Marktbericht: Deutscher Aktienindex hängt weiter am Ölpreis


marktbericht

Stand: 16.03.2026 • 07:38 Uhr

Auch in der neuen Woche blicken Anleger mit Sorge auf den Iran-Krieg und den Öl-Preis. In diesem geopolitisch angespannten Umfeld entscheiden sowohl die US-Notenbank als auch die EZB über den Leitzins.

Der deutsche Leitindex könnte mit einem Mini-Plus in die neue Woche starten. Der Broker IG taxiert den DAX zur Stunde bei 23.480 Punkten und damit 0,1 Prozent höher. Am Freitag hatte sich der DAX letztlich 0,6 Prozent tiefer mit 23.447 Punkten ins Wochenende verabschiedet. Der Dax hat seit Ausbruch des Iran-Kriegs vor rund zwei Wochen um mehr als sechs Prozent nachgegeben und war zeitweise unter die runde Marke von 23.000 Punkten gerutscht. Zuletzt konnte sich der deutsche Leitindex aber wieder etwas stabilisieren

Einmal mehr richtet sich der Blick heute in den Nahen Osten, wo mehr als zwei Wochen nach Beginn des Kriegs die gegenseitigen Angriffe zwischen den USA und Israel sowie dem Iran andauern. In Dubai wurde nach einem Drohnenangriff nahe dem internationalen Flughafen der Flugverkehr am Montag vorübergehend ausgesetzt.

Die anhaltenden Kriegshandlungen im Persischen Golf halten die Ölpreise weiter hoch. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 104,37 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,4 Prozent fester bei 99,06 Dollar.

Daran konnte zunächst auch die angelaufene Freitage der strategischen Ölreserven nichts ändern: Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Wochenende bekanntgegeben, dass Mitgliedsstaaten in Asien sowie Australien und Neuseeland (Asia Oceania) Öl aus Lagerbeständen sofort zur Verfügung stellen würden. Vorräte der Mitgliedsländer auf dem amerikanischen Doppelkontinent sowie in Europa würden ab Ende März bereitgestellt, teilte die IEA mit.

Am deutschen Aktienmarkt geht zunehmend die Sorge vor einer Stagflation um, also stagnierendes oder sinkendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Inflation. „Weiter steigende Energiepreise werden zu einer echten Bewährungsprobe für Inflation und Wachstum“, fasste Chef-Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets die Lage zusammen. Lang anhaltende Preise darüber würden dazu führen, dass die Konjunkturprognosen etwa um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen werden müssen, schrieb Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Die Hoffnung auf einen nur kurz andauernden Krieg im Iran bekommt immer mehr Risse. Der Blick in die Vergangenheit macht Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg wenig Mut: „Auf frühere Ölpreisschocks folgten zumeist Rezessionen.“

Die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten hat am Morgen auch die asiatischen Börsen belastet. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent auf 53.570 Punkte nach. Der breiter gefasste Topix notierte 0,5 Prozent niedriger bei 3.610 Zählern. „Die Sorgen über eine Konjunkturabschwächung aufgrund steigender Ölpreise werden eingepreist“, sagte Maki Sawada, Aktienstrategin bei Nomura Securities.

In China belastete zudem die anhaltende Immobilienkrise die Stimmung: Die Börse in Shanghai verlor 0,7 Prozent auf 4.066 Stellen, während der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen um 0,5 Prozent auf 4.643 Punkte fiel.

Die Preise für neue Eigenheime fielen im Februar auf Monatsbasis um 0,3 Prozent und im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Dies dämpft die Konsumausgaben und das Vertrauen. „Der langsamere monatliche Rückgang ist ein positives Zeichen, aber der Markt befindet sich immer noch in einer Anpassungsphase“, sagte Zhang Dawei, Analyst bei Centaline Property.

Immerhin etwas besser sind die Vorgaben aus den USA: Die Future der wichtigen Indizes notieren zur Stunde im Plus, nachdem die US-Börsen am Freitag schwächer geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab zum Wochenschluss 0,3 Prozent auf 46.558 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,6 Prozent auf 6.632 Zähler und der technologielastige Nasdaq fiel um 0,9 Prozent auf 22.105 Stellen.

In den USA werden die Warnungen von Ökonomen angesichts des anhaltenden Krieges im Nahen Osten lauter: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat US-Präsident Donald Trump wegen dessen Wirtschafts- und Handelspolitik scharf kritisiert. „Der US-Präsident hat eine Handgranate auf die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft als Ganzes geworfen“, sagte Stiglitz dem „Handelsblatt“. Die Entwicklung sei „nicht nur für die US-Wirtschaft eine Katastrophe, sondern für die gesamte Weltwirtschaft“, sagte Stiglitz mit Verweis auf steigende Energiepreise und wachsende geopolitische Spannungen.

In diesem geopolitisch angespannten Umfeld entscheiden sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser Woche über die Leitzinsen. Ein Zinsschritt werde zwar nicht erwartet, der Markt wolle aber wissen, wie die beiden Notenbanken mit dem zu erwartenden „Inflationsbuckel“ in diesem Frühjahr umgehen wollen. Zusätzlich zu wichtigen Konjunkturdaten wie dem ZEW-Index geht außerdem die Berichtssaison weiter, maßgeblich bei den Nebenwerten.

Source: tagesschau.de