Marktbericht: HelloFresh rechnet sogar 2026 mit Umsatzminus

Stand: 18.03.2026 • 13:19 Uhr

Die Aktien des Kochboxenversenders HelloFresh sind auf ein Rekordtief abgesackt. Das liegt an einem schwachen Ausblick: Im laufenden Jahr rechnet das Management mit einem deutlichen Umsatzrückgang.

Das Geschäftsmodell ist simpel: Ein paar Klicks auf dem Smartphone, und schon kommen die Zutaten fürs Abendessen direkt vor die Haustür. Der Kochboxenhersteller HelloFresh traf mit dieser Idee in der Pandemie einen Nerv – und wurde in dieser Zeit zum Börsenliebling. Die Aktie des 2017 gegründeten Unternehmens stieg 2021 sogar in den DAX auf, kostete zum Allzeithoch 97,36 Euro.

Von diesen glorreichen Zeiten ist nicht mehr viel übrig: Zur Mittagszeit notiert das Papier, mittlerweile nur noch im SDAX gelistet, unter vier Euro. Damit hat die Aktie allein heute mehr als 16 Prozent eingebüßt, seit Jahresbeginn hat sie ein Drittel ihres Wertes verloren.

Erneut sinkende Nachfrage und Umsätze

Der Grund für den Absturz ist ein deutlicher Einbruch in der Nachfrage: Sie sinkt immer weiter und dürfte in diesem Jahr erneut zu einem Umsatzrückgang führen. Die Erlöse dürften abseits der Wechselkurseffekte um etwa drei bis sechs Prozent zurückgehen, teilte der SDAX-Konzern in Berlin mit.

Der um Sonder- und Währungseffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei 375 bis 425 Millionen Euro liegen und damit im besten Fall etwas über dem Vorjahr. Branchenexperten hatten ein zum Vorjahr stabiles Ergebnis prognostiziert.

Einsparungen im Millionenbereich

Bereits der Start ins Jahr gestaltete sich als schwierig: Extreme Wetterbedingungen in wichtigen Märkten in Europa und den USA hatten im Januar die Auslieferungen und die Profitabilität beeinträchtigt, wie HelloFresh bereits im Februar zur Vorlage von Eckdaten für das Geschäftsjahr 2025 mitgeteilt hatte.

Hinzu kamen Belastungen durch einen stärkeren Euro. Das Management hatte deshalb ein Sparprogramm gestartet, und setzt zur Ankurbelung der Nachfrage auf Produktverbesserungen. Bis Ende 2025 hat das Unternehmen so Einsparungen von 160 Millionen Euro erzielt. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit weiteren jährlichen Einsparungen in Höhe von 140 Millionen Euro.

Im Februar hatte der Konzern angekündigt, sich vom italienischen Markt zurückzuziehen, auch für Spanien ist das geplant. Für beide Märkte bestehe keine klare Perspektive, hieß es.

Vom Krisengewinner zum Verlierer

Die Prognose setzt dabei fort, was sich schon in den vergangenen Jahren zeigte. Denn die Krise des Kochboxenversender ist nicht neu – sie begann bereits mit dem Ende der Corona-Pandemie. Und sie traf nicht nur HelloFresh: Auch andere Lieferdienste wie Delivery Hero, die zu den Profiteuren der Pandemie gehörten, kämpfen mit sinkenden Kundenzahlen.

2025 fielen die Umsätze von HelloFresh im Jahresvergleich, wie bereits bekannt, um 11,8 Prozent auf 6,76 Milliarden Euro. Der währungsbereinigte Umsatzrückgang lag bei 9,0 Prozent. Das bereinigte operative Konzernergebnis (Ebitda) stieg nur dank der Einsparungen. Unter dem Strich verbuchte HelloFresh 2025 einen niedrigeren Verlust nach Anteilen Dritter von 92,6 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte hier ein Fehlbetrag von 136,4 Millionen zu Buche gestanden.

Vor allem der Umsatz mit dem eigentlichen Markenkern, den Kochboxen, sinkt: Währungsbereinigt ging er 2025 um 12,7 Prozent zurück, während die deutlich kleinere Sparte rund um Fertiggerichte nur 1,4 Prozent nachgab.

Kunden sparen und kürzen unnötige Ausgaben

Dabei macht dem Kochboxenversender nicht nur das eigene Geschäftsmodell zu schaffen. Denn in den Kochboxen werden frische Lebensmittel versendet – damit sie auch frisch bei den Kunden ankommen, ist die dahinter stehende Logistik komplex.

Auch die aktuelle wirtschaftliche Situation belastet das Unternehmen. Viele Kunden müssen sparen, und überdenken dabei ihre Ausgaben. Die Lieferung frischer Lebensmittel direkt vor die Haustür gehört da zu einem Luxus, auf den viele bereit sind zu verzichten – immerhin gibt es die Lebensmittel im Supermarkt um die Ecke ganz ohne Lieferaufpreis.

DAX auf Erholungs-Kurs

Am Aktienmarkt generell ist die Stimmung geprägt von der Lage in Nahost: Die Anleger an den Börsen weltweit fassen in der dritten Woche des Iran-Kriegs neuen Mut. Der Leitindex DAX legte zur Mittagszeit um 0,6 Prozent auf 23.868 Punkte zu und hat es damit wieder über die exponentielle 200-Tage-Linie geschafft. Diese gleitende Durchschnittslinie ist charttechnisch gesehen ein wichtiger Gradmesser für den längerfristigen Trend.

Anleger hoffen, „dass sich der feste Griff des Iran um den globalen Energiemarkt Schritt für Schritt lockern wird“, wie Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank erklärte. Zum einen wachse weltweit der politische Druck auf US-Präsident Donald Trump, die Straße von Hormus wieder passierbar zu machen.

Zum anderen verlagerten Saudi-Arabien und der Irak ihre Exporte und nutzten Pipelines, um Öl zu sicheren Häfen zu bringen. So hat etwa der Irak ein Pipeline-Abkommen zum Ölexport über die Türkei geschlossen. Das alles sei „eine große Sache für den Ölmarkt“. Auch wenn dadurch laut Stanzl nicht die gesamte Ölproduktion dieser Länder exportiert werden kann, „verliert die iranische Blockade der Meerenge von Hormus dadurch ein Stück weit an Bedeutung“.

Source: tagesschau.de