Marktbericht: Deutscher Aktienindex startet Stabilisierungsversuch


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Stand: 20.03.2026 • 07:27 Uhr

Nach einem Rutsch unter die 23.000 Punkte könnte der DAX diese Marke heute wieder in Angriff nehmen. Der Grund sind Rohölpreise, die am Morgen gefallen sind.

Der DAX dürfte sich nach seinem Rutsch auf das tiefste Niveau seit April 2025 wieder etwas fangen. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex für den fünfzehnten Handelstag seit Kriegsausbruch im Iran zur Stunde 0,7 Prozent höher auf 22.991 Punkte. Gestern hatte der deutsche Leitindex noch 2,8 Prozent verloren und war am Ende mit 22.839 Punkten aus dem Handel gegangen.

Der eskalierende Nahost-Krieg peitschte gestern die Energiepreise weiter nach oben und hielt die Aktienmärkte in Atem: Angriffe auf Energieanlagen im Nahen Osten hatten Ölpreise gestern bis auf 120 Dollar getrieben. Seit Beginn des Krieges vor knapp drei Wochen ist der Ölpreis wegen der Furcht vor langfristigen Versorgungsengpässen allerdings um gut 64 Prozent in die Höhe geschnellt. „Der Krieg im Iran ist aus Sicht der Finanzmärkte in eine neue Phase getreten“, sagte Ricardo Evangelista, Analyst bei ActivTrades.

Dies verunsicherte denn auch die Börsen in die USA. Dort nahm die Nervosität aber bis Handelsende etwas ab, da der Ölpreis am Ende noch auf geringeres Niveau sank. Heute könnte sich die bereits am gestrigen Abend begonnene Erholung bei den Ölpreisen fortsetzen, sie gaben im frühen Handel in Asien bereits nach. Der Grund: Die EU und Japan hatten am späten Donnerstagabend ihre Bereitschaft erklärt, bei der Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus Hilfe zu leisten, allerdings unter nicht genannten Bedingungen.

„Der Europäische Rat begrüßt ferner die von den Mitgliedstaaten angekündigten verstärkten Anstrengungen, unter anderem durch eine verstärkte Koordinierung mit Partnern in der Region, um die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten – sobald die Voraussetzungen dafür gegeben sind“, heißt es in der am Donnerstagabend verabschiedeten Gipfelerklärung in Brüssel. Die EU folgte damit der gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Japan, die ebenfalls ihre Hilfe angeboten hatten, ohne aber auf das Hilfsersuchen von US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg konkret einzugehen.

Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 106,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 2,0 Prozent schwächer bei 94,22 Dollar. Damit bleiben die Ölpreise aber weiter auf hohem Niveau. Und Ölvertreter in Saudi-Arabien dämpften auch direkt wieder die Hoffnungen auf eine längerfristige Entspannung: Der Ölpreis könne bis auf über 180 Dollar pro Barrel steigen, falls die Störungen durch den Iran-Krieg bis Ende April anhalten. Dies berichtet die US-Zeitung „Wall Street Journal“.

In Japan bleibt die Börse heute geschlossen. An der Börse in Shanghai legten die Aktien leicht zu. Der dortige Leitindex gewann 0,2 Prozent auf 4.013 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 1,0 Prozent auf 4.626 Punkte.

Auch in Asien bleibt der Krieg im Nahen Osten das marktbeherrschende Thema, denn die hohen Energiepreise befeuern auch dort Sorgen vor einer steigenden Inflation. Im Angesicht dessen hat China seine wichtigen Kreditzinsen am Freitag den zehnten Monat in Folge unverändert gelassen. Der Schritt entsprach den Markterwartungen. Der einjährige Referenzzinssatz für Bankkredite (LPR) wurde bei 3,0 Prozent belassen, der fünfjährige bei 3,5 Prozent. Neben den Inflationssorgen verringerten überraschend gute Wirtschaftsdaten für Januar und Februar die Dringlichkeit für Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur.

Die hohen Energiepreise schürten zuletzt auch in den USA die Inflationssorgen der Investoren, allerdings sind die USA weniger abhängig von Gas- und Ölimporten wie Länder in Asien und Europa. So konnte der Dow Jones Industrial seine Verluste im Späthandel auf 0,4 Prozent reduzieren. Aus dem Handel ging der US-Leitindex bei 46.021 Punkten. Der marktbreite S&P 500 schloss am Ende mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 6.606 Punkten. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es letztlich um 0,3 Prozent auf 24.355 Zähler bergab.

Besonders unter Druck gerieten gestern die Aktien von Bergbau- und Metallunternehmen, die unter sinkenden Goldpreisen litten. Gold verbilligte sich gestern um 3,3 Prozent je Feinunze, am Morgen deutet sich aber bereits eine Erholung an.

Der anhaltende Krieg im Nahen Osten schürt neue Inflationsängste – und dämpft damit die Hoffnung auf sinkende Zinsen. Gold wird zwar als Absicherung gegen Inflation und geopolitische Turbulenzen geschätzt, verliert aber als zinslose Anlage in Zeiten hoher Zinsen tendenziell an Attraktivität.

Im Sog der fallenden Goldpreise ging es auch für die Silberpreise deutlich nach unten, ebenso wie für die Preise von Industriemetallen und Minengesellschaften. Sibanye Stillwater sackten um 10,7 Prozent ab. Aktien des Goldproduzenten Newmont Mining büßten fast sieben Prozent ein. Beim Aluminiumkonzern Alcoa betrug der Abschlag 8,7 Prozent.

Source: tagesschau.de