Marktbericht: Nahost-Krieg schickt Börsen uff Talfahrt


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Stand: 30.03.2026 • 07:19 Uhr

Der Krieg in Iran pendelt zwischen weiterer Eskalation und Bemühungen um Deeskalation. Die neuerlichen Unsicherheiten lassen die Ölpreise steigen und dürften für einen negativen Wochenstart im DAX sorgen.

Der Iran-Krieg bleibt auch in dieser Woche das beherrschende Thema an den Aktienmärkten. Nach einer neuerlichen Eskalation am Wochenende dürfte der DAX mit einem Minus in die neue Woche starten. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde mit Minus 0,5 Prozent bei 22.180 Punkten. Am Freitag war der DAX mit einem Minus 1,4 Prozent bei 22.300 Punkten aus dem Handel gegangen.

„Es bleibt dabei: Die Investoren werden weiter von den Nachrichten aus der Kriegsregion vor sich her gejagt“, kommentierte Chefmarktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Knapp vier Wochen nach Kriegsbeginn gibt es zwar Bemühungen um Deeskalation: US-Präsident Donald Trump räumt Iran mittlerweile Zeit bis zum 6. April ein, um die unter anderem für den weltweiten Ölhandel so wichtige Straße von Hormus freizugeben. Die verlängerte Frist zeige, wie sehr die USA den Krieg beenden und eine Verhandlungslösung erreichen wollen, stellte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners fest. Sie zeige aber auch, dass sich die Verhandlungen wohl alles andere als einfach gestalteten.

Gleichzeitig gab es am Wochenende eine neue Eskalation: Die jemenitischen Huthi-Rebellen griffen am Samstag erstmals seit Beginn des Krieges Israel an. Und die Rhetorik aus Teheran hat am Wochenende eine neue Stufe erreicht: Man warnt die USA offen vor einer Bodenoffensive und spricht sogar von einem „großen Weltkrieg“.

Die anhaltenden Kampfhandlungen im Nahen Osten lassen die Furcht vor Versorgungsengpässen durch eine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus wachsen und die Ölpreise steigen. Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee am Morgen um 3,1 Prozent auf 116,10 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 2,7 Prozent fester bei 102,29 Dollar. Damit steuert Brent auf den stärksten monatlichen Preisanstieg seit dem irakischen Einmarsch in Kuwait im Jahr 1990 zu, da Investoren eine Verknappung des weltweiten Angebots befürchten.

Hierzulande dürften neue Konjunkturdaten erste Folgen des Krieges aufzeigen: Am Nachmittag veröffentlicht das Statistische Bundesamt die erste Schätzung zur Inflation im März. Bislang rechneten Ökonomen damit, dass die Teuerung in Deutschland dieses Jahr knapp über der Marke von zwei Prozent liegen dürfte. Doch wegen des Iran-Kriegs erwartet nun das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, dass die Inflationsrate in der ersten Jahreshälfte auf „merklich über 2,5 Prozent“ steigt. Im Februar lag die Inflation in Deutschland noch unter der Zwei-Prozent-Marke.

Die Furcht vor einem langwierigen Krieg im Nahen Osten und einer daraus resultierenden Stagflation hat die asiatischen Börsen am Morgen auf Talfahrt geschickt. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 4,6 Prozent auf 50.936 Punkte nach und der breiter gefasste Topix notierte 4,2 Prozent niedriger bei 3.497 Zählern. Auch in China zogen sich die Anleger zurück: Die Börse Shanghai verlor 0,6 Prozent auf 3.890 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 1,0 Prozent auf 4.458 Punkte.

Der Konflikt mit Iran bedroht weiterhin die globalen Öl- und Gaslieferungen. Da Asien stark von Energieimporten aus der Region abhängig ist, wächst die Sorge vor einem massiven Inflationsschub bei gleichzeitig schwächelnder Wirtschaft. „Der Markt ist wahrscheinlich nicht mehr nur wegen der Inflation und einer wirtschaftlichen Abkühlung besorgt, sondern sogar wegen einer Rezession“, sagte Shingo Ide, Chef-Aktienstratege beim NLI Research Institute. Es drohe ein negatives Wachstum und nicht nur eine einfache Abkühlung.

Die Inflationsrisiken durch den Energieschock belasteten am Freitag auch die US-Börsen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones hatte sich zum Wochenschluss mit einem Minus von 1,7 Prozent bei 45.166 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 verlor 1,7 Prozent auf 6.368 Zähler, und der technologielastige Nasdaq gab 2,1 Prozent auf 20.948 Stellen nach. Anleger befürchten, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen angesichts der Preisrisiken länger hoch halten oder sogar weiter anheben muss.

An diesem Freitag steht der üblicherweise viel beachtete Arbeitsmarktbericht aus den USA auf der Agenda – ein wichtiger Indikator für die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Wegen steigender Inflationsrisiken habe die Fed ihre Haltung jüngst verschärft, schrieb Sören Wiedau von der Weberbank. Zinssenkungen seien erst denkbar, wenn die Inflation wieder klar in Richtung Zielwert tendiere.

Source: tagesschau.de