marktbericht
Der Krieg im Iran lässt die Preise für Düngemittel immer weiter steigen. Das könnte sich auch auf die Versorgung mit Lebensmitteln auswirken, die Welthungerhilfe warnt sogar vor verschärften Ernährungskrisen.
Die Nachrichten über Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten erschüttern die Märkte und lassen die Energiepreise auch heute einmal mehr deutlich steigen. Der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert für den Gaspreis gilt, stieg am Vormittag zwischenzeitlich um rund 30 Prozent auf 72 Euro pro Megawattstunde. Auch der Preis für ein Fass der Nordsee-Ölsorte Brent legte um mehr als zehn Prozent auf mehr als 119 Dollar zu.
Bereits seit Kriegsbeginn vor gut drei Wochen sind die Energiepreise kräftig gestiegen. Das schürte denn auch neue Inflationsängste, spiegeln sich die höheren Ölpreise doch direkt an Tankstellen wider.
Weltweite Krise bei Lebensmitteln?
Doch die steigenden Energiepreise infolge des Krieges sind längst nicht mehr das einige Inflationsrisiko. Auch Lebensmittel könnten weltweit in Folge des Krieges teurer werden. Die Welthungerhilfe spricht sogar davon, dass sich Ernährungskrisen in vielen Ländern dramatisch verschärfen könnten.
Der stellvertretende Leiter für Politik und Außenbeziehungen der Organisation, Rafaël Schneider, warnte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd davor, dass Lebensmittel infolge des Krieges knapp und teuer werden könnten. Vor allem Menschen, die ohnehin schon in Armut lebten, würden in solch einer Situation „sehr schnell an ihre Grenzen stoßen“.
Düngemittelkrise bahnt sich an
Der Grund für diese Warnungen ist aber keineswegs, dass Lebensmittel aus den Ländern im Nahen Osten exportiert würden, sondern, dass der Krieg für Unterbrechungen in den Lieferketten für Düngemittel sorgt. Durch die Blockade der Straße von Hormus können auch Schiffe mit Düngemittel den Seeweg nicht nutzen. Das ist problematisch, denn ein Drittel des globalen Handels mit Düngemitteln läuft durch die Straße von Hormus.
Mehr als 20 Tanker mit Düngemitteln für den Weltmarkt stauen sich derzeit in der Golfregion im Nahen Osten. Geladen haben sie Produkte, auf die Fabriken, Agrar-Händler und vor allem Landwirte dringend warten. Dies betrifft sowohl fertige Düngemittel, als auch das für deren Produktion benötigte Flüssigerdgas und Vorprodukte wie Ammoniak oder Schwefel.
Schon jetzt zeichnet sich damit eine Düngemittelkrise ab. Die Exportpreise für Harnstoff im Nahen Osten sind seit Kriegsbeginn um rund 40 Prozent auf gut 700 Dollar je Tonne nach oben geschossen. Analysten warnen davor, dass sich die Preise für stickstoffbasierte Düngemittel bei einem andauernden Krieg sogar verdoppeln könnten.
BASF will Preise erhöhen
„Wenn aufgrund hoher Beschaffungspreise weniger gedüngt wird, werden die Ernten in vielen Regionen geringer ausfallen“, sagte Schneider. Denn eigentlich müssten Bauern genau jetzt den Dünger kaufen – doch der ist knapp und teuer. Landwirte werden in der Folge weniger Dünger einsetzen, die Ernteerträge könnten weltweit sinken und die Lebensmittelpreise steigen.
Schon jetzt zeigen sich erste Auswirkungen der Krise: Der Chemiekonzern BASF erhöht seine Preise für viele Produkte deutlich. Vorprodukte für die Kosmetikindustrie sowie die Wasch- und Reinigungsmittelproduktion und weitere Bereiche verteuerten sich, „soweit es bestehende Verträge zulassen“ um mindestens 30 Prozent, erklärte der Konzern aus Ludwigshafen.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sagt sogar, dass schon viele deutsche Unternehmen im „absoluten Krisenmodus“ arbeiten. „Bei wichtigen Rohstoffen ist die Lieferfähigkeit reduziert und perspektivisch auch abgestellt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands, Wolfgang Große Entrup.
K+S als Krisengewinner
Doch es gibt auch Unternehmen, die von der Krise profitieren, der Düngerkonzern K+S zum Beispiel. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Schwefel, der vor allem für Spezialdünger benötigt wird, trifft den Konzern nicht. Denn Schwefel sei bereits als natürlicher Bestandteil in den Düngern des Unternehmens enthalten; K+S profitiert also von steigenden Schwefelpreise auf dem Weltmarkt.
So blickt K+S denn auch positiv ins neue Jahr. Im besten Fall soll der operative Gewinn deutlich steigen, aber auch ein kleiner Rückgang ist denkbar. „Das aktuelle Kalipreisniveau liegt spürbar höher als vor einem Jahr“, sagte Unternehmenschef Christian Meyer.
An der Börse ist K+S damit ein Krisengewinner: Lag die Aktie am letzten Handelstag vor Beginn des Krieges noch bei 14,78 Euro, steht sie aktuell bei 17,50 Euro. Und gehört damit zu den Spitzenreitern im MDAX.
DAX tief im Minus
Am Gesamtmarkt haben heute Sorgen um die Weltwirtschaft die Anleger verschreckt. Der DAX sackte zeitweise auf ein Tief seit Mai 2025, gegen Mittag gab der deutsche Leitindex um 2,4 Prozent auf 22.945 Punkte nach. Der MDAX der mittelgroßen Werte büßte 2,7 Prozent auf 28.722 Punkte ein und auch in Asien und europaweit wurden kräftige Verluste verbucht.
„Der Iran-Krieg hat mit dem Angriff auf ein Gasfeld eine neue Eskalationsstufe erreicht“, sagte Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank: „Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur nimmt dem Markt die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Produktionsniveaus, sollte der Krieg einmal enden.“
Und die Notenbanken seien in diesem Umfeld keine große Hilfe. Wie so oft in dynamischen Situationen habe die US-Notenbank Fed am Vortag darauf verwiesen, zunächst mehr Zeit für die Bewertung der Lage zu benötigen. „Bei der EZB dürfte das heute kaum anders klingen. Die Märkte sind da bereits einen Schritt weiter.“
Source: tagesschau.de