Marktbericht: Deutscher Aktienindex startet mit Verlusten in die Woche


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Stand: 13.04.2026 • 10:55 Uhr

Nach der angekündigten US-Blockade der Straße von Hormus startet der DAX mit einem Minus in die Handelswoche. Die Lage im Nahen Osten dürfte weiter für volatile Kurse sorgen. Die Ölpreise steigen massiv.

An der Frankfurter Börse geht es zu Beginn der Woche wieder deutlich nach unten. Der DAX verlor heute 1,02 Prozent auf 23.562 Punkte. Hintergrund sind die gescheiterten Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran. Die Anleger trennten sich vor allem von Aktien aus energieintensiven ​Branchen wie Technologie, Transport und Industrie.

Der deutsche Leitindex nähert sich damit seinem Niveau vor dem Kurssprung am vergangenen Mittwoch, als die vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und Iran für einen Kurssprung gesorgt hatte. An den Märkten wird eine neue militärische Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran befürchtet.

Vieles hänge jetzt von den kommenden 24 Stunden ab, in denen sich zeigen werde, ob die Feuerpause weiter hält oder es zu einer Fortsetzung des Krieges kommt, ordnete Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets die Zahlen ein.

Nach den ergebnislosen Friedensgesprächen am Wochenende kündigte US-Präsident Trump an, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus selbst zu blockieren. Das US-Regionalkommando Centom teilte mit, die Blockade ​des gesamten Schiffsverkehrs von und zu iranischen Häfen werde heute um 16.00 Uhr (MESZ) beginnen. Außerdem kündigte der US-Präsident an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen.

Trumps Begründung: Iran habe die Blockade entgegen der Absprachen nicht beendet und die Passage mit Seeminen ohnehin unmöglich gemacht. Er will mit der Hormus-Blockade nun verhindern, dass Iran Gebühren von Reedereien für eine Durchfahrt durch die Meerenge verlangen kann und das Land gleichzeitig von Öleinnahmen abschneiden.

Zugleich stellte die US-Marine klar, dass die Durchfahrt von Schiffen, deren Ziel oder Startpunkt kein iranischer Hafen ist, nicht beeinträchtigt werde. Die zweiwöchige Feuerpause steht damit auf dem Spiel.

Die Ankündigung der US-Blockade hat auch Auswirkungen auf den Ölpreis – und trieb diesen wieder über die Marke von 100 Dollar. Die Nordseeölsorte Brent stieg beispielsweise um rund acht Prozent auf 102,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Vor den Verhandlungen hatte der Preis noch bei rund 95 Dollar gelegen. Auch der Preis der US-Sorte WTI legte in der Nacht wieder deutlich zu: um fast neun Prozent auf 104,88 Dollar.

Schifffahrtsdaten von LSEG und Kpler zufolge meiden Öltanker bereits zunehmend die Region. Trump räumte ein, dass die Öl- und Benzinpreise bis zu den US-Kongresswahlen im November hoch bleiben könnten. Dies deuten Beobachter als seltenes Eingeständnis der möglichen ‌politischen ‌Folgen des seit sechs Wochen ‌andauernden Krieges.

Börsenexperten warnen vor massiven Auswirkungen auf den Ölmarkt. Die USA würden nun auch die verbleibenden iranischen Öllieferungen von bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag durch die Meerenge blockieren, sagte Saul Kavonic vom Analysehaus MST Marquee. „Solange die Straße von Hormus im Zentrum militärischer Risiken steht, dürften hohe Ölpreisnotierungen ein anhaltender Belastungsfaktor für die globalen Finanzmärkte bleiben“, so Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

Derweil hat die Bundesregierung angekündigt, die Bürger zu entlasten und die Spritpreise durch eine Steuersenkung zu dämpfen. Die Energiesteuer auf Diesel und ‌Benzin solle für ​zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter gesenkt werden, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) heute in Berlin. „Damit werden wir sehr schnell die Lage für die Autofahrer und für die Betriebe im Land ​verbessern.“ Merz fügte hinzu, ‌er erwarte, dass die Mineralölwirtschaft die Entlastung direkt und ohne Einschränkung an die ​Verbraucher weitergebe.

Auch der europäische Erdgaspreis ist wieder sprunghaft nach oben geklettert. Die maßgeblichen Future-Kontrakte stiegen am Montag um bis zu 18 Prozent. An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zuletzt um 8,5 Prozent auf 47,35 Euro je Megawattstunde (MWh) zu, nachdem der Preis Mitte vergangener Woche bis auf 42,80 Dollar gefallen war.

Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran vor mehr als sechs Wochen war der Gaspreis zwischenzeitlich über die Marke von 70 Dollar geklettert. Vor dem Krieg hatte der Preis bei lediglich gut 30 Dollar gelegen.

Der Euro hat heute im frühen Handel gegenüber dem Dollar nachgegeben. So wurden für einen Euro zuletzt 1,1687 Dollar gezahlt und damit rund ein halber US-Cent weniger als vor dem Wochenende. Auch gegenüber anderen wichtigen Währungen legte der Dollar zu, Experten sprachen von einem Rückzug von Anlegern in sichere Häfen.

Der Eurokurs befinde sich aktuell noch ein gutes Stück weg von den Extremniveaus dieses Konflikts, schrieb Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Das deute darauf hin, dass eine Mehrheit der Marktteilnehmer darauf hoffe, dass die aktuelle Eskalation letztlich zu einer Deeskalation führen werde.

Beim MDAX-Unternehmen Lufthansa fallen heute und morgen zahlreiche Flüge wegen eines erneuten Piloten-Streiks aus. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat zu Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa und mehreren Tochtergesellschaften aufgerufen. Die Titel der Lufthansa gerieten zum Handelsstart unter Druck und büßten zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent ein.

Das Ergebnis der ungarischen Parlamentswahl sorgt für Aufbruchstimmung an der Budapester Börse. ​Der Leitindex Bux ‌kletterte heute um bis zu 3,3 Prozent auf ​rund 137.261 Punkte und erreicht damit ein Allzeithoch. Die Wähler in Ungarn haben den EU-kritischen Regierungschef Viktor Orban nach 16 Jahren an der Macht abgewählt.

Source: tagesschau.de