigabe strategischer Reserven den Ölpreis stabilisieren.

Bislang bleibt der Erfolg aus: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um neun Prozent auf 100,22 Dollar. US-Rohöl WTI legte ebenfalls neun Prozent auf 95,41 Dollar zu.

Die US-Börsen hatten gestern uneinheitlich geschlossen. Anleger hatten weiterhin die eskalierenden Feindseligkeiten im Nahen Osten und die zunehmenden Auswirkungen des Krieges der USA und Israels gegen den Iran im Blick. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,6 Prozent auf 47.417 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 gab 0,1 Prozent nach auf 6.775 Stellen. Der technologielastige Nasdaq legte indes 0,1 Prozent zu auf 22.716 Zähler.

„In einem derart unsicheren Umfeld hungern die Märkte und Investoren geradezu nach Signalen, egal in welche Richtung“, sagte Matthew Keator vom gleichnamigen Vermögensverwalter. „Es dreht sich alles um die Verbraucher und darum, wie sich der Schock eines anhaltenden Anstiegs der Ölpreise auf ihren Geldbeutel und ihre Ausgabegewohnheiten auswirken wird.“

Auch in Europa befürchten Experten steigende Verbraucherpreise: Die EU warnt einem Medienbericht zufolge vor einem Anstieg der Inflation auf über drei Prozent im laufenden Jahr. Dies drohe, falls der Krieg im Nahen Osten den Preis für die Ölsorte Brent auf rund 100 Dollar treibe und Erdgas teuer bleibe, meldet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Das Wachstum für 2026 würde dann um bis zu 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen als die prognostizierten 1,4 Prozent.

Anleger schauen deshalb mit Sorge auf die Sitzungen der Notenbanken in der kommenden Woche. Experten zufolge nehmen die Chancen auf sinkende Leitzinsen wegen der gestiegenen Ölpreise ab.

Der Wirtschaft im Nahen Osten entgehen wegen eines Einbruchs der Reisetätigkeit infolge des Iran-Kriegs nach Schätzung eines Branchenverbands aktuell Einnahmen von rund 600 Millionen US-Dollar pro Tag. Durch die für den internationalen Flugverkehr bedeutenden Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Bahrain kämen normalerweise rund 526.000 Passagiere pro Tag, erklärte der in London ansässige Welttourismusverbands (WTTC).

Seit Kriegsbeginn vor knapp zwei Wochen seien die Flughäfen geschlossen oder nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Source: tagesschau.de