Marktbericht: Die Euphorie ist wieder verflogen


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Stand: 20.04.2026 • 07:25 Uhr

Waren die Kursgewinne vom Freitag nur ein Strohfeuer? Die Finanzmärkte schalten von Entspannung wieder um auf Krise. Der Ölpreis legt deutlich zu, der DAX dürfte einen Teil der Gewinne wieder abgeben.

Nach der DAX-Erholung der vergangenen Tage steht die Börsenampel heute wieder auf Rot: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Start mehr als ein Prozent leichter auf 24.392 Zählern.

Am vergangenen Freitag hatten Aussagen des iranischen Außenministers, dass die Durchfahrt der Straße von Hormus nun für alle Handelsschiffe frei sei, für Euphorie gesorgt. Der DAX war mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent auf 24.702 Zähler gesprungen.

Die Stimmung hat sich wieder gedreht: Später sperrte der Iran die Straße erneut. Für Spannungen sorgte zudem die Seeblockade der USA in der Straße von Hormus. Außerdem hat die US-Marine am Sonntag einen iranischen Frachter angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht. Ob es vor dem Ende der vereinbarten Waffenruhe in der Nacht zu Mittwoch (MESZ) noch zu einer Einigung kommt, ist höchst ungewiss.

„Außer viel Volatilität in allen Anlageklassen hat sich die Situation zum vergangenen Wochenende nicht geändert, die Straße von Hormus bleibt geschlossen. Allerdings betonen die Amerikaner, verbunden mit Drohungen, dass man weiterhin in einem Dialog sei“, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Der Markt scheine unter hohen Schwankungen weiterhin von einem optimistischen Szenario auszugehen. „Ob es so kommt, werden die nächsten Tage zeigen“, so Stephan.

Trotz der schlechten Nachrichten sei der Markt noch nicht in Panik, sagte Michael Brown, Stratege bei Pepperstone. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der Gewinne vom Freitag wieder abgegeben werde. Der Markt habe sich da etwas zu weit vorgewagt. Sollte jedoch feststehen, dass der Iran nicht an den Gesprächen teilnimmt, würden die Anleger deutlich risikoscheuer reagieren, erklärt Brown.

Vor dem Hintergrund der neuen Spannungen zwischen den USA und dem Iran kostet Rohöl wieder deutlich mehr. Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni ging mit einem Kurs von knapp 97 US-Dollar in die Handelswoche und war damit über sieben Prozent teurer als noch in der vergangenen Woche. Auch die US-Sorte WTI legte ähnlich stark zu.

Am Freitag waren die Ölpreise noch um mehr als neun Prozent gefallen. Zu Beginn des Krieges Ende Februar lag der Preis für Brent noch bei unter 70 Dollar.

Am Freitag hatte der Optimismus der Anleger die Kurse an der Wall Street noch in die Höhe getrieben. Der S&P-500-Index und die Technologiebörse Nasdaq erreichten jeweils den dritten Tag in Folge einen Höchststand zum Handelsschluss. Der Dow-Jones-Index verbuchte den höchsten Schlussstand seit Ende Februar.

Angesichts der neuen Entwicklungen dürften auch die US-Börsen heute wieder den Rückwärtsgang einlegen. Die Futures auf den S&P 500 fielen um etwa 0,9 Prozent. Auch Nasdaq und Dow Jones dürften nachgeben.

Der Dollar-Index, der den Wert des US-Dollar gegenüber einem Korb von sechs wichtigen Währungen misst, stieg dagegen um bis zu 0,3 Prozent auf 98,485 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit einer Woche.

Source: tagesschau.de