Marktbericht: Ernüchterung jenseits den KI-Boom


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Stand: 27.02.2026 • 08:02 Uhr

Trotz guter Quartalszahlen des KI-Flaggschiffs Nvidia sind die High-Tech-Werte in den USA auf Talfahrt gegangen. Auch die Spannungen mit dem Iran stellen die Märkte auf die Probe.

Der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) hat an den Finanzmärkten wieder Sorgen ausgelöst, dass die rasante Entwicklung in diesem Bereich ganze Branchen überflüssig machen könnte. Dadurch würden viele Geschäftsmodelle auch in der Software-Branche zusammenbrechen, die bislang als sicher galten.

An der US-Technologiebörse Nasdaq kamen dadurch High-Tech-Werte unter Druck. Der Nasdaq Composite Index gab um 1,2 Prozent nach und beendete den Handel mit 22.878 Punkten. An der Wall Street, wo vorwiegend klassische Industriewerte gehandelt werden, gab es hingegen weniger Reaktionen. Anleger hielten sich zurück. Der Dow Jones Index beendete den Handel mit nur einem leichten Plus von 0,1 Prozent bei 49.499 Punkten.

Angefacht wurde die Diskussion durch die starken Geschäftszahlen des weltweit führenden Produzenten von Hochleistungschips für die KI, Nvidia. Das kalifornische Unternehmen hatte erneut Rekordzahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Die Aktie konnte davon aber nicht profitieren und gab um rund 5,5 Prozent nach.

„Die Messlatte liegt derzeit einfach extrem hoch“, kommentierte Adam Phillips vom US-Finanzdienstleister EP Wealth Advisors das Zahlenwerk. Es werde immer schwerer, die Wall Street noch zu beeindrucken. „Viele Investoren fragen sich: Werden sich all diese Investitionen am Ende auszahlen?“

Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies auf die Zweischneidigkeit der starken Nvidia-Zahlen: „Längst sind Signale eines schnelleren KI-Ausbaus, wie sie Nvidia lieferte, kein Grund mehr für Anleger, in Jubel-Arien zu verfallen.“

Schließlich sei auch die Kehrseite bekannt: die Vernichtung zahlreicher Branchen durch KI bis tief hinein in die Softwarebranche. An den Finanzmärkten macht sich deshalb der Begriff der „KI-Disruption“ breit. Er beschreibt die negativen Folgen dieser Technologie.

Die Entwicklungen zogen vor allem andere Aktien aus dem Halbleitersektor in Mitleidenschaft. So verbuchten die Anteilscheine von Broadcom, Intel, Applied Materials und Lam Research Verluste zwischen 3,0 und 4,9 Prozent.

Davon unbeeindruckt ging die Übernahmeschlacht um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers Discovery (WBD) in die nächste Runde. Der Streamingdienst Netflix, der WBD übernehmen wollte, wird sein Angebot nicht erhöhen, teilte das Unternehmen mit. Damit könnte der Weg für den Rivalen Paramount frei werden, der an WBD ebenfalls interessiert ist und mehr bietet. Die Netflix-Aktie legte nachbörslich deutlich zu.

Im Unterschied zu Netflix will Paramount den gesamten WBD-Konzern schlucken, einschließlich des Trump-kritischen TV-Senders CNN. Netflix ist hingegen nur am traditionellen Filmgeschäft von Warner Brothers interessiert.

Die Übernahmeschlacht hat daher auch eine politische Komponente: Netflix-Mitgründer Reed Hastings gilt in den USA als einer der größten Spender der oppositionellen Demokraten. Paramount-Chef David Ellison und sein Vater Larry Ellison, seinerseits Chef des Softwareanbieters Oracle, unterstützen dagegen US-Präsident Donald Trump.

Die Stimmung an den asiatischen Märkten ist am Morgen gedrückt. Ursache sind ebenfalls die Entwicklungen im Technologiesektor aber auch zunehmende Spannungen zwischen Japan und China. Die Volksrepublik hat die Ausfuhr wichtiger Güter nach Japan gestoppt, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können.

Außerdem belasten die Spannungen im Nahen Osten: Nachdem es bislang keine greifbaren Ergebnisse in den Verhandlungen in Genf über das Atomprogramm des Irans gibt, wachsen die Sorgen vor einem Militärschlag der USA. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf die Ölpreise.

Der Nikkei-Index legt deshalb nur leicht um 0,2 Prozent zu. In Hong Kong gibt es etwas stärkere Gewinne von knapp 1,0 Prozent beim Hang Seng-Index. Der Shanghai Composite Index legt um 0,3 Prozent zu.

Am Frankfurter Aktienmarkt erwarten Händler einen leicht freundlichen Auftakt, nachdem sich der Deutsche Aktienindex bereits am Donnerstagnachmittag erholen konnte. Der Broker IG taxiert den DAX bei rund 25.300 Punkten.

Im Mittelpunkt dürfte heute die Chemiebranche stehen: Der weltweit größte Chemiehersteller BASF aus Ludwigshafen wird heute Details zum Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres bekannt geben. Die Eckpunkte wurden bereits veröffentlicht.

Source: tagesschau.de