Marktbericht: Der Deutscher Aktienindex bleibt nachdem Zoll-Drohungen groggy


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Stand: 20.01.2026 07:55 Uhr

Die Furcht vor einem neuen Handelskrieg mit den USA ist zurück. Bislang halten sich die Verluste an den Märkten aber in Grenzen. Das könnte sich ändern, wenn heute die US-Börsen wieder öffnen.

Die Ankündigung neuer US-Strafzölle hat die Börsen gestern ins Minus ‍gedrückt. Der Leitindex DAX notierte am Montag 1,3 Prozent tiefer bei 24.959 Punkten. Am Morgen geht es auch für die asiatischen Börsen abwärts. Der japanische Nikkei-Index gab rund ein Prozent nach. Der DAX dürfte wie von Banken und Brokern berechnet fast unverändert den Handel starten.

„Da hat man gedacht, wenigstens dieses eine große Thema wäre mehr oder weniger erledigt, da geht es schon wieder los – der Zollkrieg“, kommentiert Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Es drohten Streit, Zölle, Gegenzölle und Unsicherheit für die Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks.

Anleger flüchten in als sicher geltende Anlagen wie den Schweizer Franken und Gold. Zudem gewinnt der sogenannte „Sell America“-Handel an Fahrt, bei dem Investoren US-Aktien, den Dollar und ‌US-Staatsanleihen verkaufen. Die Renditen von US-Anleihen jedenfalls steigen angesichts der drohenden Zölle und ihrer Folgen.

Weil die Wall Street am Montag geschlossen war, dürften Anleger heute erst Trumps Zolldrohungen vollständig einpreisen. Außerdem könnte der Oberste Gerichtshof in den USA über die Rechtmäßigkeit von Trumps Strafzöllen entscheiden. Zuvor hatten Gerichte in unteren Instanzen geurteilt, dass Trump mit den Zöllen seine Kompetenzen als Präsident überschritten habe.

Im Streit mit den USA um Grönland können die Europäer beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos vorlegen. Heute beginnt das offizielle Programm der jährlichen Tagung in den Schweizer Alpen. Unter anderem werden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprechen.

Nicht nur viele der etwa 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürften gespannt darauf warten, ob und wie die Spitzenpolitiker sich beim WEF zu den Annexionsgelüsten von US-Präsident Donald Trump äußern. Am Mittwoch wird Trump selbst erwartet.

Mitten im neu aufgeflammten Zollstreit will Mercedes-Benz seine Produktion in den USA deutlich ausweiten – allerdings später als angekündigt. Das SUV-Modell GLC solle nun „etwas später als 2027“ im US-Werk Tuscaloosa vom Band rollen, sagte Konzernchef Ola Källenius dem Handelsblatt. Ursprünglich wollte der Stuttgarter Autobauer das Fahrzeug bereits kommendes Jahr in dem Werk im US-Bundesstaat Alabama fertigen.

Der ChatGPT-Anbieter OpenAI ‌hat seinen Umsatz 2025 dank ‍massiv ausgebauter ‍Rechenkapazitäten mehr als verdreifacht. Der annualisierte Erlös habe die Marke von 20 Milliarden Dollar überschritten, schrieb Finanzchefin Sarah Friar in einem Blog. Im Jahr 2024 ‍habe der Umsatz noch ‍bei sechs Milliarden Dollar gelegen. Auch die Zahl der wöchentlich und täglich aktiven Nutzer bewege sich auf Höchstständen – viele haben jedoch kein Bezahlabo.

Für das Jahr 2026 kündigte Friar einen Fokus auf die „praktische Anwendung“ von KI an, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und ‌Wissenschaft. Erst vor wenigen Tagen hatte OpenAI angekündigt demnächst testweise Werbung in den Chats einzubauen.

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat Gespräche über die Übernahme des niederländischen Unternehmens Stahl Holdings bestätigt. Die dem Finanzinvestor gehörende Firma stellt chemische Produkte für die Beschichtung und Oberflächenbehandlung her. Mit dem französischen Mehrheitseigentümer Wendel werde derzeit geredet, teilte Henkel mit.

Noch ist offen, ob es auch zu einer Einigung kommt. Bei einer möglichen Übernahme müssten auch die Kartellbehörden zustimmen. Der Deal wird mit bis zu zwei Milliarden Euro bewertet.

Source: tagesschau.de